Für Menschen mit Fantasie und Schöpferkraft war am Wochenende die Messe in Friedrichshafen der ideale Treffpunkt. An 240 Ständen schüttete der "Handgemacht Kreativmarkt" ein Füllhorn an Inspirationen, Materialien und fertigen Produkten aus. Viele Besucher legten da, frisch inspiriert, gleich selbst los, falteten Origamitierchen, knüpften Traumfänger oder filzten kleine Feen.

Andere kauften lieber an den Ständen mit fertigen Unikaten ein oder sammelten einfach Ideen. Vom Sofa, frisch bezogen mit Kuhfellen, über Handtaschen aus Schallplatten bis hin zum Schmuck aus alten Besteckteilen gab es viel zu entdecken. Auffällig war, dass die Zahl der Kleinerzeuger, Hobbykünstler und Selfmade-Designer steigt, die aus alten Dingen neue Produkte herstellen. Upcycling liegt im Trend, ist kreativ und ökologisch.

Taschen aus alten Segeln

Roswitha Trinkl-Mannstadt aus Regensburg.
Roswitha Trinkl-Mannstadt aus Regensburg. | Bild: Andrea Fritz

Die Taschen und Rucksäcke von Roswitha Trinkl-Mannstadt sind aus alten Segeln gefertigt, die schon einiges erlebt haben. Als die Regensburgerin sich ein gebrauchtes Boot zulegte, suchte sie nach einer Verwendung für das alte Segel. Ein Freund schlug ihr vor, daraus Taschen zu nähen, und so entstand "Segelrecycling by Ros". Ihre Unikate sind alle nummeriert und mit Bootstyp, Jachtname und Segelrevier versehen. Was sie freut: Wenn sie am Sonntag zurück an den Steinbergersee fährt, wird sie ein altes Segel vom Bodensee im Gepäck haben.

Langbögen für Mittelalterfans

Daniel Heldt aus Leipzig.
Daniel Heldt aus Leipzig. | Bild: Andrea Fritz

Traditionell hergestellte Langbögen sind das Steckenpferd von Daniel Heldt aus Leipzig. Er fertigt sie aus Ahorn, Haselnuss oder Esche, am biegsamsten aber sei die Eibe, erzählt er. Die steht allerdings unter Naturschutz. Doch manchmal bekommt er ein geeignetes Stück im Internet oder sogar von einem Hobbygärtner. Die Eibe muss drei Jahre trocknen, ehe Daniel Helddt sie grob in Form bringen und dann liebevoll "tillern" kann. Mittelalterfans wissen die handgefertigten Waffen zu schätzen, weil sie sich leichter ziehen lassen als Sportbögen aus Carbon, erzählt er.

Sie suchen jetzt einen kleinen Laden

Monika Hahn (links) und ihre Tochter Leonie aus Baienfurt.
Monika Hahn (links) und ihre Tochter Leonie aus Baienfurt. | Bild: Andrea Fritz

Monika Hahn und ihre Tochter Leonie aus Baienfurt haben sich dem Upcycling von alten Glasflaschen zu Gläsern, Vasen und Windlichtern verschrieben. Anfangs haben sie die Flaschen noch von Hand geschnitten und geschliffen. Aber ihre Produkte werden so gut verkauft und auch für Events vermietet, erzählen die beiden, dass sie inzwischen in Maschinen investieren konnten. Jetzt suchen sie zusammen mit Vater Hahn, der zwischenzeitlich in die Produktion von passenden Holzelementen eingestiegen ist, sogar nach einem kleinen Laden mit Wohnung.

Strandgut im weißen Rahmen

Anja Merten aus Berlin.
Anja Merten aus Berlin. | Bild: Andrea Fritz

Ob Ostseeküste oder Mallorca: Anja Merten sammelt bei ihren Strandspaziergängen im Urlaub viel mehr als nur Muscheln. Zuhause in Berlin entstehen aus dem Strandgut schöne Bilder mit Menschen, Schiffen und Vögeln in weißen Rahmen. Strandglas wird zum Vögelchen mit Bernsteinflügeln, eine Perlmuttscheibe wird dem Liebespaar aus Steinchen zum Mond und ein getrocknetes Stück Ast ersetzt im Rahmen einen ganzen Baum. Die Rahmen kauft sie fertig. "Wenn ich die auch noch selber mache, werden meine Bilder zu teuer", erklärt sie.

Recycling-Papier und Lastwagen-Planen

Felix Witte aus Kassel.
Felix Witte aus Kassel. | Bild: Andrea Fritz

Bei Felix Witte aus Kassel hat alles mit den Postkarten auf Recycling-Papier angefangen. Dieses Papier stellt nämlich ein Freund in Berlin selbst her, wie Witte erzählt. Am besten verkaufen sich Motive wie der Teddy, die Brezel oder Fahrräder. Weniger gefragt seien hingegen Totenköpfe und medizinische Zeichnungen. Inzwischen werden von den Freunden in Berlin aber auch Federmäppchen, Kulturbeutel und Schlüsseltaschen aus alten Lastwagen-Planen genäht. "Dort ist die ökologische Bewegung einfach schon viel weiter als bei uns", sagt Felix Witte.