Über dieses Urteil werden Juristen und Laien noch lange diskutieren können. Und Richter Veiko Böhm vom Ravensburger Schwurgericht erwartete „einen Shitstorm“, wie er es formulierte. Denn der 22-jährige Mann aus Friedrichshafen, dem vorgeworfen wird, seine 16-jährige Ex-Freundin mit 46 Messerstichen, Schlägen und Tritten in einer Märznacht hinter dem Gebäude des Casino in der Caserne schwer verletzt zu haben, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt – und nicht, wie allgemein erwartet, wegen versuchten Mordes.

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Strafmaß nahe an der Höchstgrenze

Mit der Freiheitsstrafe von acht Jahren und neun Monaten lag das Gericht allerdings nahe an der Höchstgrenze von zehn Jahren. Außerdem wurde ein Schmerzensgeld von 35.000 Euro verhängt.

Anwalt kritisiert Höhe der Strafe

Mit der Höhe der Strafe war der Ravensburger Verteidiger Klaus Martin Rogg nicht einverstanden. Rogg hatte in seinem Plädoyer zwar von „völligem Versagen“ seines Mandanten und einer Tat aus Wut und Hass gesprochen, andererseits auf den „freiwilligen Rücktritt der Tatvollendung“ verwiesen. Ein Versuch der Erklärung, die offenkundig vom Schwurgericht so geteilt wurde.

22-Jähriger kehrte zum Tatort zurück

Als die junge Frau nach vielen Messerstichen, Schlägen und Tritten verletzt, aber noch lebend im Dunkeln lag, entfernte sich der Angeklagte, um wenig später noch einmal zurückzukommen, weil er sein Handy vermisste. Anwalt Rogg sagte dazu: „Er hätte sie jetzt erwürgen oder erschlagen können.“ Stattdessen habe der Mann gesehen, „was er angerichtet hat“ und zu seinem Opfer gesagt, er werde sie nicht mehr attackieren, „aber ich musste es tun“.

Also handle es sich hier um ein Vergehen der gefährlichen Körperverletzung und deshalb fordere er eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Oberstaatsanwalt Vobiller plädierte für 11 Jahre Freiheitsstrafe

Ganz anders klang das im Plädoyer von Oberstaatsanwalt Peter Vobiller. Er sprach von schwerer Kränkung und großer Wut des Angeklagten über das von der Freundin ausgesprochene Ende der Liebesbeziehung. Heimtücke und niedrige Beweggründe seien die Merkmale und an der Schuldfähigkeit des Mannes bestünden keine Zweifel. Als Strafe forderte Vobiller elf Jahre Freiheitsstrafe. Ein Schmerzensgeld von 30.000 Euro bezeichnete er als angemessen.

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Der Anwalt des Opfers, Gerd Pokrop, berichtete, dass die junge Frau noch immer unter der Tat leide.

In der rund einstündigen Urteilsbegründung sprach Richter Böhm noch von „hochdogmatischen und theoretischen Gedanken“ bei der Urteilsfindung. Oberstaatsanwalt Vobiller wollte alles erst einmal überdenken, bevor er sich dazu äußert.