Der Bodensee-Airport hat ein Problem mit seinem Tower, in dem die Fluglotsen sitzen. Der ist marode und braucht einen Ersatz, und das schon seit Jahren. Doch das Geld für eine neue Lösung fehlt, denn der Flughafen schreibt seit Jahren rote Zahlen – vor allem deshalb, weil die Altschulden immer noch drücken. Fünf Abgeordnete der CDU-Landtagsfraktion machen sich in einem Brief an Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nun dafür stark, dass der Flughafen 7,5 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt für „sicherheitsrelevante Investitionen“ bekommt.

Land will mit Steuergeld keine Regionalflughäfen finanzieren

Bis vor einem Jahr lehnte es das Land ab, Regionalflughäfen mit Steuergeldern zu fördern. Die Linie war klar: Auch der Bodensee-Airport muss sich selbst tragen. Dabei ist das Land mit 5,7 Prozent Anteilseigner. Im Oktober 2018 gewährte die Landesregierung überraschend doch ein Darlehen von einer Million Euro für die Umschuldung der Flughafengesellschaft (FFG), obwohl das grüne Verkehrsministerium dies mehrfach abgelehnt hatte. Stadt Friedrichshafen und Bodenseekreis hatten da als Hauptgesellschafter zusammen schon 17,4 Millionen Euro in die FFG gepumpt.

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Über die Tower-Finanzierung sollte bei den Verhandlungen zum Landeshaushalt 2020/21 gesprochen werden, geht aus dem Schreiben von Thomas Dörflinger, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, hervor. Die sind nun abgeschlossen. Doch die 7,5 Millionen Euro stehen im Etatplan nicht drin. Obwohl sich laut Schreiben von Dörflinger auch CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart für die Finanzspritze für den Häfler Flughafen eingesetzt habe, hat sich die CDU diesmal offensichtlich nicht gegen den grünen Koalitionspartner durchgesetzt.

Kein Posten im Haushaltsentwurf des Landes

Dies bestätigt Edgar Neumann, Pressesprecher des Verkehrsministeriums. Die CDU habe in der Haushaltskommission diesen Posten nicht platzieren können. Minister Hermann sei nun eigentlich der falsche Adressat für den Brief der CDU-Abgeordneten, weil die Regierung nun „nicht mehr auf dem Spielfeld“ sei. Jetzt sind die Abgeordneten am Zug, die letztlich den Haushalt beschließen. Mit anderen Worten: Geld für den Flughafen Friedrichshafen gibt‘s nur noch, wenn der Vorschlag im Plenum mit einer Gegenfinanzierung durchkommt.

Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG)
Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Friedrichshafen GmbH (FFG) | Bild: Cuko, Katy

Was dann? Wenn sich das Land nicht an den Investitionen beteilige, müssten diese erneut verschoben werden, antwortet Flughafenchef Claus-Dieter Wehr auf Nachfrage unserer Zeitung. Bis Jahresende bräuchte die FFG Bescheid vom Land, um die Zuschüsse in Brüssel rechtzeitig anzumelden. Investitionen in Regionalflughäfen darf die öffentliche Hand zu maximal 75 Prozent fördern. Es gebe zwar noch keinen unmittelbaren Zeitdruck, aber „andere Alternativen sind eine große Herausforderung und nicht einfach zu erreichen.“

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Dabei strebt der Flughafen nicht den Neubau des Towers an, sondern hat eine andere Lösung im Blick: den Remote-Tower. Das ist ein Kameraturm, der die Livebilder auf Bildschirme in einen Kontrollraum der Lotsen überträgt. Wehr nennt Kosten von maximal acht Millionen Euro. „In einem ersten Schritt könnte dieser Kontrollraum hier am Standort entstehen“, sagt er. Dann blieben die Lotsen vor Ort. Denkbar wäre aber auch eine Weiterentwicklung zur echten Remote-Lösung. Bei der sitzen die Lotsen an einem anderen Standort. Für den FFG-Geschäftsführer wäre außerdem vorstellbar, dass dieser „virtuelle“ Häfler Kontrollturm andere Regionalflughäfen mit bedient. Eine Langfristperspektive, die mit dem Flugsicherungsdienstleister zu besprechen und zu entwickeln wäre.

Weitere Investitionen

Der Remote-Tower ist nicht die einzige sicherheitsrelevante Investition, die die Flughafen Friedrichshafen vor sich her schiebt. So müssen nach Auskunft von Claus-Dieter Wehr zum Beispiel die Rollhalte für Flugzeuge für den Schlechtwetterbetrieb verlegt werden. Dafür stehen in den kommenden Jahren – ohne den Tower – pro Jahr zwischen 1,7 und 2,5 Millionen Euro an. Darüber hinaus bestehe laut Wehr aber auch Investitionsbedarf für den laufenden Flugbetrieb, beispielsweise im Fuhrpark.