Einen der größten Einsätze der vergangenen Jahrzehnte musste die Feuerwehr von Friedrichshafen am Wochenende nach dem heftigen Unwetter bewältigen, das über die Stadt hereingebrochen war. Alleine 345 Einsätze hatte es ab Samstag, gegen 17.30 Uhr, bis um 4 Uhr am Sonntag gegeben, berichtete Stadtbrandmeister Louis Laurösch in einem Gespräch mit dem SÜDKURIER. Die Feuerwehrleute seien dieses Mal noch stärker gefordert gewesen als nach dem verheerenden Orkan "Lothar", der am 26. Dezember 1999 die Region heimgesucht hatte.

Die schweren Gewitter mit Starkregen und Hagel, die Samstagabend über Friedrichshafen zogen, sorgten für Überschwemmungen, voll gelaufene Keller und umgestürzte Bäume.

Ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshafen berichtete, dass gegen 18.30 Uhr rund 50 Einsätze gefahren würden. "Bei uns ist Land unter", sagte er auf Nachfrage des SÜDKURIER. "Wir fahren zu Überflutungen, voll gelaufenen Kellern, umgestürzten Baumen", so die Feuerwehr.

Zahlreiche Facebook-Nutzer berichteten von Hagel, Überschwemmungen und starkem Regen. In Grünkraut war offenbar der Strom ausgefallen.

Besonders betroffen sind in Friedrichshafen Waggershausen, Jettenhausen und Wiggenhausen sowie in Fischbach. Die Feuerwehr ist mit mehr als 150 Kräften und allen Abteilungen im Einsatz, Verstärkung kam außerdem von den Feuerwehren Meckenbeuren, Kehlen, Salem, Markdorf, Oberteuringen, Überlingen und Deggenhausertal. Auch THW Friedrichshafen und Überlingen kamen zum Einsatz. Insgesamt wurden mehr als 40 Fahrzeuge eingesetzt. Von der Feuerwehr Friedrichshafen wurden rund 2.000 Sandsäcke als Wassersperren eingesetzt, die Feuerwehr Ravensburg hat kurzfristig weitere 700 Sandsäcke bereitgestellt.

Besonders betroffen waren im nördlichen Stadtgebiet, insbesondere Waggershausen, Jettenhausen, Wiggenhausen und im Wohngebiet am Riedlewald.
Besonders betroffen waren im nördlichen Stadtgebiet, insbesondere Waggershausen, Jettenhausen, Wiggenhausen und im Wohngebiet am Riedlewald. | Bild: Stadt Friedrichshafen

Nach den Regenfluten musste auch der Tunnel der B 31 in Friedrichshafen gesperrt werden – erst am Sonntag um 10.30 Uhr wurde die Durchfahrt wieder frei gegeben. Die Wassermassen, die das Unwetter mit sich brachte, ließen zahlreiche Keller vorlaufen. Betroffen war beispielsweise auch der Gartenbaubetrieb Friedrich im Häfler Ortsteile Unterraderach. Mit eigenen Mitarbeitern habe er ab 20 Uhr zunächst versucht, den Keller, in dem sich die zentrale Stromversorgung findet, trocken zu halten, sagte Firmenchef Gerhard Friedrich in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Doch um Mitternacht sei abzusehen gewesen, dass sie mit dieser Aufgabe überfordert sind. Als die Feuerwehr telefonisch erreicht werden konnte, war diese schnell vor Ort, schilderte Friedrich. In diesem Fall waren unterstützende Einsatzkräfte der Überlinger Wehr die ersten, die in Raderach eintrafen. Bis um 10 Uhr liefen die Pumpen in Raderach, um das Wasser aus dem Keller zu bekommen – "es drückte ständig von außen nach," schilderte Friedrich.


Wie die Stadt Friedrichshafen mitteilt, wurde durch das Unwetter neben dem Landratsamt auch das Klinkum in Mitleidenschaft gezogen. Offenbar hatte sich ein Rückstau in der Kanalisation  gebildet. Das Regenwasser konnte nicht mehr ablaufen und überschwemmte den Eingangsbereich des Krankenhauses. Auch hier war die Feuerwehr im Einsatz.

Die alte Weide im Hafen von Immenstaad hat den Sturm nicht überlebt und dabei drei Boote unter sich begraben.
Die alte Weide im Hafen von Immenstaad hat den Sturm nicht überlebt und dabei drei Boote unter sich begraben. | Bild: Bernd Hummernbrum

Über seine Ufer trat der Buchenbach in Manzell, normalerweise ein kleines Bächlein. Knietief stand das Wasser im Keller ihrer Nachbarin, berichtet eine Anwohnerin, die nicht namentlich genannt werden will. Kurz vor 17.30 Uhr hatten die Regenfluten eingesetzt. Dort, wo sonst ein Weg an den Grundstücken vorbei führt, stand 30 Zentimeter hoch das Wasser. Die Nachbarn hätten sich erfolgreich gegenseitig geholfen, einige schufen mit Pickel und Schaufeln neue Abflüsse für das Wasser. Drei mal habe es am Samstag in Manzell gehagelt, wobei die Eiskörner einen Durchmesser von maximal einem Zentimeter gehabt hätten.

In Immenstaad wurde die alte Weide im Hafen durch den Sturm schwer beschädigt. Äste des Baumes begruben drei Segelboote unter sich. In Eriskirch brannte offenbar ein Dachstuhl wegen Blitzschlags.

Gegen elf Uhr war die Häfler Feuerwehr am Sonntag immer noch an elf Orten im Einsatz, wie der Friedrichshafener Stadtbrandmeister schilderte um, Wasser aus Kellern zu pumpen – auch in der Tannenhagschule war dies der Fall. Leer pumpen musste die Feuerwehr am Sonntag auch das Materiallager der Baustelle für das neue Häfler Sportbad bei der Volleyball-Arena.

Nach Polizeiinformationen wurde bei den Unwettern niemand verletzt. Angaben zum entstandenen Sachschaden gab es zunächst nicht, es wird aber erwartet, dass die Aufarbeitung der Einsätze bis in die Nachtstunden andauern wird.