Es war ein bitteres Déjà-vu für Vital Heynen, der sich seinen Abschied vom VfB anders gewünscht hat. Auch in seiner dritten und letzten Saison in Friedrichshafen verwehrten ihm die Hauptstädter den Meistertitel. Doch sportliche Abschiedsgeschenke verteilen die Volleys nicht. Nach dem packenden Duell gegen die Berliner am Sonntagabend bleibt dem Weltmeistertrainer Vital Heynen die Krönung in der Deutschen Meisterschaft verwehrt.

Seitdem Heynen zur Saison 2016/17 Trainerlegende Stelian Moculescu in Friedrichshafen abgelöst hat, holte der frühere deutsche Nationaltrainer Titel in Serie: drei Mal den Pokal, drei Mal den Supercup. Außerdem wurden die Friedrichshafener unter seiner Führung drei Mal Erster der Hauptrunde. Aber dafür gibt es noch keinen Titel!

„Überall, wo ich dabei bin, spiele ich bis zuletzt. Das war bei der WM auch so. Das ist ein gutes Zeichen“, hoffte Heynen noch vor der Partie, diesem Alles-oder-nichts-Spiel am Sonntag. Für ihn wäre seine erste deutsche Meisterschaft als Coach ein perfektes Abschiedsgeschenk gewesen. Seinen Abgang vom 13-maligen Meister und 16-maligen Pokalsieger Friedrichshafen hatte Polens Weltmeistermacher von 2018 schon Ende Februar offiziell gemacht. Heynen will sich eine komplette Saison lang nur der Mission Olympia 2020 in Tokio widmen und mehr Zeit mit seiner in Belgien lebenden Familie verbringen.

Eine Klarstellung war Vital Heynen jedoch schon vor seiner Abschiedstour beim VfB Friedrichshafen sehr wichtig. Von seiner letzten Saison beim deutschen Volleyball-Rekordmeister könne ja eigentlich keine Rede sein, bemerkte der frühere Bundestrainer vor Kurzem. „Ich gehe nach dieser Saison nur mal ein Jahr weg“, beschied der 49-jährige Belgier. Rückkehr möglich? „Man soll niemals nie sagen“, so Heynen.

Polens Weltmeister-Coach von 2018 hat trotzdem den Auftrag erfüllt, nach der Ära Moculescu weiter Titel zu holen. An seiner Bekanntheit in der Zeppelinstadt hat das allerdings wenig geändert. Immer wenn er in Friedrichshafen auf der Straße um ein Foto gebeten werde, stamme der Wunsch von einem Polen, erzählte Heynen einmal launig. In Polen ist Volleyball Nationalsport – in Deutschland eine Sportart unter vielen.

Dass das Interesse an den deutschen Schmetterkünstlern zumindest phasenweise angestiegen ist, hat auch mit Heynen zu tun. 2014 führte der für seine ungewöhnlichen Trainingsmethoden bekannte frühere Zuspieler die deutschen Volleyballer in Polen zu WM-Bronze. Es war die erste deutsche Medaille bei einer Endrunde seit 44 Jahren. Beim VfB wird künftig Michael Warm das Sagen haben. (kck)

Zwei Titel bleiben: Pokalsieger und Supercup

Es war ein Finale, dass die Fans in der ausverkauften ZF-Arena immer wieder von den Sitzen riss. Doch am Ende verteidigten erneut die Berlin Volleys in diesem Volleyballkrimi den Meistertitel gegen ihren Dauerrivalen VfB Friedrichshafen.

Aber erst im fünften Spiel der Best-of-Five-Serie und im fünften und damit alles entscheidenden Satz unterlag der Hausherr so knapp, wie es nur irgend geht. Mit einem Ass zum 14:16 zerschoss Ex-VfB-Spieler Moritz Reichert den Traum vom Sieg und Meistertitel in dieser Saison für den VfB. Einige Spieler des erneuten Vizemeisters konnten ihre Tränen über die verpasste Meisterschaft nicht zurückhalten. Aber auch bei den Gästen waren die Emotionen groß, feierten sie doch die zehnte Meisterschaft – und den siebten Titel in den vergangenen acht Jahren.

Dabei startete die Blau-Weißen alles andere als erfolgversprechend in diese Partie. Mit zwei Sätzen lag das Team von Vital Heynen schon zurück, stand mit dem Rücken zur Wand. Und doch kämpfte sich die Mannschaft dann noch in den Entscheidungsdurchgang. Selbst im fünften Satz schien das Rennen zur Hälfte schon verloren, doch der VfB holte den Rückstand wieder auf. Trotzdem konnte Rekordmeister VfB Friedrichshafen, als Hauptrunden-Erster eigentlich Favorit im Finale, den Heimvorteil nicht nutzen.

„Glückwunsch an Berlin, Berlin ist absolut verdienter Meister. Es war knapp“, sagte Heynen über das Hallenmikrofon zu den enttäuschten Fans auf den Rängen. „Wir waren 2:0 hinten und wir haben gekämpft bis zum letzten Ball. Wir waren so knapp dran. Danke, Jungs.“ Trotz der Niederlage kann der VfB Friedrichshafen mit Stolz auf diese Saison zurückschauen. Am Ende bleiben die Silbermedaille im Meisterschaftskampf der Bundesliga und zwei Titel: der Pokalsieg und der Supercup. (kck)