Wer ein Auto steuert, das Handy am Ohr hat und dabei erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von mindestens 100 Euro rechnen. So einfach ist das. Eigentlich genauso einfach: Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, das Handy am Ohr hat und dabei erwischt wird, den erwartet ein Bußgeld von mindestens 55 Euro. Begriffe wie Knöllchen oder auch Punkte in Flensburg mögen oft eher mit Autos und Motorräder und weniger mit nicht bis schwach motorisierten Zweirädern in Verbindung gebracht werden. In Friedrichshafen und der Region nimmt die Polizei aktuell aber immer wieder verstärkt Radfahrer in den Fokus.

Kontrollen geben Anlass zu Diskussionen

„Die Unfallzahlen sprechen dafür, dass diese Kontrollen unerlässlich sind“, erklärt Polizeisprecher Markus Sauter. Oder wie es dem Polizeibericht immer wieder zu entnehmen ist: „Diese gezielten Kontrollen ... sollen eine Verbesserung der Verkehrsmoral und damit einen Rückgang der Verkehrsunfallzahlen bewirken.“

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Gesprächsthema sind sie allemal. „Zeit wird‘s! Viel zu selten!“, wird eine der Kontrollen auf der Facebook-Seite der Häfler SÜDKURIER-Redaktion kommentiert. Oder: „Sollte viel öfter gemacht werden.“ Ein Nutzer schreibt: „Für Radfahrer gelten keine Verkehrsregeln, so könnte man meinen. Eine andere Schilderung: „Ich kann gar nicht mitzählen, wie oft mir von Autos die Vorfahrt genommen wird.“ Regellosigkeit gebe es nach ihrer Beobachtung bei allen Verkehrsteilnehmern, ist im Kommentar einer weiteren Nutzerin zu lesen. Täglich beobachte sie, wie Autofahrer über rote Ampeln und/oder zu schnell fahren. „Und gleichzeitig gibt es auch diejenigen, die sich regelkonform verhalten und das ist bei Fußgängern und Radfahrern auch so.“

 

 

68 Verstöße binnen sechs Stunden

Erst am vergangenen Montag galt die Aufmerksamkeit von Beamten des Häfler Polizeireviers zwischen 9.30 und 15.30 Uhr an verschiedenen Stellen in Friedrichshafen erneut insbesondere Radfahrern. 68 Verstöße gegen Straßenverkehrsvorschriften wurden dabei erfasst: Radfahrer ignorierten rote Ampeln oder Radwege, fuhren auf Gehwegen, hantierten mit Mobiltelefonen und sonstigen technischen Geräten oder waren radelnd in Fußgängerbereichen unterwegs. 134 Verstöße waren das Ergebnis von Kontrollen direkt nach Pfingsten. Da waren Beamte aus Friedrichshafen und Meersburg an zwei Tagen und mehreren Standorten im Kreisgebiet im Einsatz. „Sehr erschreckend“ war dabei laut Polizei die hohe Anzahl der uneinsichtigen Verkehrsteilnehmer.

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Nahezu jeder an einem Unfall beteiligte Radfahrer wird dabei verletzt

Als „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ hatte Uwe Janitschek, Leiter des Polizeireviers Friedrichshafen es jüngst beschrieben, Radfahrer zu beanstanden oder zu verwarnen. „Niemand reagiert in so einer Situation erfreut“, sagt Markus Sauter. Das Ausmaß an Einsicht hänge immer von der einzelnen Person ab. Was Janitschek und Sauter zufolge bei Kontrollen von Radfahrern aber zumindest häufig der Fall ist: Die Polizisten werden gefragt, ob sie denn nichts Besseres zu tun hätten – oder gar beleidigt. „Die Kollegen sind aber bemüht, auch transparent zu machen, dass dies nicht aus Jux und Dollerei passiert“, sagt Sauter. Es mag zunächst wenig dramatisch erscheinen, wenn von Radlern die Rede ist, die zwar den Radweg benutzen, aber eben den auf der falschen Straßenseite. „Das kann allerdings ganz schnell zu einer brenzligen Situation führen“, sagt Sauter. Nahezu jeder der in einen Unfall verwickelten Radfahrer wird laut Polizei dabei verletzt.

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Bei der Vorstellung des Sicherheitsberichtes war Janitschek im Finanz- und Verwaltungsausschuss auf die Unfallzahlen und die resultierenden Kontrollen eingegangen. Was Verkehrsunfälle mit Radfahrern anbelange, habe das Polizeipräsidium Konstanz, zu dem neben dem Bodenseekreis die Landkreise Konstanz, Ravensburg, Sigmaringen gehören, den unrühmlichen zweiten Platz in der Landesstatistik, hinter dem Polizeipräsidium Freiburg. „Unrühmlich, weil hier sehr, sehr viele Fahrradunfälle passieren.“

Die Polizei sei aufgefordert, sich verstärkt den Ursachen von Fahrradunfällen, zu widmen. Janitscheks Blick in die Zahlen zum vergangenen Jahr zeigten: Wurde ein Unfall von einem Fahrradfahrer verursacht, dominieren zwei Punkte: „Das ist zum einen Unachtsamkeit, die schwer zu überwachen ist“, so der Revierleiter. Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt es für Radfahrer nicht, zweite Hauptursache ist ihm zufolge aber nicht angepasste Geschwindigkeit. In den Unfallzahlen spiegle sich auch wieder, dass sich auf Pedelecs auch Fahrer fortgeschritteneren Alters schwingen, „die dabei manchmal das eine oder andere unterschätzen“.

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Und dann gibt es die Unfälle, die zwar „mit Fahrradfahrern“ erfasst, aber nicht durch einen von ihnen verursacht wurden. Die Verkehrsmoral von Autofahrern wird aber ebenso im Blick behalten. Kurz nach Pfingsten sogar nebenher: Bei den Kontrollen hatten neben 168 Radfahrer-Verstößen auch jene von 37 Autofahrern Folgen.