"Wir glauben, dass Jugendliche sich über die Stadt hinaus politisch interessieren und wollten ihnen die Chance geben, die Kandidaten selbst kennenzulernen", sagt Eckmann. "Wir haben Themen zusammengestellt, die Jugendliche besonders betreffen wie Bildung, Digitalisierung und ÖPNV", ergänzt Linda Amazu. Die beiden sind Vorsitzende des Jugendparlaments und moderieren die Diskussion. Sie wissen genau, was sie von den Kandidaten erfahren wollen, weisen sie darauf hin, wenn sie zu lange reden oder greifen Themen aus dem Wahlkampf auf und haken nach.

Linda Amazu und Matthias Eckmann sind Vorsitzende des Jugendparlaments Friedrichshafen und moderieren die Diskussion.
Linda Amazu und Matthias Eckmann sind Vorsitzende des Jugendparlaments Friedrichshafen und moderieren die Diskussion. | Bild: Corinna Raupach

"Was bedeutet eigentlich die Bildungsoffensive, von der Martin Schulz redet?", fragt Eckmann SPD-Kandidat Leon Hahn. "Wir haben ein Problem mit der Bildung, sie ist im ganzen Land chronisch unterfinanziert", sagt der. Bisher liegt die Bildungshoheit bei den Ländern. "Wir wollen, dass der Bund direkt mitfinanzieren darf." Dazu müsse das sogenannte Kooperationsverbot fallen. Da sind sich die Kandidaten einig, auch Vergleichbarkeit der Abschlüsse und Modernisierung der Schulhäuser müsse her.

Im Einzelnen gehen die Positionen allerdings dann doch auseinander. "Ich kann mir vorstellen, dass wir mehr tun können, aber die Länder müssen mitmachen", sagt CDU-Kandidat Lothar Riebsamen. Linken-Kandidatin Claudia Haydt weist darauf hin, dass Bildung sich europaweit und global bewähren müsse: "Wir als Linke sehen in der Bildung eine Bundesaufgabe. Dafür wollen wir den einzelnen Schulen mehr Autonomie zugestehen." FDP-Kandidat Christian Steffen-Stiehl will Bildungsgutscheine einführen: "Ein bestimmtes Budget soll jedem Kind zur Verfügung stehen und nur für Bildung ausgegeben werden können."

Sie haben schon zahlreiche Diskussionsrunden hinter sich, suchen aber trotzdem das Gespräch mit den Jugendlichen: die Bundestagskandidaten des Bodenseekreises (von links): Christian Steffen-Stiehl (FDP), Claudia Haydt (Die Linke), Leon Hahn (SPD), Lothar Riebsamen (CDU), Sylvia Hiß-Petrowitz (ÖDP) und Markus Böhlen (Grüne).
Sie haben schon zahlreiche Diskussionsrunden hinter sich, suchen aber trotzdem das Gespräch mit den Jugendlichen: die Bundestagskandidaten des Bodenseekreises (von links): Christian Steffen-Stiehl (FDP), Claudia Haydt (Die Linke), Leon Hahn (SPD), Lothar Riebsamen (CDU), Sylvia Hiß-Petrowitz (ÖDP) und Markus Böhlen (Grüne). | Bild: Corinna Raupach

Grünen-Kandidat Markus Böhlen ist selbst Lehrer und plädiert für mehr politische Bildung an Schulen. "Es ist wichtig, dass Menschen erfahren, was für die Gemeinschaft wichtig ist." ÖDP-Kandidatin Sylvia Hiß-Petrowitz erinnert daran, dass Bildung im Kindergarten anfängt. "Wenn man ein sozialabgaben- und steuerpflichtiges Elterngehalt einführt, hätten Eltern ein wirkliches Wahlrecht, ob sie ihr Kind mit einem halben Jahr in die Krippe stecken oder ihm selbst Sozialkompetenz beibringen wollen."

Auch beim zweiten großen Thema Digitalisierung bestehen die Differenzen in Details. Mehr Glasfaser, mehr Internet, mehr Digitales an Schulen, Universitäten in der beruflichen Fortbildung wollen alle. Die FPD fordert mehr Tempo, die Linke mehr Datenschutz, die SPD will den Netzausbau zu einer öffentlichen Aufgabe machen. Die CDU erinnert an die Herausforderungen durch die Industrie 4.0 und die Grünen sehen Chancen für die Mobilität der Zukunft. "Ich habe jetzt schon kein Auto mehr, sondern ich nutze Car Sharing und ÖPNV. Das koordiniere und buche ich per Handy", sagt der Grünen-Gemeinderat Ulrich Heliosch, der Markus Böhlen in der ersten halben Stunde vertritt.

Der Saal ist fast voll, als die Bundestagskandidaten sich der Podiumsdiskussion mit Jugendlichen in der Molke stellen.
Der Saal ist fast voll, als die Bundestagskandidaten sich der Podiumsdiskussion mit Jugendlichen in der Molke stellen. | Bild: Corinna Raupach

Im Anschluss an die Diskussion können sich die Jugendlichen an Infoständen der Parteien informieren und mit den Kandidaten sprechen.