Walter S. (Name von der Redaktion geändert) ist betroffen. Als Katholik und regelmäßiger Kirchgänger ist er eigentlich sehr davon angetan, dass sich gerade seine Gemeinde St. Columban in der Flüchtlingsfrage so stark engagiert. Mit der Entscheidung, die freistehende Vikarswohnung im Pfarrhaus jetzt an einen muslimischen Mann aus Syrien und seine Freundin zu vermieten, ist er allerdings nicht einverstanden.

„Ich finde es ausgesprochen lobenswert, dass diese freie Wohnung an einen Asylbewerber vergeben wird“, sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Er sei aber schon der Meinung, dass in diesem speziellen Fall ein Asylbewerber mit christlichem Hintergrund zu bevorzugen gewesen wäre. „Gerade in religiösen Fragen ist Toleranz richtig und wichtig. Toleranz darf aber nicht mit Beliebigkeit verwechselt werden“, sagt er. Noch ein Kritikpunkt: „Ein von der katholischen Kirche angestellter Hausmeister muss katholischen Glaubens sein, aber in ein geweihtes Pfarrhaus dürfen Muslime einziehen – dahinter verbirgt sich für mich eine nicht nachzuvollziehende Doppelmoral“, so seine klaren Worte.

"Bei unserer Entscheidung stand der Mensch im Vordergrund"

Dass gerade die katholische Kirche offenbar kein Problem damit habe, ein unverheiratetes Paar in ein Pfarrhaus einziehen zu lassen, ist für Walter S. ein weiteres Indiz für die von ihm angesprochene „Doppelmoral“. „Aus gesellschaftlicher Sicht ist das natürlich zum Glück vollkommen selbstverständlich. Aber noch bis vor einem Jahr durften Angestellte der katholischen Kirche, die geschieden und wieder mit einem neuen Partner zusammen waren, nicht einmal zusammenwohnen, weil sie sonst Gefahr liefen, entlassen zu werden – dafür gibt es auch Beispiele aus Friedrichshafen“, empört er sich. Seinen wirklichen Namen will Walter S. nicht in der Zeitung lesen. „Man läuft sonst leider Gefahr, in diesem Land, auch in unserer Gemeinde, allzu schnell in eine rechte Ecke gestellt zu werden. Das finde ich traurig“, sagt er.

„Bei unserer Entscheidung stand der Mensch im Vordergrund. Wir haben nicht nach einem Muslim als Mieter gesucht. Es stand kein Kalkül dahinter, durch die Kontakte des Helferkreises Asyl hat es sich einfach so ergeben“, betont Pfarrer Bernd Herbinger, Leiter der Seelsorgeeinheit Friedrichshafen Mitte und Vorsitzender der katholischen Gesamtkirchengemeinde Friedrichshafen, auf Nachfrage des SÜDKURIER. In der Flüchtlingsfrage nicht „auszusortieren“, sei auch eindeutige Vorgabe der Deutschen Bischofskonferenz. Gerade die Gemeinde St. Columban habe sich das Flüchtlingsthema und auch den eindeutigen Appell von Papst Franziskus sehr zu Herzen genommen. Durch freiwilliges Engagement und durch die Tatsache, dass eine Küche zur Verfügung gestellt wurde, habe die lange verwaiste, ehemalige Vikarswohnung im Pfarrhaus kostengünstig wieder in einen vermietbaren Zustand gebracht werden können.

Der muslimische Flüchtling werde außerdem – auf eigenen Wunsch – vor Einzug in die Vikarswohnung heiraten.

Wohnung im Pfarrhaus auch künftig nicht zur Miete

In Bezug auf die private Wohnsituation kirchlicher Angestellter hätten sich die Einstellungskriterien nach einem Entschluss der Bischofskonferenz seit einem Jahr geändert, um „Härten zu vermeiden“, so Pfarrer Bernd Herbinger zum weiteren Kritikpunkt von Walter S. Man sei zwar vom „Ideal nicht abgerückt“ – „höchste Ansprüche“ gälten allerdings nur noch für pastorale Mitarbeiter. Anders gesagt: Andere geschiedene kirchliche Angestellte dürfen demnach neuerdings mit neuen Partnern zusammenleben, sogar – standesamtlich – wieder heiraten, ohne eine Kündigung zu riskieren.

„Was passiert mit der großen Wohnung im Pfarrhaus von St. Columban?“, auch darüber macht sich Walter S. Sorgen – angesichts der Tatsache, dass es den bisherigen Bewohner Pfarrer Markus Hirlinger Ende des Jahres nach Paris zieht.

„Diese Wohnung wird in keinen Fall vermietet“, sagt Pfarrer Bernd Herbinger. „Die Stelle ist neu ausgeschrieben. Wir gehen davon aus, dass – frühestens im Sommer 2017 – ein neuer Pfarrvikar hier einziehen wird.“