Segler und Kanuten sind im Allgemeinen dem feuchten Element sehr zugetan und an Regenschauer gewöhnt, aber die fast zwei Stunden dauernden Niederschläge mit Hagelkörnern und Gewitterböen mit rund neun Windstärken waren für die Wassersportler im Wassersportverein (WV) Fischbach am Samstagabend dann doch zu viel. Ihre Clubregatta konnten sie zwischen 14 und 16 Uhr noch segeln, aber der gemütlich-kulturelle Teil ihres alljährlichen Clubfests, mit Bootstaufe, Neptunbesuch und flotten Reimen für die Täuflinge, wurde wegen des abrupten Wetterumschwungs auf nächstes Jahr verschoben. Glücklicherweise waren alle Boote schon wieder sicher im Hafen vertäut, als das Unwetter losbrach.

Innerhalb weniger Minuten kippte der Wind Bierbänke und Sonnenschirme um, fegte liebevoll vorbereitete Tischdekoration samt Decken und Gläser über das Gelände und verwandelte die Brunnisach, die durch das Hafenbecken fließt, in eine wilde Strömung mit viel Treibgut. Als einige Clubmitglieder noch hektisch versuchten, die Fenster ihrer Autos zu schließen, mussten sie knöcheltief durch den auf dem Bootshof entstandenen kleinen Binnensee waten. Lobenswert war der Einsatz einiger Jugendlicher, die in Badebekleidung durch den niederprasselnden Regen flitzen und schnell noch ein paar Verdecke schlossen oder lose Teile an Booten versorgten, um Materialschäden zu vermeiden. Einige der zur Taufe hübsch über Top geflaggten und mit Blumen geschmückten Schiffe büßten ebenfalls ihre Deko ein, während sich bei anderen durch Verstopfung mit umherfliegenden Blättern die Plicht so zusetzte, dass sie ausgeschöpft werden mussten.

Während das Grillen der Steaks und Würstchen kurzerhand in die Bootshalle verlegt und das Salatbüfett ebenfalls dort aufgebaut wurde, sammelten sich die Vereinsmitglieder unter dem Dachvorsprung und entlang der Wände am Vereinsheim, um das Unwetter zu verfolgen und die Hagelkörner zu bestaunen. Nachdem die Vollwarnung am Ufer weiter blinkte und sich die Situation zwei Stunden lang nicht änderte, beschlossen Neptun und sein Gehilfe (Dieter Löflath und Micha Neubold) zusammen mit Clubpräsident Ossi Münzer, den sieben zu taufenden Booten eine Art Probejahr zu verordnen und sie ungetauft durch die Saison schippern zu lassen. „Bei Gewitter können wir ja niemand in den See schubsen und Spaß macht es auch nicht mehr, weil es sich ziemlich abgekühlt hat. Sicherheit geht vor, dem tragen wir Rechnung und verschoben ist ja nicht aufgehoben“, so Münzer, der sich freute, dass die Stimmung in der Bootshalle trotz des Unwetters im wahrsten Sinne des Wortes feucht- fröhlich war.