"Sind die Fallschirme angeschnallt?", fragt Martin Schifferer die fünf Passagiere in der Do-27 und ein spitzbübisches Lächeln breitet sich zwischen seinen Kopfhörern aus. Dann klappen die Türen zu und der Pilot, der im richtigen Leben eine moderne Boeing 737-800 fliegt, versucht, den Boxer-Motor aus dem Jahr 1960 anzulassen. Es pufft und knallt, aber starten wollen die sechs Zylinder erst einmal nicht.

Dank wirkungsvoller Putzmittel und Lappen, wird das Chromblech am Auspuffrohr nach jedem Flug wieder auf Hochglanz gebracht. Manchmal poliert Pilot Toni Eichhorn selber.
Dank wirkungsvoller Putzmittel und Lappen, wird das Chromblech am Auspuffrohr nach jedem Flug wieder auf Hochglanz gebracht. Manchmal poliert Pilot Toni Eichhorn selber. | Bild: Anette Bengelsdorf

Sound erinnert enfernt an Porsche

Dampfblasen hätten sich aufgrund der hohen Temperatur und der kurzen Abstände zwischen den Rundflügen im Treibstoff gebildet, erklärt der Pilot. Nach einer kurzen Wartezeit und einem nicht näher erläuterten Trick entfalten die 274 PS den Do-27-typischen Sound, der entfernt an einen alten Porsche erinnert. Über sein Mikrofon nimmt Schifferer Kontakt mit dem Tower auf und nähert sich dem Rollfeld. Nebenher kontrolliert er das Triebwerk und überprüft, ob Öl- und Ladedruck sowie die Zylinderkopf-Temperatur und die Zündung in Ordnung sind. Dann gibt er Vollgas, zieht mit der linken Hand am Steuerknüppel und augenblicklich ist die Do-27 in der Luft. Schifferer trägt die Startzeit in sein Flugbuch ein und fliegt Richtung Süden.

Über den Schleinsee und den Degersee geht es in Begleitung der französischen Broussard zurück zum Flughafen in Friedrichshafen.
Über den Schleinsee und den Degersee geht es in Begleitung der französischen Broussard zurück zum Flughafen in Friedrichshafen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Parallelflug Richtung Rheinmündung

Über dem See ist ein weiterer Rundflugklassiker zu sehen und Schifferer – "ich habe bei der Bundeswehr Formationsflug gelernt" – wird vom Ehrgeiz gepackt. Mit etwa 300 Stundenkilometern nähert er sich dem französischen Militärflugzeug aus dem Jahr 1959, das mit seinem Neunzylinder-Sternmotor schneller ist als er. Doch dessen Pilot lässt sich auf das Spiel ein und Tragfläche an Tragfläche geht es Richtung Rheinmündung und zurück nach Westen über den Schleinsee und Degersee. Da fordert der Pilot einen Doppeldecker Baujahr 1949 zum Synchronfliegen auf. Doch der erweist sich als schlechter Partner. "Der ist so langsam, dass ich die Landeklappen bräuchte", sagt Schifferer. Dem Doppeldecker-Piloten wird es mulmig – er dreht ab. Schifferer nimmt Fahrt auf und die Do-27 hängt nicht mehr in der Luft "wie eine alte Pflaume".

Zur Zeit wird sie nicht geflogen: Nach einer Kollision mit einem Baumstamm im Wasser wird die Do-24 einer gründlichen Reparatur und Wartung unterzogen.
Zur Zeit wird sie nicht geflogen: Nach einer Kollision mit einem Baumstamm im Wasser wird die Do-24 einer gründlichen Reparatur und Wartung unterzogen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Do-27 tuckert neben Zeppelin NT her

Unten sind die Argenmündung und der Yachthafen von Ultramarin zu sehen – ein Zeppelin NT taucht auf. "Wir versuchen jetzt so langsam zu fliegen, wie das Luftschiff", klingt Schifferer freudig erregt und fährt die Landeklappen zuerst in Position eins, dann in Position zwei aus, ändert den Anstellwinkel und das erste deutsche Serienflugzeug nach dem Krieg tuckert mit 70 Stundenkilometern durch die Lüfte...

Mit etwa 50 km/h fliegt der Zeppelin NT den Bodensee entlang. Ein bisschen zu langsam, um mit der Do-27 nebenher zu fliegen.
Mit etwa 50 km/h fliegt der Zeppelin NT den Bodensee entlang. Ein bisschen zu langsam, um mit der Do-27 nebenher zu fliegen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Maschine braucht bis zu 60 Liter je Stunde

Zu schnell für den Zeppelin, der mit etwa der halben Geschwindigkeit dahinschwebt. Es wird ohnehin Zeit zu Landen. Nach dem Funkkontakt zum Tower wirft der Pilot einen Blick in den Ausschnitt seiner Luftfahrtkarte, überfliegt kurz das Dornier-Museum und setzt zur Landung an. "So, jetzt habe ich alles gegeben", sagt Martin Schifferer, lässt seine nassgeschwitzten Passagiere aussteigen und tankt sein Flugzeug auf. Bei einem Verbrauch von 50 bis 60 Litern in der Stunde ist der Klassiker nicht unbedingt ein Spritsparwunder und die nächsten Passagiere warten schon...

Das Dornier-Museum während der Do-Days aus der Luft: Gegen 17 Uhr gehen die Besucher langsam nachhause.
Das Dornier-Museum während der Do-Days aus der Luft: Gegen 17 Uhr gehen die Besucher langsam nachhause. | Bild: Anette Bengelsdorf

Mit Rauchfahne Herz in Himmel gemalt

Ein Dröhnen überdeckt das Knattern der Rundflughubschrauber und das Juchzen der Kinder in der Zeppelin-Hüpfburg, als die North American T-28 Trojan mit ihrem Neun-Zylinder-Sternmotor und 1425 PS abhebt. Mit ordentlich Bizeps zieht Toni Eichhorn das Trainingsflugzeug für Kampfpiloten aus den 50ern steil in die Luft und wird beim anschließenden Looping mit dem Dreifachen der Erdanziehungskraft beschleunigt. Mit der dicken Rauchfahne, die der Oldtimer zu diesem Zweck produziert, malt Eichhorn ein riesiges Herz in den Himmel.

Mit 200 000 qm und 1500 Liegeplätzen ist der Yachthafen von Ultramarin in Kressbronn Gohren der größte am Bodensee und sieht auch aus der Luft eindrucksvoll aus.
Mit 200 000 qm und 1500 Liegeplätzen ist der Yachthafen von Ultramarin in Kressbronn Gohren der größte am Bodensee und sieht auch aus der Luft eindrucksvoll aus. | Bild: Anette Bengelsdorf

Lange Schlangen vor Transporthubschrauber

Kurzfristig hat die spektakuläre Show die Besucher vom Transporthubschrauber CH-53 abgezogen. Lange Schlangen hatten sich vor dem dunklen Monster gebildet, das mit einem Gesamtgewicht von 19 Tonnen nicht nur zum Truppentransport in Afghanistan, sondern auch zur Katastrophenhilfe und zum Feuerlöschen eingesetzt wird.

Der Transporthubschrauber der Bundeswehr bringt nicht nur Kinder zum Staunen. Lange Schlangen bildeten sich vor seiner Laderampe.
Der Transporthubschrauber der Bundeswehr bringt nicht nur Kinder zum Staunen. Lange Schlangen bildeten sich vor seiner Laderampe. | Bild: Anette Bengelsdorf

Pin-up-Arbeiten an Oldtimerflugzeug

Während Robin Dannhauer, Karriereberatungsoffizier der Bundeswehr Auskunft gibt, Beschäftigt sich im Museumsgebäude Enrico Hohner mit "Nose Art". Liebevoll walzt er ein Pin-up-Girl auf die "Nase" seines Restaurationsobjekts aus dem Jahr 1946. Der Vorbesitzer hatte vergessen, das Fahrwerk auszufahren... Der Flugzeugbauer haucht dem verbeulten Klassiker in der Show-Werft neues Leben ein. Nicht nur hier klebt ein langbeiniges Frauenzimmer mit Schlafzimmerblick. Auch der silbern glänzende Bomber B-25 Mitchell der "Flying Bulls" ist damit dekoriert und die Trojan ziert gar eine Lady mit Putzlappen in der Hand! Amerikanische Piloten aus dem Zweiten Weltkrieg, erklärt Hohner, gaben ihren Maschinen oft Frauennamen und nahmen so ihre Angebeteten wie eine Galionsfigur zum Einsatz mit.

Flugzeugbauer Enrico Hohner, Flugzeugbauer aus Oberpfaffenhofen, ein Abziehbild mit einem Pin-Up-Girl auf einem Löwen auf. Es ist die Sängerin Lola Montez, die einst den bayerischen König Ludwig I. bezirzte.
Flugzeugbauer Enrico Hohner, Flugzeugbauer aus Oberpfaffenhofen, ein Abziehbild mit einem Pin-Up-Girl auf einem Löwen auf. Es ist die Sängerin Lola Montez, die einst den bayerischen König Ludwig I. bezirzte.