Auch wenn es bislang nur wenige Menschen tatsächlich erwischt: Der Coronavirus beschäftigt trotzdem Tausende. Bis gestern Nachmittag wurden dem Gesundheitsamt zwölf begründete Verdachtsfälle im Bodenseekreis gemeldet, teilte Kreissprecher Robert Schwarz auf Anfrage mit. Die Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben könnten, kamen in der Regel aus einem Risikogebiet in Italien und zeigen bereits Symptome. Deren Abstriche werden im Labor untersucht. „Die Betreffenden bleiben erst mal zuhause“, so Schwarz. Parallel habe das Gesundheitsamt begonnen, die Kontaktpersonen der möglicherweise Infizierten im Umfeld abzuklären, „um bei einem positiven Befund schnell weitere Maßnahmen einleiten zu können“. Wo die Betroffenen wohnen, will das Landratsamt nicht bekannt geben.

Zwangsurlaub bei MTU und ZF

Im Bemühen, die Ausbreitung der Erkrankung zu vermeiden, holen Behörden und Arbeitgeber zum großen Rundumschlag aus. Bereits am Freitag hatte das Kultusministerium von Baden-Württemberg für Schulen und Kitas verfügt, dass alle Kinder und Erwachsenen zunächst 14 Tage zuhause bleiben, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben. ZF und Rolls-Royce Power Systems verhängten gestern quasi Zwangsurlaub für Mitarbeiter, die in der Lombardei oder der Emilia-Romagna, in China, Südkorea oder im Iran waren. Präventiv wird die „Selbstquarantäne“ empfohlen, auch wenn keine Krankheitssymptome da sind. Die Alternative: zwei Wochen Homeoffice.

Werkschutz-Check am Eingang

Beim MTU-Werk 1 mitten in der Häfler Innenstadt befragen deshalb Mitglieder des Werkschutzes Mitarbeiter, Besucher und Kunden, ob sie sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben. Sie verteilen Merkblätter, auf denen genaue Handlungsanweisungen aufgeführt sind. Zur Begrüßung zum Jahrespressegespräch verzichten sowohl Vorstandsvorsitzender Andreas Schell wie auch Finanzvorständin Louise Öfverström auf das Hände schütteln – sicher ist eben sicher. Aber auch wirtschaftlich hat das Virus Folgen für RRPS: Aus China ist bereits eine Lücke im Auftragseingang zu bemerken. „Derzeit fehlen rund sechs Wochen“, so Andreas Schell.

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Bei ZF wurden wegen des Coronavirus Reiseverbote in die italienischen Regionen Piemont, Lombardei, Venetien und Emiglia-Romana ausgesprochen. Außerdem sind alle Dienstreisen nach China und Südkorea bis einschließlich 8. März verboten, bestätigt ein ZF-Sprecher. Jeder, der aus diesen Regionen von Geschäfts- oder Privatreisen zurückkehrt, darf auch das ZF-Werksgelände nicht betreten. Wer aus dem Rest Italiens oder aus Japan kommt, ist laut ZF-Sprecher dazu angehalten, eine Selbstbeobachtung zu absolvieren. Sollten sie innerhalb von 14 Tagen nach ihrer Rückreise Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, müssen sie einen Arzt aufsuchen.

Schüler melden sich vorsorglich ab

Nach Ende der Fasnetsferien beschäftigte das Virus gestern auch die Schulen. Die Claude-Dornier-Schule informierte über die Auswirkungen auf Stellwänden an den Eingangsbereichen. Daniel Grupp, stellvertretender Schulleiter, wusste gestern sicher von zirka acht Schülern und zwei Lehrkräften, die sich deshalb abgemeldet haben. Er setzt „auf Vernunft und Einsicht“ der rund 2000 Schüler im Haus, dass sich Italien-Urlauber, die in den fraglichen Regionen waren, an die Empfehlungen halten. Ansonsten gehe man das Ganze „sachlich und unaufgeregt“ an.

Was Eltern beachten müssen, die mit ihren Kindern in Coronavirus-Risikogebieten im Urlaub waren

Am Graf-Zeppelin-Gymnasium blieben zwei Schülerinnen vorsichtshalber zuhause, auch wenn sie keine Krankheitssymptome hätten, erklärte Rektor Axel Ferdinand. Das trifft auch für zwei Schüler am Karl-Maybach-Gymnasium zu. In der Ailinger Realschule meldete sich sicherheitshalber eine Lehrerin ab. Sie wird nach Aussage von Schulleiterin Svenja Bormuth ab heute wieder da sein. Sie habe vom Gesundheitsamt die Freigabe erhalten.

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Seit Tagen hinterlässt die Coronavirus-Hysterie ihre Spuren auch in den Supermärkten. Am Samstagmittag war in der Kaufland-Filiale des Bodenseecenters beispielsweise kein Päckchen Mehl mehr in Regalen. Auch Tomatendosen waren fast vollständig ausverkauft. „Derzeit werden in einigen unserer Filialen Grundnahrungsmittel wie Nudeln und Konserven sowie Hygieneprodukte stark nachgefragt“, teilt die Pressestelle von Kaufland auf Anfrage mit.

Desinfektionsmittel sind im Handel knapp geworden; die Nachfrage ist riesig. Beim Edeka am Romanshorner Platz lädt dieser Spender direkt am Eingang zum Gebrauch ein.
Desinfektionsmittel sind im Handel knapp geworden; die Nachfrage ist riesig. Beim Edeka am Romanshorner Platz lädt dieser Spender direkt am Eingang zum Gebrauch ein. | Bild: Cuko, Katy

Auch bei Edeka-Baur ist das Phänomen der Hamsterkäufe derzeit zu beobachten, auch wenn das völlig unnötig sei, sagt Pressesprecherin Pamela Baumhardt. „Es ist von allem genügend da, mit Ausnahme von Desinfektionsmitteln, die wir aber schon nachgeordert haben.“ Desinfektionsmittel verkauft der Supermarkt derzeit nur rationiert – eine Flasche pro Person an der Info-Theke im Foyer.

Mancher Händler rationiert notgedrungen die noch vorrätigen Desinfektionsmittel im Verkauf.
Mancher Händler rationiert notgedrungen die noch vorrätigen Desinfektionsmittel im Verkauf. | Bild: Cuko, Katy

In Friedrichshafen sei die Lage im Vergleich zu Konstanz trotzdem noch relativ entspannt, berichtet sie. Leere Regale gebe es nur, wenn Kunden binnen kurzer Zeit zugeschlagen haben. „Dann kommen wir nicht nach mit dem Auffüllen. Aber es gibt keine Lieferprobleme“, tritt Pamela Baumhardt Ängsten von Kunden entgegen.

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