Plötzlich ging alles ganz schnell. Nachdem die Vodafone GmbH von dieser Redaktion am Dienstagabend einen umfangreichen Fragenkatalog erhielt, wurde die Partneragentur in der Wilhelmstraße 21 am Mittwochmorgen um 10 Uhr kurzerhand geschlossen. Filialleiter Christopher W. erhielt Hausverbot und die fristlose Kündigung, wie Vodafone-Konzernsprecher Volker Petendorf bestätigte.

Der Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft Ravensburg ermittelt gegen Christopher W. und vier seiner Mitarbeiter wegen des Verdachts des Betruges und der Urkundenfälschung in rund 100 Fällen. Dies bestätigte Christine Weiss, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Ravensburg. Offenbar hatte der Filialleiter hunderte Handys und Tablets bestellt, die er den Kunden aber gar nicht aushändigte, sondern selbst veräußerte. Zudem legte er gefälschte Kundenverträge an. "Nach unseren Erkenntnissen hat er ab Anfang 2017 immer wieder versucht, Provisionen von Vodafone zu erschleichen, die ihm nicht zustanden. Hierzu hat er bei uns Verträge eingereicht, die von den Kunden nicht oder nicht in dieser Form abgeschlossen waren", erläutert Volker Petendorf.

Kunden, die ihren Vertrag verlängern wollten oder einen neuen abschlossen, bemerkten von der Betrugsmasche meist zunächst nichts. Denn Filialleiter Christopher W. soll ohne deren Einwilligung neue Mobilfunk- oder Datenverträge angelegt haben, für die er dann von Vodafone Provisionen erhielt. Anderen Kunden, die mit der Vertragsverlängerung ein Handy oder ein Tablet zugestanden hätte, soll er die Hardware vorenthalten haben. "Diese wurden dann eigenständig veräußert", erläutert Staatsanwältin Weiss. Erst wenn die Kunden bemerkten, dass viel höhere Beträge abgebucht wurden, als eigentlich vereinbart, reklamierten sie die Verträge.

Auch der Vodafone-Shop, den Christopher W. in Kempten betrieb, wurde am Mittwochmorgen geschlossen, wie die Vodafone GmbH bestätigte. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sind noch nicht abgeschlossen, mit einer Anklage sei "wegen der Vielzahl von Einzelfällen nicht vor Februar zu rechnen", so Staatsanwältin Weiss. Vodafone selbst schaltete schon vor einiger Zeit das hauseigene Betrugsdezernat ein, weil die Reklamationsquote aus Friedrichshafen zu sehr stieg. "Im September und Oktober war wegen Unregelmäßigkeiten bei der Inventur eine Sperre für den Laden verhängt worden", so Petendorf. Christopher W. durfte also keine Verträge mehr abschließen und bekam auch keine Hardware mehr geliefert. Doch bis zur Anfrage des SÜDKURIER passierte nichts weiter.

Hauptgeschädigter des Betruges ist die Vodafone GmbH, die die betroffenen Kunden nach eigenen Angaben mittlerweile entschädigt hat. "Ungewollte Verträge wurden storniert und entsprechende Forderungen ausgebucht. Unrechtmäßig abgebuchte Geldbeträge wurden den betroffenen Kunden erstattet", erklärt Konzernsprecher Petersdorf. Er weist darauf hin, dass Kunden, die weitere Reklamationen hätten, sich an die Kundenbetreuung wenden sollten. Der Vodafone-Shop in der Wilhelmstraße soll schon am Montag wieder geöffnet sein. "Wir wollen mit einem komplett neuen Betreiber neu starten", heißt es aus der Vodafone-Zentrale. Erst im März 2017 wurde in Ravensburg eine Partneragentur am Marienplatz geschlossen. Auch gegen deren Filialleiter Alpan M. ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Pikant: Alpan M. und Christopher W. sind Freunde seit Kindertagen.

 

So vertreibt Vodafone seine Produkte

Vodafone bietet seine Produkte über verschiedene Vertriebskanäle an. Dazu gehören Online-Shops und Fachhändler, die für mehrere Anbieter tätig sind, ebenso wie eigene Filialen und Partneragenturen.

  • Der Vodafone-Shop in der Wilhelmstraße ist eine so genannte Partneragentur von Vodafone. Die Betreiber sind ausschließlich für Vodafone tätig und werden auf Provisionsbasis bezahlt. Nach Angaben Vodafones werden diese kontrolliert. "Bei Verdacht auf kriminelle Handlungen von Partneragenturen nehmen wir eigene Ermittlungen auf und arbeiten eng mit den Behörden zusammen", so Pressesprecher Petendorf. Neben diesen Shops gibt es aber auch echte "Vodafone-Filialen". Der Kunde kann den Unterschied allerdings nicht erkennen.
  • Wer ganz sicher gehen will, dass er mit Vodafone selbst verhandelt, wendet sich an die Kundenhotline unter der Telefonnummer 01 72/12 12.

 

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