Auch bei den ZF-Mitarbeitern sind die Reaktionen auf den Sommer-Rücktritt gemischt. Viele quittieren die Frage nach den Ereignissen am Freitagmorgen mit einem Achselzucken. Diejenigen, die sich äußern, sind sich in zwei Punkten einig. Punkt 1: Stefan Sommer hat aus Sicht der Belegschaft einen guten Job gemacht. Punkt 2: Die Lokalpolitik, allen voran der Häfler Oberbürgermeister Andreas Brand, sollte sich künftig bei Fragen zur Unternehmensführung zurückhalten.

Alle Arbeiter waren froh, dass der Machtkampf an der Konzernspitze zu Ende ist. „Der Streit zwischen Brand und Sommer war extrem schädlich für das Image von ZF“, betont ein Arbeiter. „Genau wie wir hier an der Basis jeden Tag schaffen gehen, sollten sich auch die Manager verhalten. Ich glaube, die meisten Kollegen konnten es am Ende nicht mehr hören und wollen wieder ein Stück weit Ruhe haben.“

Mit dem Expansionskurs, den Stefan Sommer eingeschlagen hatte, zeigten sich die meisten Arbeiter zufrieden. „Ich bin kein Experte. Aber ich arbeite seit über 20 Jahren hier und ich sehe, wie gut es unserer Firma geht. Er scheint also nicht alles falsch gemacht zu haben. Sommer hat verstanden, dass wir uns dringend weiterentwickeln müssen.“

Hier war der Rücktritt kein Thema: 5000 Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen AG kamen am Dienstag, 5. Dezember, zur Betriebsversammlung in der Messe Friedrichshafen zusammen.
Hier war der Rücktritt kein Thema: 5000 Mitarbeiter der ZF Friedrichshafen AG kamen am Dienstag, 5. Dezember, zur Betriebsversammlung in der Messe Friedrichshafen zusammen. | Bild: Ambrosius, Andreas

Doch nicht alle sehen die Strategie positiv. Ein gelernter Zerspannungsmechaniker, der schon seit seiner Ausbildung im Betrieb ist, war sich nicht sicher, ob Sommer wirklich zu ZF gepasst hat. „Bei uns gibt es ja eine besondere Kultur. Da passt es meiner Meinung nach einfach nicht, wenn man die Wurzeln der Firma vernachlässigt. Trotzdem waren wir mit Sommer wirtschaftlich ja sehr erfolgreich.“

Einigkeit auch in einem anderen Punkt: Der Rücktritt von Sommer war am Ende keine Überraschung mehr. „Es war ja nur noch eine Frage der Zeit. Man kann sich nicht gegen den Haupteigentümer der Firma stellen und dann erwarten, dass man damit durchkommt. Man solle halt nicht die Hand beißen, die einen füttert“, sagte eine ZF-Mitarbeiterin am Freitagmorgen vor dem Werkstor.

Viele Mitarbeiter fragen sich auch, wer Stefan Sommer langfristig ersetzen soll. An einen schnellen und reibungslosen Übergang glaubt niemand. Die Nachfolgefrage löst bei vielen ZF-Arbeitern auch Besorgnis aus. „Ich denke, der Vorstand muss sich erst mal neu aufstellen. Wenn so jemand Bedeutendes geht, muss man sich schon sehr gut überlegen, wie es weitergehen soll“, sagt ein langjähriger Mitarbeiter. „Ich hoffe mal, dass man sich da nicht selbst ins Knie geschossen hat.“

Muss seinen Posten räumen: Stefan Sommer ist am 7. Dezember als Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG zurückgetreten.
Muss seinen Posten räumen: Stefan Sommer ist am 7. Dezember als Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG zurückgetreten. | Bild: imago

Dass das Gerangel zwischen Brand und Sommer Folgen haben wird, ist sich ein weiterer ZF-Angestellter sicher. Er fragt sich, welchen Eindruck die ZF nach außen hin abgibt. „Ich gehe zwar nächstes Jahr in Rente, von dem her kann mir das egal sein“, lacht der Mann. „Aber überlegen Sie mal, welchen Eindruck Top-Manager vom Schlage eines Stefan Sommer bekommen, wenn die sehen, mit welchem Ärger der sich in letzter Zeit in Friedrichshafen herumschlagen musste. Die sind doch alle gut vernetzt. Ich frage mich, ob wir auch in Zukunft noch das beste Spitzenpersonal bekommen können. Von denen möchte sich glaube ich niemand ständig mit einem aufmüpfigen Stiftungsrat herumschlagen.“

Die meiste Kritik gibt es am Freitagmorgen an die Adresse des Häfler Oberbürgermeisters. „Der Brand soll uns erst mal jemanden präsentieren, der den Chef ersetzen kann. Ich weiß nicht, ob wir derzeit einen Besseren finden“, ärgert sich ein weiterer Angestellter. Ein Kollege, der das Gespräch mitbekommt, ergänzt: „Brand soll sich raushalten. Der gehört ins Rathaus und nicht in die Chefetage von der ZF. Die Stadt ist zwar der Eigentümer, aber die sind doch alle nur gewählt. Da kann man sich nicht aufführen wie ein Firmeninhaber. Ich halte den Rücktritt von Sommer für eine Katastrophe und ich weiß nicht, ob unser Laden das so einfach wegsteckt.“

Der letzte Gefragte, der durch den Regen eilt und nur ungern anhält, sieht den Rücktritt von Sommer nicht allzu tragisch. Er sagt dazu nur: „Da isch alles scho gschwätzt.“