Ein Jahr lang gärte es in ihm, vor wenigen Wochen fiel endgültig seine Entscheidung. Hannes Weber hört nach acht Jahren im Gemeinderat auf. Am Montag wird der Bäckermeister offiziell sein Mandat niederlegen, die Fraktion der Freien Wähler verliert damit nach Florian Mayer nun schon das zweite Mitglied aus der Riege der Jüngeren. "Ich habe mir die Entscheidung ganz sicher nicht leicht gemacht", berichtet der 38-Jährige. Doch seit der Geburt seiner zweiten Tochter Jule im Januar wurde ihm immer klarer, dass er etwas ändern will. "Tatsächlich war ich kaum noch zu Hause. Wenn ich während der Ratssitzungen Whatsapp mit Bildern von meiner Familie bekam, da habe ich mich manchmal schon gefragt, was ich da eigentlich treibe", gibt der 38-Jährige unumwunden zu.

Bäckermeister Hannes Weber will seine Anlage umrüsten. Denn: "Aus der Kiste komme ich doch nicht mehr raus. Gibt es Belästigungen durch Rauch, egal durch wen, wird in es in Zukunft immer heißen: Der Weber ist es."
Bäckermeister Hannes Weber will seine Anlage umrüsten. Denn: "Aus der Kiste komme ich doch nicht mehr raus. Gibt es Belästigungen durch Rauch, egal durch wen, wird in es in Zukunft immer heißen: Der Weber ist es." | Bild: Mommsen, Kerstin


Tatsächlich war er aber schon vor einem Jahr bei Oberbürgermeister Andreas Brand, um ihn darüber zu informieren, dass er mit dem Gedanken spiele, sich aus dem Gemeinderat zurückzuziehen. "Damals gab es in meinem Betrieb Veränderungen, die mich sehr beansprucht haben", erzählt Weber. Diese Probleme hätten sich mittlerweile gelöst, trotzdem stieg der Druck immer weiter. "Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr mit der Energie Stadtrat sein konnte, die ich eigentlich für mich beanspruche", sagt er.

Auf die Frage, ob es innerhalb der Fraktion Spannungen gegeben habe, die ihn zu dem Rücktritt bewogen hätten, antwortet Weber freimütig: "Die Freien Wähler sind ein freier Haufen. Das kann man positiv und auch negativ sehen. Natürlich gab es immer wieder auch kontroverse Diskussionen", sagt er. Er selbst habe für sich in Anspruch genommen, sich keinem Druck von außen zu beugen, sich nicht beeinflussen zu lassen in seinen politischen Entscheidungen. "Natürlich hatten wir nicht immer dieselben politischen Auffassungen", so Weber. "Ich hatte mir zur Aufgabe gemacht, die Fehler in den Vorlagen der Verwaltung zu suchen", erklärt der Bäckermeister. Aber das hätten ihm auch viele negativ ausgelegt. Trotzdem habe die Fraktion ihn zu überreden versucht, weiter zu machen. Allen voran Dagmar Hoehne, die wohl bis zuletzt für seinen Verbleib kämpfte. Für Weber wird Angelika Drießen in den Gemeinderat einziehen.

Weber hat tatsächlich einiges um die Ohren. Mittlerweile betreibt der Bäckermeister sechs Filialen, beschäftigt 100 Mitarbeiter. Dazu will er neben seiner Backstube im Gewerbegebiet "Am Flughafen" einen 5-Millionen-Euro-Neubau realisieren, einerseits um seinen Betrieb zu erweitern, andererseits um weitere Flächen zu vermieten. Seit Februar ist die Hannes Weber Immobilien GmbH im Handelsregister eingetragen. Geschäftszweck: Einnahmen aus Vermietung und Verpachten. Zudem hat er eben erst ein denkmalgeschütztes Anwesen in Fischbach gekauft, um dort mit seiner Familie zu wohnen. Auf Gerüchte angesprochen, er habe in seiner Zeit im Gemeinderat seine Schäfchen ins Trockene gebracht, reagiert Weber gereizt.

"Wer so etwas in Umlauf bringt, der kennt mich nicht", wehrt sich Weber. In seiner Zeit als Stadtrat habe er 50 Anträge eingebracht. Kein einziger sei dabei gewesen, mit dem er sich persönlich bereichert habe. "Ich habe in Friedrichshafen Karriere gemacht. Jetzt will ich bauen – was ist daran schlimm?", fragt er.

Die nächsten Jahre will er sich aus dem Politikbetrieb herausziehen, auch bei der nächsten Kommunalwahl will er definitiv nicht antreten. "Was danach ist, werden wir sehen", sagt der 38-jährige Familienvater. Politik sei toll, die letzten Jahre im Gemeinderat hätten seine Leidenschafft geweckt. Eines aber ist bereits sicher: ehrenamtlich will sich Weber künftig bei der Fischbacher Feuerwehr engagieren.

Höhen und Tiefen eines Stadtrates

Acht Jahre lang war Hannes Weber Mitglied im Häfler Gemeinderat. Er beendet nun seine zweite Amtszeit zwei Jahre, bevor wieder Neuwahlen für das Kommunalparlament anstehen. Insgesamt habe er nach eigenen Angaben 50 Anträge für die Fraktion der Freien Wähler gestellt. Doch welche Sitzungen sind ihm besonders in Erinnerung geblieben?

  1. Seine schönste Erinnerung: "Meine allererste Fraktionserklärung hielt ich, als es das erste Mal darum ging, in Fischbach Tempo 30 einzurichten, zu Zeiten des ersten Lärmaktionplanes. Die CDU war gänzlich gegen diese Idee, warum, weiß ich bis heute nicht. Alles hing an den Freien Wählern, weil nicht ganz klar war, wie sich die SPD und die Grünen bei der Abstimmung positionieren würden. Am Ende kamen wir mit dem Antrag durch. Das war der Tag, an dem ich kommunalpolitisch den Kinderschuhen entwuchs."
  2. Seine schlimmste Erinnerung: "Lange bevor das Desaster rund um die Zeppelin-Universität öffentlich bekannt wurde, habe ich einen Antrag im Gemeinderat eingebracht, der vorsah, dass man die Finanzen und Strukturen der ZU unter Stephan Janssen besser kontrolliert. Doch damals wurde ich regelrecht abserviert. Der Antrag wurde nicht einmal an die Stadträte verteilt und nur ganz klein an die Wand geworfen. An diesem Tag, ich erinnere mich genau, hatte ich keine Lust mehr und wollte alles hinwerfen."
  3. Seine erfolgreichste Erinnerung: "Beim letzten Doppelhaushalt haben wir insgesamt 15 Änderungsanträge gestellt. Alle sind durchgekommen. Das war wirklich ein befriedigendes Gefühl."