Jährlich werden weltweit neun Milliarden Tonnen Plastik hergestellt, aber laut den Vereinten Nationen werden nur neun Prozent davon recycelt. 88,6 Prozent der Kunststoffabfälle landen früher oder später in den Weltmeeren – mit schwerwiegenden Folgen. Grund genug, nach Strategien gegen die Flut von Kunststoffmüll zu suchen. Kerstin Mommsen, SÜDKURIER-Lokalchefin in Friedrichshafen, wurde für ihre Serie zum Plastikverzicht unter anderem mit dem Helmut-Schmidt-Journalisten-Preis ausgezeichnet. Gemeinsam mit dem Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Hahn diskutierte sie am Montag mit Bürgern. Die Runde kam zu dem Ergebnis: Mit Mülltrennung und Gelbem Sack beruhigen wir hierzulande lediglich unser Gewissen.

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Plastikfreies Leben ist nicht unbedingt teurer

Der Inhalt der Gelben Säcke landet größtenteils in der Müllverbrennung, hauptsächlich deshalb, weil die Kunststoffe nicht sortenrein sind. Nach einer aufrüttelnden Kindersendung hat Familie Mommsen ihren Plastikmüll erfolgreich reduziert. Aus sechs Gelben Säcken wurde einer und manchmal steht sogar nur ein halber zur Abholung an der Straße. "Auf Plastik zu verzichten ist nicht einfach, aber es geht", sagt Kerstin Mommsen. Dabei handele sie keineswegs dogmatisch: Wo es geht, kauft sie Obst und Gemüse unverpackt. Wenn das nicht geht, dann lässt sie die Plastikverpackung an der Sammelstelle im Supermarkt zurück. Nudeln und Waschmittel gibt es in Pappkartons, Getränke in Glasflaschen und mit Soda, Seife, Natron und Zitronensäure lässt sich so ziemlich jedes Reinigungsmittel im Putzschrank ersetzen. Unterm Strich sei das plastikfreie Leben etwas teurer. "Aber nicht viel, weil man bewusster einkauft", sagt sie.

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Wattestäbchen-Verbot der Politik reicht nicht aus

Und was macht die Politik? Die EU will Strohhalme, Wattestäbchen, Luftballons und Einweggeschirr verbieten. Martin Hahn gibt zu, dass das noch keine Strategie sei. Es müsse nachgebessert werden: beim Gelben Sack, bei der Hygieneverordnung und bei der Besteuerung. Noch besser fände Kerstin Mommsen allerdings, wenn man Plastiktüten, Einwegflaschen und Co. verbieten würde.

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