Über Erfolge redet alle Welt. Über Misserfolge seit ein paar Jahren auch – und das mit wachsendem Erfolg. Mit der „Fuckup“-Bewegung (übersetzt: verbocken, Mist bauen) ist Scheitern ein Stück weit salonfähig geworden, denn von den Fehlern anderer kann man lernen. Das bewiesen vier Unternehmer am Mittwochabend vor gut 160 Interessierten in der „Black Box“ im ZF-Campus der Zeppelin-Universität (ZU), wo sie über die schwarzen Kapitel ihrer beruflichen Karriere berichten – bei der ersten Fuckup-Nacht in Friedrichshafen. „Genau an der richtigen Stelle“, wie Andreas Owen erklärt, Chef von Veranstalter Cyberlago, die eine „Fuckup“-Lizenz erworben haben. Das ZU-Gründungszentrum "PionieerPort" unterstützt nicht nur viele Studenten auf ihrem Weg zur eigenen Firma, was es zum idealen Mitveranstalter dieser Premiere macht. Die Uni bietet Schul- oder Studienabbrechern mit einem extra Stipendium auch die Chance für einen Neustart.

Auch ZU-Absolventen haben kein Abo für den Erfolg

Dass auch ZU-Absolventen kein Abo für den Erfolg haben, erfuhr Matthias Heidorn, der sich 2002 an der Uni einschrieb. Mit 21 gründete er als Erstsemester mit fünf Jungspunden anderer Hochschulen seine erste Firma – learning by doing für den BWL-Studenten, der betriebswirtschaftlich „noch grün hinter den Ohren war“. Student war der Geschäftsführer einer Firma für Energie-Contracting dann eher im Nebenberuf. „Ich war von drei Jahren im Bachelor unterm Strich bestimmt nur zwei da“, erzählt er davon, wie er sich als Überflieger gefühlt habe. Das Geschäftsmodell war so gut, dass der Unternehmer Georg Kofler, Gründer und langjähriger Chef von Pro7, die Firma 2008 kaufte. Heidorn stieg aus, gönnte sich ein Auszeit in Südamerika und wollte in Guatemala zusammen mit einem Projektentwickler ein Stück soziale Vision in Gebäude umsetzen – was gründlich schief ging. Heidorn versenkte mit seiner zweiten Firma das komplette Geld, das er in der ersten erwirtschaftet hatte. „Wenn du scheiterst, wissen manche Leute plötzlich nicht einmal mehr, dass sie dich kennen“, erfuhr er am eigenen Leib. Sein Fazit, wenn’s eng wird: Vorher die Reißleine ziehen und keine Verbindlichkeiten eingehen, wenn die Finanzierung nicht klar ist. Heute ist er als Unternehmer wieder in Sachen Energie unterwegs.

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Gleich mehrfach ist "Mr. Wom" Mark Leinemann beruflich gescheitert. Er könnte auch als Experte für schief gegangene Neugründungen gelten. Er hat neun Lehren aus seinen Misserfolgen gezogen: Sich mit Verträgen absichern, selbst treu bleiben, Grenzen ziehen, Auszeiten einplanen, sich nicht vom Geld allein leiten lassen: Alles Tipps, die einen Unternehmer widerstandsfähig machen sollen, denn "der nächste Fuckup kommt bestimmt". Dass beruflicher Erfolg allein auch nicht trägt, hat Unternehmensberater Björn Gross erfahren. Sein privates Fuckup hat ihn so fertig gemacht, dass er geschäftlich die Reißleine zog. Wie man dann mit Rückschlägen umgehe, sei das Entscheidende, sagte er und zitierte Bruce Lee: „Ich kann nicht verlieren. Entweder ich gewinne oder ich erhalte eine Lektion.“

"Vernichtendes Urteil" der Juroren in der "Höhle der Löwen"

Die war für Markus Gambalat und vier Freunde aus Ravensburg fast schon einkalkuliert, als sie sich mit der Idee für Lustblume.de in die "Höhle der Löwen" und vor ein Millionenpublikum im Fernsehen – mit einer Online-Plattform für die Kaufberatung und -vermittlung von Sextoys. "Wir dachten, das geht nie auf Sendung", erzählte Gambalat. Ging es doch, und sie kassierten ein "vernichtendes Urteil" der Juroren. Doch selbst 1,2 Millionen Seitenaufrufe am Tag der Ausstrahlung reichten nicht, um daraus ein Geschäft zu machen. "Der PR-Hype war für den A...", sagt Gambalat lachend.

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