Jetzt ist es wieder soweit: Kaum steht das Essen auf dem Tisch, nerven auch schon die Wespen. Im August erreichen die Wespenvölker ihre maximale Größe. Gleichzeitig wird die Nahrung knapp. Deshalb bedienen sich die Wespen immer öfter am gedeckten Tisch der Menschen.

Fast in jedem Jahr ist im August von einer Wespenplage die Rede, Experten aus der Region verzeichnen bislang aber keinen außergewöhnlichen Anstieg.
Fast in jedem Jahr ist im August von einer Wespenplage die Rede, Experten aus der Region verzeichnen bislang aber keinen außergewöhnlichen Anstieg. | Bild: Frank Rumpenhorst/dpa

Fast in jedem Jahr ist dann von einer Wespenplage die Rede. "Von einer Wespenplage habe ich hier bei uns in Immenstaad noch nichts bemerkt", sagt Christiane Hirt, Bereitschaftsleiterin beim Deutschen Roten Kreuz in Immenstaad. Es habe in diesem Jahr bei ihr sogar nur eine einzige Alarmierung im Zusammenhang mit einer allergischen Reaktion auf einen Insektenstich gegeben. "Bei uns laufen keine vermehrten Meldungen auf", sagt auch Friedrichshafens Stadtbrandmeister Louis Laurösch.

Kreis und Stadt hat Wespenbeauftragte

Die Entfernung eines Wespennests ist aber ohnehin nicht die Aufgabe der Feuerwehr, sie wird nur im Notfall tätig. Selbst wenn ein Wespennest im Kindergarten oder im Jugendlager entdeckt wird, wird dieses zwar begutachtet, aber die Entfernung der Wespennester ist Sache der Wespenbeauftragten von Stadt und Kreis oder die eines Schädlingsbekämpfers.

Strafe bis 50.000 Euro

"Man muss ein Wespennest nicht unbedingt entfernen", sagt der Wespenbeauftragte der Stadt Friedrichshafen, Werner Vooren. Bei ihm klingelt in diesen Tagen laufend das Telefon, aber das sei normal um diese Jahreszeit. "Tun können Sie gar nix, einfach noch vier oder fünf Wochen warten, dann sind die alle weg", sagt er. Wespen stehen nämlich unter Naturschutz, sie zu töten kann mit einer Strafe bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Werner Vooren, Vorsitzender des Imkervereins Tettnang-Friedrichshafen, ist auch Wespenbeauftragter des Bodenseekreises.
Werner Vooren, Vorsitzender des Imkervereins Tettnang-Friedrichshafen, ist auch Wespenbeauftragter des Bodenseekreises. | Bild: Uli Lancé

In manchen Fällen, wie beim Ehepaar Steurer im Seemoos, macht Vooren sich vor Ort ein Bild. Hier hängt in diesem Jahr ein ballonartiges Nest von einem halben Meter Durchmesser im Satteldach über der Garage. In solch großen Nestern können bis zu 7000 Wespen leben. Das Umsiedeln kann, je nach Aufwand, aber auch sehr teuer werden. "Jetzt schlüpfen eh nur noch die Jungköniginnen und die anderen sterben alle, weil sie nichts mehr zu fressen finden", sagt Vooren.

Tiere weglocken mit Zuckerwasser

Aber was tun, wenn die Tiere bei der Nahrungssuche nerven? Zur Ablenkung kann ein Schälchen mit Zuckerwasser in sicherer Entfernung helfen. Auch eine aufgeblasene Papiertüte aufzuhängen kann helfen, denn Wespen gehen nicht in die Nähe von fremden Nestern. Und wenn sie schon da sind, hilft Wasser aus dem Blumensprüher, denn wie es scheint, sind sie auch wasserscheu.

Rohe Zwiebel bei Wespenstich

Und wenn man trotzdem gestochen wurde? Kühlen ist das A und O! "Ansonsten kann man ein Histaminikum verwenden. Fenistil Hydrocort oder Soventol Hydrocort kühlt und der Kortisonanteil nimmt die Entzündung ein bisschen zurück", sagt der Arzt Dr. Josef Groß aus Friedrichshafen-Fischbach. Als Hausmittelchen empfiehlt er, eine rohe Zwiebel aufzuschneiden und auf den Stich zu legen. Ganz anders sieht allerdings aus, wenn man in Mund und Rachenraum gestochen wird oder allergisch auf Insektengift reagiert. Dann sollte man schleunigst einen Arzt aufsuchen. "Ich hatte viele Fälle, in denen ich den Patienten nur in letzter Minute retten konnte", sagt der Ruheständler Dr. Wilhelm Beiter aus Berg.

Kleine Kinder nicht aus den Augen lassen

"Vor allem kleine Kinder darf man in den nächsten Wochen nicht unbeaufsichtigt essen lassen", rät DRK-Bereitschaftsleiterin Christiane Hirt. Ansonsten gilt: Nicht fuchteln, nicht anpusten, nicht barfuß laufen, mit geschlossenem Visier Motorrad fahren.

Allergiker müssen natürlich ihr Notfallset dabeihaben, Fliegengitter halten die Tiere aus Räumen fern. Und wie ist Kurt Steurer mit dem Wespennest am Garagendach umgegangen? "Ich hab mich entschieden, das Nest hängen zu lassen. Es ist weit genug vom Haus entfernt, dass keiner von uns belästigt wird." Und im nächsten Jahr werden sich die Tiere ohnehin anderswo ein neues Nest bauen.