Hanna De Ruggiero mit ihrem Vater Samuel und Musiklehrerin in der privaten Musikschule Musikatelier von Regula Gebhardt. Bild: Sabine Wienrich
Hanna De Ruggiero mit ihrem Vater Samuel und Musiklehrerin in der privaten Musikschule Musikatelier von Regula Gebhardt. Bild: Sabine Wienrich | Bild: Wienrich, Sabine

Für Hanna (13 Jahre) stand schon früh fest: Sie will Klavier lernen. Und so begann die Häflerin mit sieben Jahren in die Tasten eines E-Pianos zu hauen. "Wir wollten das als Eltern fördern und finanziell funktioniert es bei uns auch", sagt Vater Samuel De Ruggiero. Knapp 750 Euro kostete die Anfangsausstattung, dazu kommen 69 Euro pro Monat für den Einzelunterricht. Macht rund 828  Euro im Jahr.

Städtische Musikschule erhält 1,13 Millionen Euro jährlich

"Was sich für Eltern erstmal nach eher viel anhört, ist es eigentlich nicht", sagt Regula Gebhardt, Leiterin und Inhaberin des Musikateliers in Manzell, "denn hängen bleibt für uns kaum etwas." Während die Städtische Musikschule als Stiftungsunternehmen zum Großteil durch Gelder der Zeppelin-Stiftung (2019: 1,13 Millionen Euro) finanziert wird, gehen private Musikschulen wie das Musikatelier leer aus. "Private Musikschulen verfolgen einen gewerblichen Zweck und sind deshalb in der Regel nicht gemeinnützig", begründet die Stadt Friedrichshafen diese Tatsache. Darüber kann Regula Gebhardt nur schmunzeln: "Vieles wird hier ehrenamtlich geleistet." Die Musiklehrer seien alle sehr gut ausgebildet, der Unterricht qualitativ. "Wir sind doch alle Musiker und haben das gleiche Anliegen: wir wollen unser Können und die Liebe für Musik weitergeben." Sie habe bereits darüber nachgedacht, einen Förderverein zu gründen. Dann könne sie zwar Spenden empfangen, einen städtischen Zuschuss gibt es trotzdem nicht.

Kein Geschwisterrabatt an der privaten Schule

Regula Gebhardt ist Inhaberin des Musikateliers in Manzell.
Regula Gebhardt ist Inhaberin des Musikateliers in Manzell. | Bild: Wienrich, Sabine

Für Gebhardt hat das Konsequenzen: Sie muss härter kalkulieren. Der Unterricht (Einzelstunde 69 Euro monatlich) kostet zwar nur wenig mehr als in der Städtischen Musikschule (60 Euro), aber Rabatte für Geschwisterkinder oder Kinder aus einkommensschwachen Familien gibt es nicht. Das ist an der Städtischen Musikschule anders: Wenn die Eltern bereit sind, ihre Einkommensverhältnisse darzulegen, können die Kinder und Jugendlichen eine zusätzliche Sozialermässigung der Zeppelin-Stiftung von bis 50 Prozent bekommen. Nach Angaben der Stadt bekommen derzeit 33 Schüler von insgesamt 887 Schülern eine gesonderte Förderung. Weitere 371 Kinder werden allerdings in Kooperationen vor Ort mit Schulen ("Musikwelt für die Klassen 1 und 2 und die Bläser- und Streicherklassen) und in dem Projekt "Singen-Bewegen-Sprechen" in Kindertagesstätten unterrichtet. "Das sind Angebote, die Kindern einen kostengünstigen, zum Teil auch kostenfreien und chancengleichen Zugang zur Musik zu ermöglichen", sagt Stadtsprecherin Andrea Gärtner auf Anfrage.

Können sich alle Musikunterricht leisten?

Die Antwort der Stadt lautet: "Es ist der Musikschule wichtig, dass durch die verschiedenen Unterrichtsformen keine soziale Unterscheidung herbeigeführt wird. Die Angebote der Musikschule stehen allen Kindern offen. Die wird nach unserer Einschätzung auch so angenommen." Doch warum erhalten nur knapp vier Prozent aller Musikschüler (Einzel-oder Gruppenunterricht) eine zusätzliche soziale Förderung? Aktuell liegt die Einkommensgrenze für eine vierköpfige Familie bei rund 30 000 Euro pro Jahr. "Es ist nicht bekannt, wie hoch die Zahl der potentiellen Bedarfsträger ist", sagt Kreuzer. Zudem stelle die Stadt immer wieder fest, dass Eltern ihre Einkommensverhältnisse nicht gern offen legen wollten.

Was passiert, wenn die Eltern sich trennen

Regula Gebhardt, die viele Jahre eine Musikschule bei Pforzheim geführt hat, weiß, dass es für viele Eltern in Friedrichshafen dank guter Löhne aus der Industrie zwar möglich ist, Unterricht zu finanzieren, es aber immer wieder zu Problemen kommen kann. "Vor allem, wenn Eltern sich trennen, muss oft der Unterricht als Erstes dran glauben", sagt sie. Es sei deshalb schon vorgekommen, dass eine Mutter die Stunden des Kindes durch Putzen der Musikschule verdient habe. Eine andere habe Büroarbeiten übernommen. Gebhardt war selbst viele Jahre alleinerziehend, sie weiß wie hart das sein kann. "Ich würde mir wirklich wünschen, dass auch ich dann eine Möglichkeit hätte, Familien zu unterstützen", erklärt sie. Das sei ein Grund mehr, die Ungleichbehandlung zwischen den Schulen aufzuheben, meint Gebhardt.

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