„Ich hab einen schönen Job, ich mag meine Arbeit“, lacht Gigi und nickt dazu, bis die schwarzen Locken fliegen. Es ist kurz vor 17 Uhr und er hat seinen Posten an der Absperrbarke vor der Weinstube „Glückler“ bezogen.

Wenn gleich 4000 Nu Metal-Fans zum Konzert von „Limp Bizkit“ in die Stadt einfallen, soll er dafür sorgen, dass sie nicht auf Parkplatzsuche durchs Wohngebiet irren. Nebenan warten bereits zwei Autos vor der verschlossenen Tiefgaragenschranke, denn unterm Graf Zeppelin Haus stehen den Konzertbesuchern 450 Plätze zur Verfügung.

Hilfe bei der Parkplatzsuche

Aber der Rest muss ja auch irgendwo parken, deshalb stehen an den anderen Absperrungen an der Schloß- und Wera-Straße ebenfalls Männer, die erklären, wo es Parkplätze gibt. Die Polizei hat im Moment nicht mehr zu tun, als die Absperrung für den Gabelstapler zu öffnen, der Bierfässer vom Brauereilaster aufs Festivalgelände karrt. Viele Bierfässer, denn beim ersten großen Open-Air in Friedrichshafen gilt, wie inzwischen bei jedem Konzert, Taschen- und Flaschenverbot. Auf den Grünstreifen rund ums Restaurant „Ferdinand“, wo später der Einlass sein wird, sitzen die ersten Besucher.

Quasi im Schatten des Grafen haben Ludwig und Jule aus Freising auf den Einlass gewartet. Sie waren so ungefähr die jüngsten Konzertbesucher bei "Limp Bizkit" und wurden von der Mutter an den See gefahren.
Quasi im Schatten des Grafen haben Ludwig und Jule aus Freising auf den Einlass gewartet. Sie waren so ungefähr die jüngsten Konzertbesucher bei "Limp Bizkit" und wurden von der Mutter an den See gefahren. | Bild: Andrea Fritz

„Wir sind seit 16 Uhr hier“, sagen Milena, Anja, Melli und Bille aus Illertissen. Sie haben ihre Picknickdecke, wie einst die Teenager bei den Backstreet Boys-Konzerten, genau am Einlass ausgebreitet und vertreiben sich die Zeit mit sauren Gummibärchen, Schokolade und den Erinnerungen an andere Konzerte.

Beim Einlass zum "Limp Biskit"-Konzert ging es am Samstagabend am Seeufer unterhalb des Graf-Zeppelin-Hauses gemächlich und gesittet zu.
Beim Einlass zum "Limp Biskit"-Konzert ging es am Samstagabend am Seeufer unterhalb des Graf-Zeppelin-Hauses gemächlich und gesittet zu. | Bild: Andrea Fritz

Nur, dass hier keine Boygroup auf der Bühne stehen wird und die vier Damen auch keine Teenager mehr sind. Fast alle Besucher, die nach und nach eintrudeln, sind zwischen 25 und 40 Jahre alt. „Wir sind mit dieser Band aufgewachsen“, werden sie und später alle anderen antworten, wenn man nach dem „Warum Limp Bizkit?“ fragt.

Es kommt Bewegung in die Schlange

Kurz vor 18 Uhr kommt Bewegung in die Szene, der Soundcheck ist beendet und es formt sich eine amorphe Schlange vor dem Einlass, aber alles ganz gemächlich. Es ist die Stunde der Flaschensammler. Immer mehr tauchen mit Tüten und Taschen auf, aber die anfallende Menge an Leergut können sie nicht bewältigen, der Rest bleibt unter den Abfalleimern stehen.

Zu viel Leergut für die Flaschensammler, das erfahrene Konzertpublikum hat garnicht erst versucht Flaschen aufs Open-Air-Gelände zu schmuggeln.
Zu viel Leergut für die Flaschensammler, das erfahrene Konzertpublikum hat garnicht erst versucht Flaschen aufs Open-Air-Gelände zu schmuggeln. | Bild: Andrea Fritz

Ganz vorne, bei Maria und Kim, öffnet sich die Absperrung. Während Kim, deren linker Oberarm fast vollständig von einem „Fred Durst“-Tattoo bedeckt ist, fröhlich mit dem Ticket winkt, bleibt Maria draußen. „Ich bin gespannt, wann es hier mal Konzerte gibt, die sich jeder leisten kann“, sagt sie ein bisschen traurig, denn es sieht auch nicht so aus, als hätte sie viel Gesellschaft, wenn sie vor der Absperrung zuhört. An der Abendkasse liegen noch 55 Tickets, aber 60 Euro sind zu teuer für Maria.

Kim (links) hatte ein Ticket, den vordersten Platz beim Einlass und sogar ein "Fred Durst"-Tattoo, für Maria waren dagegen die 60 Euro Eintritt unerschwinglich.
Kim (links) hatte ein Ticket, den vordersten Platz beim Einlass und sogar ein "Fred Durst"-Tattoo, für Maria waren dagegen die 60 Euro Eintritt unerschwinglich. | Bild: Andrea Fritz

Am zügigen Einlass zeigt sich, dass fast alle Besucher erfahrene Konzertgänger sind, die die Regeln kennen und auch einhalten. Um 19 Uhr ist schon die Hälfte von ihnen drinnen und der Rest trudelt nach und nach ein. Auch die Tiefgarage füllt sich nur langsam und Gigi hat Zeit für ein Schwätzchen mit den Anwohnern.

Anwohner freuen sich über Veranstaltung

Sie sehen die ganze Veranstaltung ebenfalls gelassen. „Ich finde es toll, dass hier überhaupt etwas gemacht wird“, sagt eine Fußgängerin und eine andere: „Wir haben hier Tourismus, da ist doch immer irgendetwas los, mich stört das nicht.“ Auch Gigi ist zufrieden. „Es hätte schlimmer kommen können“, sagt er noch immer gut gelaunt und seine Locken fliegen.

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