Friedrichshafen – "Wenn man heute an Zeppelin denkt, denkt man an Graf Ferdinand von Zeppelin", sagt Claudia Emmert, Direktorin des Zeppelin Museums. Doch das war nicht immer so. "Hugo Eckener war viel berühmter und erfolgreicher als der Graf", berichtet die Direktorin. Zeitungen bezeichneten ihn Anfang der 30er Jahre als einen der berühmtesten Männer der Welt. 1932 trug er sich mit dem Gedanken, zur Wahl des Reichspräsidenten anzutreten, verzichtete dann jedoch darauf, weil Paul von Hindenburg erneut kandidierte. "Er war weltberühmt und wurde dann vergessen", meint Emmert. Stattdessen sei in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr der Kult um den Grafen Zeppelin gewachsen. Zum 150. Geburtstag von Hugo Eckener widmet eine Kooperation von Zeppelin Museum, Museums-Freundeskreis und Luftschiffbau Zeppelin ihm im Museum die kleine Ausstellung "Alles auf eine Karte".

Vater Zigarrenfabrikant, Mutter Tochter eines Schusters

Die Lebensgeschichte des am 10. August 1868 in Flensburg geborenen und am 14. August 1954 in Friedrichshafen verstorbenen Hugo Eckener ist faszinierend. Sein Vater war Zigarrenfabrikant, seine Mutter die Tochter eines Schusters. Er war das zweite von fünf Kindern. "Er war kein besonders guter Schüler", erzählt Barbara Waibel, Leiterin des Archivs der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Sein Abizeugnis ist in der Ausstellung zu sehen. Anschließend studierte Hugo Eckener Philosophie, Sozialpolitik und Nationalökonomie (Volkswirtschaftslehre). Er promovierte 1892 beim Begründer der Psychologie, Wilhelm Wundt, erzählt Waibel.

Hugo Eckener kommt als Journalist nach Friedrichshafen

Johanna und Hugo Eckener auf der Trasse ihrer Villa in Friedrichshafen im Jahr 1952. Bild: Privat/Willi Meister
Johanna und Hugo Eckener auf der Trasse ihrer Villa in Friedrichshafen im Jahr 1952. Bild: Privat/Willi Meister | Bild: Privat, Willi Meister

Eckener heiratete die Tochter des Gründers der "Flensburger Nachrichten", Johanna, zog 1899 nach Friedrichshafen und wurde Journalist, unter anderem für die "Frankfurter Nachrichten". Dabei berichtete er kritisch, aber fundiert über Graf Zeppelins erstes und zweites Luftschiff. Das führte zu einem Gespräch mit dem Grafen.

1908 wird er PR-Mann bei Graf Zeppelin

1908, nach dem Absturz von LZ 4 bei Echterdingen und der Gründung der Zeppelin-Stiftung, wurde Hugo Eckener PR-Mann bei Graf Zeppelin, "Zeppelins bester Propagandist", sagt Waibel. Sein erstes Büchlein hieß "Zeppelins Fernfahrten". 1911 wurde der Hobby-Segler Luftschiffkapitän und Geschäftsführer der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (Delag). Im Ersten Weltkrieg bildet er als Zivilist Marineluftschiffer aus und erhielt das Eiserne Kreuz, erster und zweiter Klasse.

Nach dem Tod des Grafen wird er Vorstand der Zeppelin Stiftung

1917, nach dem Tod des Grafen, wollten dessen Nachfolger ein Gegengewicht im Konzern zu Generaldirektor Alfred Colsman installieren und machten Hugo Eckener zum Vorstand der Zeppelin Stiftung. Er wollte trotz Verbot nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg an den Zeppelinen festhalten, Colsman nicht unbedingt, erläutert Waibel. Eckener setzte sich letztlich durch und wurde mit seinen Zeppelinfahrten zu einem der berühmtesten Männer in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Kult und Legende, ein "Magellan der Lüfte"

Hugo Eckener mit Lady Grace Drummond Hay, der einzigen weiblichen Reisenden an Bord des Luftschiffs Graf Zeppelin bei der "Fahrt um die Welt" 1929, umlagert von Fotoreportern.
Hugo Eckener mit Lady Grace Drummond Hay, der einzigen weiblichen Reisenden an Bord des Luftschiffs Graf Zeppelin bei der "Fahrt um die Welt" 1929, umlagert von Fotoreportern. | Bild: Luftschiffbau Zeppelin GmbH

Hugo Eckener wurde überschüttet mit Ehrungen, unter anderem wurde er 1924 Ehrenbürger der Stadt New York und 1925 Ehrenbürger der Stadt Friedrichshafen. Sein Gesicht war selbst auf Alltagsgegenständen präsent. Mit Adolf Hitler konnte er nicht viel anfangen, erzählt Waibel. Mit dem Absturz der "Hindenburg" 1937 endete das Kapitel der zivilen Luftschifffahrt vorerst. Im Dritten Reich wurde über ihn nicht mehr berichtet. Eckener blieb auch im Zweiten Weltkrieg Lenker eines Konzerns, der Rüstungsgüter produzierte, deshalb musste er sich unter der französischen Besatzung der Entnazifizierung unterziehen. 100 000 Reichsmark sollte er zahlen und bekam fünf Jahre das Wahlrecht entzogen, so Emmert. Später wurde er Rehabilitiert.

Hugo Eckener 1945 Mitbegründer des SÜDKURIER

1945 war er Mitbegründer des SÜDKURIER in Konstanz. Kurz geriet er noch einmal ins Rampenlicht, als es um die Zukunft der Zeppelin Stiftung ging, die 1947 an die Stadt ging. Das habe nicht dem Wunsch des ehemaligen Konzernlenkers entsprochen und zu einem heftigen Streit geführt, erläutert Waibel. Hugo Eckener wollte daraufhin seine Ehrenbürgerwürde zurückgeben. 1952 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Mit 86 Jahren starb der Luftfahrtpionier in seinem Haus in Friedrichshafen.

Persönliche Exponate in der Ausstellung

Direktorin Claudia Emmert (von links), Barbara Waibel, Leiterin des Archivs der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, und Jürgen Bleibler, Leiter der Abteilung Zeppelin, berichteten aus dem Leben von Hugo Eckener zur Präsentation der Ausstellung.
Direktorin Claudia Emmert (von links), Barbara Waibel, Leiterin des Archivs der Luftschiffbau Zeppelin GmbH, und Jürgen Bleibler, Leiter der Abteilung Zeppelin, berichteten aus dem Leben von Hugo Eckener zur Präsentation der Ausstellung. | Bild: Georg Wex

In der kleinen Ausstellung gibt es einige persönliche Dinge von Hugo Eckener zu sehen, unter anderem den Koffer, den er bei seinen vielen Reisen dabei hatte. Die Exponate stammen zum größten Teil aus seinem Nachlass, den sein Enkel verwahrte und den die Stadt schließlich kaufte. Dazu gibt es Schautafeln aus den einzelnen Lebensphasen Hugo Eckeners. Interessant sind die vielen projizierten Fotos von Eckener, die sein bewegtes Leben verdeutlichen.