Ein neuer Ranzen für den Neuanfang: Nach den Sommerferien starten die Schüler der Klasse 4a aus Schnetzenhausen an ihren weiterführenden Schulen. In der Partnerstadt Polozk freuen sich angehende Erstklässler auf ihren ersten Schultag an der Schule 18, ebenfalls im September. 14 von ihnen bekommen dafür Schulranzen aus Schnetzenhausen – die Schüler haben sie gespendet. Bei manchen sind sogar Turnbeutel und Federmäppchen dabei. Die Idee hatte Elternbeirätin Cornelia Ellem: "Viele Kinder bekommen sowieso einen neuen Schulranzen, da dachten wir, wir können die alten verschenken. Als die Kinder erfahren haben, worum es geht, haben sie sich gern von ihren alten Ranzen getrennt", sagt sie.

Hubert Weiß, Vorsitzender des Freundeskreises Polozk, hat alle Mühe, die Ranzen im Kofferraum zu verstauen.
Hubert Weiß, Vorsitzender des Freundeskreises Polozk, hat alle Mühe, die Ranzen im Kofferraum zu verstauen. | Bild: Corinna Raupach

Viele bedürftige Familien freuen sich

Elmira Maschadiewa ist Englischlehrerin und Theaterpädagogin an der Schule 18. Mit einer Gruppe aus Polozk ist sie zu Besuch am See und holt die Ranzen selbst ab. "Unsere Schule liegt in einem Neubaugebiet, da gibt es viele bedürftige Familien", sagt sie. "Wir wissen schon, welche Kinder die Schulranzen erhalten." Gerade kinderreiche Familien hätten oft nicht genug Geld, um alle Kinder zu versorgen. "Bekommen wir ein Foto?", fragt Emma. "Das machen wir", verspricht Maschadiewa. Sie erzählt den Kindern von ihrer Schule, dass dort 1500 Kinder von der Klasse eins bis zur Klasse elf lernen. "In der elften Klasse machen sie Abitur." 200 Lehrer unterrichten an der Schule 18, es gibt drei Monate Sommerferien und zum Schuljahresbeginn feiern sie das Glockenfest.

Kinder schauen Hubert Weiß dabei zu, wie er die Ranzen in den Kofferraum packt.
Kinder schauen Hubert Weiß dabei zu, wie er die Ranzen in den Kofferraum packt. | Bild: Corinna Raupach

Polozker Delegation nimmt Geschenke mit

"Was machen denn die Kinder, wenn die Eltern ihnen keinen Schulranzen kaufen können?", fragt Johannes. "Der Freundeskreis Polozk hat in diesem Jahr schon Schulranzen gespendet. Die haben wir vor Ort gekauft, sie sind viel dünner als eure und gehen schneller kaputt", sagt Vorsitzende Elvira Müller. Der stellvertretende Vorsitzende Hubert Weiß ergänzt: "Im Vergleich dazu sind eure Schulranzen wie ein Porsche zu einem Trabi." Nach Ausflügen zum Seehasenfest, nach Lindau und auf den Affenberg in Salem reisen die Gäste aus Polozk heute zurück – 35 Stunden dauert die Busfahrt. Die Schulranzen dienen so lange als Handgepäck.