Das geplante Jettenhausener Baugebiet Hägleweg bewegt die Gemüter nach wie vor, wie sich am Dienstagabend in öffentlicher Sitzung des Technischen Ausschusses im großen Sitzungssaal des Rathauses gezeigt hat. Die Wortbeiträge bewegen sich im Spannungsfeld von Nachverdichtung zum Schaffen dringend nötiger Wohnungen sowie Befürchtungen von Anwohnern und der Interessengemeinschaft Hägleweg, es entstehe eine zu massive Bebauung mit deutlicher Verkehrszunahme.

Clemens Schulta und Ralf Scherer, Vertreter der Interessengemeinschaft, bekommen noch vor der Abstimmung durch den Ausschuss Gelegenheit, Position zu beziehen. Es gehe nicht darum, die Schaffung von notwendigem Wohnraum zu verhindern, erklärt Schulta: "Uns geht es um einen Kompromiss." Scherer verweist auf einen alten Bebauungsplan aus den 70ern, der nach wie vor in den Köpfen vieler Jettenhausener sei und argumentiert, Jettenhausen habe den Charakter einer Gartenvorstadt. "Damals waren 54 Wohneinheiten angedacht. Dass das heute nicht mehr haltbar ist, ist uns auch klar", ergänzt Schulta.

Die Sprecher zeigen mittels eines eigenen Modells Alternativ-Ideen auf. Ralf Scherer führt ins Feld, dass durch eine Nachverdichtung mit vier Gebäuden und 98 Wohnungen der vorhandene Charakter der Gartenvorstadt verloren gehe und das Ortsbild verschandelt werden könnte.

Aus Sicht der Jettenhausener sieht eine Kompromisslösung so aus: Reduzierung der geplanten Anzahl Wohnungen auf maximal 80; Reduzierung aller Häuser um ein Vollgeschoss; abgestufte Bauweise von Haus 1 und Haus 4; Haus 3 um zwei Meter nach Norden verschieben; eine asphaltierte Ausführung des Verbindungswegs Konrad-Kümmel-Weg/Hägleweg als Rad- und Fußweg; Gewährleistung einer gesicherten Abwassersituation; keine Beteiligung an den Erschließungskosten für alle Jettenhausener.

Stephan Fenchel, Geschäftsführer des Bauträgers und Grundstückeigentümers real massiv, erklärt in der Disskussion, dass sich die geplante Bebauung sehr wohl in Jettenhausen einfüge. Er habe nach dem Informationsabend vom 15. November durchaus "positive Resonanz" erfahren. "Natürlich gibt's Nachbarn, die das anders sehen."

Manuel Plösser vom gleichnamigen Architekturbüro skizziert die Planungen und erklärt, dass beispielsweise sämtliche Abstandsflächen eingehalten werden und das alle Gebäude innerhalb der vorgegebenen Baufenster bleiben.

Die Mitglieder des Technischen Ausschusses bleiben mit ihrem Empfehlungsbeschluss bei der Variante der Beratungsunterlagen mit vier Gebäuden und 98 Wohnungen. Reihum wird argumentiert, dass Nachverdichtung notwendig ist, um nicht Flächen auf der grünen Wiese überbauen zu müssen. Beispielsweise sagt Stadtrat Heinz Tautkus (SPD): "Es ist eine Konfliktsituation wie bei jedem Baugebiet. Anwohner wollen die gewohnte Umgebung nicht verändert wissen... Wir müssen nachverdichten. Es gibt Flächen, die sind strittiger... Wir können keine Lex Jettenhausen machen."

Daniel Oberschelp (CDU) bezeichnet die vorgelegte Planung als "Verbesserung" gegenüber dem alten Bebauungsplan. Und: "Die Geschossflächenzahl von 0,9 ist stimmig."

Hannes Weber (Freie Wähler) zollt – wie andere Ausschuss-Mitglieder – der Interessengemeinschaft Hägleweg Respekt für deren gezeigtes Engagement. Er unterbreitet seinen – nicht zur Abstimmung gedachten – Vorschlag, ob es nicht möglich sei, dass externe Architekten die nun vorgelegte Planung checken könnten: "Um zu sehen, ob wir wirklich auf dem richtigen Weg sind, das käme auch der Interessengemeinschaft entgegen." Dieser Vorschlag wird im Ausschuss am Dienstagabend nicht weiter verfolgt.

Annedore Schmid (ödp) kommentiert: "Ja, es ist gewöhnungsbedürftig, aber jetzt muss endlich Wohnraum entstehen." Sie verweist darauf, dass im Vergleich zum Bauantrag vom Dezember 2015 die Anzahl der Wohnungen reduziert worden ist.

Clemens Schulta und Ralf Scherer zeigen sich nach der Entscheidung des Ausschusses sportlich. Scherer nach dem Empfehlungsbeschluss im Flur vor dem großen Sitzungssaal: "Noch ist nichts verloren." Es wird am 14. November um 17.30 Uhr im Gemeindesaal St. Maria einen weiteren Informationsabend geben.

Nächster Verfahrensschritt ist die sogenannte Öffentlichkeitsbeteiligung in Form der öffentlichen Auslegung der Entwurfsunterlagen sowie parallel die Behördenbeteiligung. Der Satzungsbeschluss ist für das Frühjahr 2017 vorgesehen.

Das Bauvorhaben

Laut Unterlagen für die gestrige Sitzung des Technischen Ausschusses soll folgendes entstehen:

  • Haus 1 hat nun durchgehend vier Vollgeschosse plus Attikageschoss (reduzierte Abmessungen)
  • Haus 2 hat nun durchgehend drei Vollgeschosse plus Attikageschoss
  • Haus 3 bleibt bei zwei Vollgeschossen plus Attikageschoss (reduzierte Abmessungen)
  • Haus 4 hat nun durchgehend drei Vollgeschosse plus Attikageschoss (reduzierte Abmessungen)
  • Es sollen 98 Wohneinheiten entstehen – im Bauantrag vom Dezember 2015 waren es 102
  • Stellplätze: Tiefgarage 113, oberirdisch 23 – im Dezember 2015 waren 101 Stellplätze in einer Tiefgarage sowie oberirdisch 19 beantragt
  • Es ist ein öffentlicher Fußweg entlang der östlichen Grundstücksgrenze vorgesehen – eine Fußwegeverbindung zwischeHägleweg und Konrad-Kümmel-Weg. Das beinhaltete der frühere Antrag nicht.
  • Keine Retentionsflächen mehr für Regenwasser entlang der Nachbargrenzen; stattdessen intensive Dachbegrünung der Tiefgarage sowie extensive Dachbegrünung der Gebäude als Pufferung des Regenwasserabflusses. (Quelle: Stadtverwaltung)