Durch eine Fülle von Anträgen des Verteidigers arbeitete sich die 4. Kleine Berufskammer des Landgerichts Ravensburg am Mittwoch im Prozess gegen den 28-jährigen Bremer vor, der sich wegen versuchten gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs zu verantworten hat.

Aus Zeitmangel keine Plädoyers

Kurz vor den Plädoyers und dem Urteil war dann aber wegen Zeitmangels Schluss. Der Verteidigung gelang es, durch einen Zeugen eine andere Version vom Beginn des 20. Juni 2017, dem Tag, an dem eine Häflerin um 100 000 Euro betrogen werden sollte, ins Spiel zu bringen. Eine Verlesung der Darstellung des Angeklagten zu den Ereignissen durch seinen Anwalt brachte nichts Neues. Er sagt: "Ich habe nichts mit der Tat zu tun." Vielmehr sei er nur eine Art Aufpasser für den in die Party- und Drogenszene abgerutschten jetzigen Hauptbelastungszeugen gewesen.

Aussagen vor Gericht

Der 23-jährige Zeuge aus Bremen berichtete, am 20. Juni vom Hauptbelastungszeugen, einem 24-Jährigen Bremer, den das Amtsgericht Tettnang im Dezember zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hat, morgens abgeholt worden zu sein. Mit diesem sei er zu einer Autovermietung gefahren und der Wagen sei abgegeben worden. Anschließend sei ein Auto selben Typs von dem 24-Jährigen geliehen worden. Mit diesem sei man erst zu einer Sparkasse gefahren, wo er kurz auch den Angeklagten gesehen habe und dann zur Shisha Bar, laut Polizei der Ort, von dem der Angeklagte als Logistiker Abholungen von durch die Falsche-Polizisten-Masche betrogenen Menschen organisiert hat. Dort hätte er den 31-Jährigen gesehen, der am 20. Juni den Umschlag mit 100 000 Euro am Wohnort der 94-jährigen Häflerin holte. Der Zeuge will mit dem geliehenen Auto zu Verwandten gefahren sein.

Verwicklungen in Falsche-Polizisten-Masche

Der 24-jährige Hauptbelastungszeuge hatte dagegen erzählt, der Angeklagte, der keine Fahrerlaubnis besitzt, habe ihn mit einem Auto abgeholt, man sei zur Autovermietung gefahren und er habe ein Auto gemietet. Mit diesem seien er und der 31-Jährige von der Shisha Bar an den Bodensee gefahren. "Wenn er hier nicht die Wahrheit gesagt hat, kann man seiner Aussage auch sonst nicht folgen", argumentierte Verteidiger Stephan Weinert gegen den Hauptbelastungszeugen. Der 23-jährige Zeuge allerdings ist selbst in ein Verfahren als Abholer der Falsche-Polizisten-Masche in Frankfurt verwickelt.

Prozess wird am 6. September fortgesetzt

Weinert stellte den Antrag, Richter Max Märkle, der am Amtsgericht Tettnang den Prozess gegen den 24- und den 31-Jährigen geleitet hatte sowie den ersten Prozess gegen den 28-Jährigen, zu befragen. Er bestätigte, dass der Hauptbelastungszeuge eine solche Aussage gemacht habe. Und er bestätigte auch, dass es Verständigungsgespräche im Prozess gab. Weinert vertritt die Auffassung, dass erst durch diese sein Mandant belastet wurde. Im ersten Prozess gegen den 28-Jährigen hatte er einen Befangenheitsantrag gegen Märkle gestellt, der abgelehnt wurde. Weinert wollte den damaligen Anwalt des 31-Jährigen befragen. Der verweigerte die Aussage. Er wollte die Schöffen aus Tettnang befragen, das lehnte die Kammer ab. Weiter geht es am 6. September.