FMit „Kalinka“ beginnt die Expedition – ein bunter Reigen nimmt das Publikum mit, über den Csárdás von Vittorio Monti und die Seemannsballlade „La Paloma“ bis zum israelischen Volkslied „Hava nagila“. Das Staatliche Russische Volksorchester wechselt mühelos Tempo und Stimmung, elegische Serenaden gehen über in übermütige Tänze, sehnsüchtige Melodien wechseln mit Country – oder Polkarhythmen. Bei aller Spielfreunde bleiben sie federnd leicht, durchsichtig und in stetem Kontakt zu ihrem Dirigenten Viktor Kusnetzov. Ohne Taktstock, mit kleinen Bewegungen voller Eleganz und Präzision hält dieser seine 38 Musiker zusammen. Mit der „Reise um die Welt“ von Alexander Zygankov eröffnen sie ihr Konzert im Graf-Zeppelin-Haus.

Viktor Pospelov spielt Ennio Morricones „Gabriel´s Oboe“ mit dem russischen Volkskorchester.
Viktor Pospelov spielt Ennio Morricones „Gabriel´s Oboe“ mit dem russischen Volkskorchester. | Bild: Corinna Raupach

Nicht nur musikalisch hat das Orchester eine lange Reise hinter sich – von Nischni Nowgorod an den Bodensee sind es rund 3000 Kilometer. Eingeladen haben Vertreter des katholischen Bildungswerks Immenstaad, die seit Jahren Kontakte zur Stadt an der Wolga pflegen. „Das Anliegen ist es, Brücken zu bauen zwischen Deutschen und Russen in Zeiten, in denen in der Politik eher eine Kaltzeit herrscht“, sagt Mitorganisatorin Rose Ebding.

Auch in Russland passt das Akkordeon gut zum Tango: Michail Sokolov spielt „Das Vergessen“ und „Engel“ von Astor Piazzolla.
Auch in Russland passt das Akkordeon gut zum Tango: Michail Sokolov spielt „Das Vergessen“ und „Engel“ von Astor Piazzolla. | Bild: Corinna Raupach

Die Verständigung funktioniert – die russischen Musiker ziehen mit ihrer Vielseitigkeit und dem Klang der traditionellen russischen Instrumente das Publikum in ihren Bann. Michail Sokolov verbindet auf dem „Bajan“ genannten Knopfakkordeon die Melancholie der Tangos von Astor Piazzolla mit Weite und Temperament Russlands. Die Balalaika lacht, weint und rast unter den Händen von Alexej Nemanov, Anton Kosylovs Domra gibt sich mal märchenhaft, mal virtuos. Elena Scharova lässt die Tischharfe Gusli sachte singen und leidenschaftlich aufrauschen. Nach dem überschäumend fröhlichen „Ringelreihen“ von Vadim Bibergan mit Sondereinlagen der Schlagzeuger gibt es minutenlang Applaus.

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Nach dem Konzert strömen Dutzende Zuschauer auf die Bühne, um sich die Gusli aus der Nähe anzusehen. Scharova erklärt deren Besonderheiten, mit Händen, Beispielen und einem Lächeln, das jeder versteht.