Herr Kloser, Sie haben hier in Friedrichshafen einen Vortrag über die, oder besser, Ihre "Hohentwiel" gehalten. Wann haben Sie das Schiff erstmals gesehen?

Das muss so um 1962 gewesen sein. Da lag sie stillgelegt und schrottreif im Hafen von Bregenz. Damals dachte ich, schade, dass so ein attraktives Schiff nicht mehr fährt.

Reinhard Kloser (rechts) im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiter Walter Rundel.
Reinhard Kloser (links) im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiter Walter Rundel. | Bild: Hubert Keckeisen

Was hat Sie angetrieben, das alte Dampfschiff zu retten?

Als technischer Schiffsingenieur auf großen Schiffen auf den Meeren hatte ich viel Erfahrung gesammelt. Und wenn ich im Urlaub in Bregenz die "Hohentwiel" sah, dachte ich, die könnte man doch retten. Das technische Rüstzeug hatte ich ja.

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Aber dazu braucht man engagierte Helfer. An wen denken Sie da vor allem?

Der größte Helfer war der Landrat von Lindau, Klaus Henninger. Er war auch Präsident des Fördervereins und zwischen uns war ein enges Vertrauensverhältnis. Das war die Grundlage. Im Vorstand gab es sonst nur Bedenkenträger.

Was viele nicht für möglich hielten oder auch nicht wollten: Die "Hohentwiel" wurde in jahrelanger Arbeit restauriert. Wann war die zweite Jungfernfahrt?

Das war am 17. Mai 1990. Und von da an war ich 15 Jahre lang Kapitän.

Das alte Holzruder ist eines der Schmuckstücke der "Hohentwiel".
Das alte Holzruder ist eines der Schmuckstücke der "Hohentwiel". | Bild: Mommsen, Kerstin

Das war sicher ein tolles Gefühl?

Das kann man sagen. Jedes Mal wenn wir in einen Hafen eingefahren sind, liefen die Leute zusammen, haben gewunken und sich gefreut. Da habe ich gedacht, das hat sich gelohnt. So war es übrigens auch hier im früheren Heimathafen der "Hohentwiel" in Friedrichshafen. Da war die Hafenmole voller Menschen, die uns zujubelten.

Darauf können Sie doch stolz sein?

Wissen Sie, die "Hohentwiel" ist einer der besten Repräsentanten des Bodenseegebiets und es war ein gemeinsames Projekt. Die Grenzen waren weg, vor allem zwischen Österreich und Deutschland. Bis heute habe ich viele Sympathisanten und Freunde aus dieser Zeit.

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Und die Hohentwiel ist nie in den roten Zahlen gefahren?

Da wollte ich einigen zeigen, wie man ein Schiff kostendeckend betreibt. Das ist mir vollumfänglich gelungen und die Grundlage war, dass ich eine hervorragende Besatzung aufgebaut habe, mit der ich auch die ganze Instandsetzung gemacht habe.

Auf dem Salondeck lässt sich die Fahrt genießen.
Auf dem Salondeck lässt sich die Fahrt genießen. | Bild: Mommsen, Kerstin

Und was machen Sie heute?

Zusammen mit zwei Freunden haben wir die „Duchess of Argyll“, die Dampfyacht des britischen Herzogs von Argyll aus dem Jahr 1883, restauriert und die fährt jetzt auf dem Bodensee und ist eine echte Attraktion.

Trotzdem zurück zur "Hohentwiel": Waren Sie jemals auf dem Berg bei Singen, dem Namensgeber?

Ja, das habe ich mir angeschaut und war sehr beeindruckt von der Festung. Und so trotzig wie die Festung da oben steht, so trotzig haben wir unser Projekt "Hohentwiel" damals durchgezogen und gezeigt, was wir können.

Fragen: Walter Rundel

Feiern wie Wilhelm II.

Als die "Hohentwiel" 1913 in Friedrichshafen vom Stapel lief, avancierte sie wegen ihrer Schönheit und technischen Ausstattung schnell zur Staatsyacht des württembergischen Königs Wilhelm II. Der König von Sachsen und auch Graf Zeppelin durften mitfahren. An Bord wurden rauschende Feste gefeiert. Den Namen "Hohentwiel" bekam der Schaufelraddampfer, weil der Singener Hausberg damals eine württembergische Enklave in Baden war. Später wurde die "Hohentwiel" im Kursverkehr eingesetzt. Für die Strecke Bregenz-Konstanz sollen mehr als eine Tonne Kohlen verfeuert worden sein, damit die Schaufelräder auf Touren blieben. Zu Beginn der 50er Jahre nahm die "Hohentwiel" noch an der legendären Wettfahrt um das Blaue Band des Bodensees teil. Aber dann begann das Dampfersterben am Bodensee. Die "Hohentwiel" entging der Verschrottung und lag 20 Jahre als Vereinsheim des Segelclubs Bregenz im dortigen Hafen. 1984 kaufte der Verein "Internationales Schifffahrtsmuseum" mit Sitz in Bregenz den heruntergekommenen Dampfer. Dann begann die jahrelange Restaurierung unter der Leitung von Reinhard Kloser. Heute werden wie 1913 rauschende Feste und Hochzeiten an Bord gefeiert. In diesem besonderen Ambiente kann man jedes Jahr über den See zu den Bregenzer Festspielen fahren.