Mächtige Blitze zucken durch den schwarzen Himmel: So bewirbt der Internetauftritt der Camerata Serena das nächste Konzert ihres Leiters Nikolaus Henseler. Henseler führt mit dem Kammerorchester La Banda ein rein instrumentales Beethoven-Programm auf – und zwar schon am kommenden Samstag und Sonntag.

„Die Assoziation vom Blitz hatte ich sofort“, sagt Henseler. „Die ersten Takte der Coriolan-Ouvertüre, mit der die Konzerte beginnen, treffen die Zuhörer wie ein Blitzeinschlag. Und diese Energie setzt sich in den folgenden Symphonien unvermindert fort. Aber bevor von der 7. und der 8. Symphonie die Rede ist, einige Worte zum Orchester: „La Banda ist ein Segen. Das Publikum hat die Gelegenheit, absolute Weltklasse zu erleben. Damit übertreibe ich nicht“, sagt Henseler. „An allen Stimmführerpositionen und allen bläsersolistischen Positionen sitzen Musiker, die sonst bei John Eliot Gardiner spielen oder die bei Harnoncourt gespielt haben. Andere stammen vom Concerto Köln und der Akademie für Alte Musik Berlin.“ Leute eben, an die man sonst gar nicht rankommt. „Wer den Trompeter von John Eliot Gardiner haben will, muss Gardiner beerben. Aber das wird ein bisschen schwieriger. Umso schöner ist es, wenn diese Musiker nun auch noch zu mir kommen.“ Sowohl in der Orchesterstärke von 35 Musikern als auch in den überschaubaren Saalgrößen kommen die Konzerte den damaligen Beethovenschen Bedingungen recht nahe – „denn diese Symphonien wurden nicht für 80-Mann-Orchester geschrieben, die in 2500 Leuten fassenden Sälen auftreten“, sagt Nikolaus Henseler.

Beethovens Achte stand lange Zeit im Schatten seiner übrigen Symphonien, obwohl sie Beethoven fast die liebste war. Erklärt sich das Schattendasein damit, dass die Achte die kürzeste Beethoven-Symphonie ist? Und dass Beethoven in ihr einen bis dahin ungewohnten Humor an den Tag legte? Das zeigt sich in allerlei formalen Verstößen gegen Konventionen, etwa im 1. Satz: „Normalerweise dauert eine Phrase vier oder acht Takte. Hier tauchen dauernd drei, fünf oder sieben Takte auf. Ständig stolpert die Form über ihren eigenen Füße.“ Ein Leichtgewicht ist die Achte trotzdem nicht. So enthält gerade dieser erste Satz die mit über 50 Takten bis dahin längste Fortissimo-Stelle der Musikgeschichte. Auch danach werden dem Orchester keine Zügel angelegt, sondern die Dynamik reicht bis zum dreifachen Forte. „Wer über 60 Takte einen solchen Höllenlärm schreibt, hat ja ein gesteigertes Ausdrucksbedürfnis; und das wird er nicht in einer kleinen, nebensächlichen Sinfonie unterbringen“, sagt Henseler. Auch vom Tempo ist er schwer beeindruckt: „Es gibt in der Achten keinen einzigen langsamen Satz. Und der vierte ist sowieso die reine Raserei.“

Die Siebte ist die ausgewogenere der beiden Symphonien. „Sie ist die reifere, geschlossenere, hat auch die größere Form“, meint Henseler. An ihrer historischen Einschätzung gibt es einiges zu revidieren. Gern wurde in sie Freiheitspathos hineininterpretiert, denn ihre Uraufführung fand zusammen mit Beethovens dezidiert politischem Werk „Wellingtons Sieg oder die Schlacht bei Vittoria“ statt, das die Befreiungskriege gegen Napoleon bejubelt. Nikolaus Henseler hält die Siebte entgegen solcher Abfärbungen für Beethovens vielleicht abstrakteste Symphonie. „Sie ist als geschlossenes und formell wie inhaltliches Meisterwerk eine der tollsten Kompositionen von Beethoven.“

Die Aufführung am Ravensburg ist am Samstag, 17. September, um 20 Uhr im Konzerthaus; in Friedrichshafen am Sonntag, 18. September, um 20 Uhr im Ludwig-Dürr-Saal des Graf-Zeppelin-Hauses. Der Eintritt kostet zwischen 17 und 23 Euro. Für beide Konzerte gibt es noch Karten. Vorverkauf im Internet unter www.camerataserena.de