Annähernd 130 000 Besucher sind laut Stadtverwaltung während des fünftägigen Seehasenfestes gezählt worden, die Polizei registrierte 42 Straftaten. Vergangenes Jahr wurden 38 Straftaten bei geschätzten 100 000 Besuchern registriert. "Die Anzahl der Straftaten bewegt sich in etwa auf Vorjahresniveau", berichtet Uwe Janitschek, Leiter des Polizeireviers Friedrichshafen. Dennoch ist er lediglich "weitgehend zufrieden". Janitschek nennt Beispiele: Ein Sanitäter will helfen und bekommt einen Faustschlag ins Gesicht. Ein Festbesucher meint, er müsse während einer Personenkontrolle einer Polizistin and en Po fassen – juristisch betrachtet eine sexuelle Beleidigung. Ein Parlamentarier aus einem baltischen Staat fotografiert und filmt eine Frau unter ihren Rock – derzeit wird überprüft, ob der 56-Jährige tatsächlich diplomatische Immunität beanspruchen kann, wie er am Sonntagabend behauptet hat. Auch die zunehmende Gewaltbereitschaft gegen Polizisten, Sanitäter und Rettungskräfte betrachtet der Leiter des Häfler Polizeireviers mit Sorge: "Das ist leider Gottes immer häufiger der Fall." Allerdings relativiert Janitschek, dass es während der Festtage aus polizeilicher Sicht keine Ereignisse gegeben hat, die prägend gewesen seien, wie man beispielsweise von Großveranstaltungen aus anderen Städten lesen könne. Zwei am Samstag gemeldete Fälle von Exhibitionismus stellen sich bei der Überprüfung als vergleichsweise harmlos heraus. Zwei Personen wollen nackt vor der Freitreppe im Bodensee baden. Laut Janitschek haben sich die Freunde der Freikörperkultur umgehend einsichtig gezeigt.

Das Thema Sicherheit während des Seehasenfestes wird ernst genommen. Erstmals sind laut Uwe Janitschek an vier zentralen Punkten Videokameras zur Überwachung eingesetzt worden. Ob während des Seehasenfestes 2018 mehr Kameras eingesetzt werden, werde noch untersucht. Außerdem ist erstmals ein Polizeihelikopter am Seehasenfestsamstag von 15 bis 20 Uhr zu Überwachungszwecken eingesetzt worden, beispielsweise um Verkehrsströme zu beobachten, Luftbilder zu übertragen und erforderlichenfalls zu reagieren. Ob der Helikopter nächstes Jahr auch am Seehasenfestsonntag anlässlich des Festzuges eingesetzt wird, lässt Janitschek offen und spricht von einer weiteren Option. Als bemerkenswert bezeichnet Janitschek die Polizeieinsätze in Sachen Jugendschutz: Beispielsweise sind 95 Jugendliche unter 18 Jahren beim Rauchen erwischt worden, weitere 18 Jugendliche unter 16 Jahren hatten Alkohol dabei, weitere 38 unter 18-Jährige haben Branntwein/Schnaps dabei gehabt.

Hans-Jörg Schraitle, Leiter des städtischen Amtes für Bürgerservice, Sicherheit und Umweltschutz, zeigt sich sehr zufrieden: "Es ist meine feste Überzeugung, dass die Bilanz des diesjährigen Seehasenfestes besser als im Vorjahr ist. Das Mehr an Besuchern wurde sehr gut bewältigt. Das Sicherheitskonzept hat sich bewährt und wird mit Blick auf aktuelle Entwicklungen fortgeschrieben." Schraitle spricht davon, dass umfangreich Absperrungen gegen Autos und Lastwagen platziert worden sind, beispielsweise am Festsamstag anlässlich des Feuerwerks sowie am Festsonntag anlässlich des Festzuges. Der Amtsleiter lobt die Festwirte und Standbetreiber dafür, dass Betriebs- und Musikzeiten eingehalten worden sind: "Das ist auch ein Mosaikstein im Sicherheitskonzept für ein im positiven Sinne ruhiges Fest. " Dass nach Einschätzung mancher Besucher die Absperrungen nicht dicht genug gesetzt wurden, hat einen triftigen Grund: "Im Ernstfall müssen die Feuerwehr und die Rettungsdienste durchkommen. Die Absperrungen wurden so gesetzt, dass man mit der Drehleiter bei langsamer Fahrt vorbeikommt."

Stadtbrandmeister Louis Lauröschs Fazit: "Dramatische Ereignisse gab es nicht." Die Feuerwehr habe 43 Dienste wie etwa Brandwache, Einsatzleitstelle oder Löschfahrzeug beim Festgelände absolviert. "Insgesamt 125 Feuerwehrangehörige waren im Einsatz, die Feuerwache wurde deutlich öfter besetzt. Und es wurde ein eigenes digitales Funknetz eingerichtet, für die Kommunikation zwischen Polizei, BSU, Feuerwehr, Rettungskräften, Sanitätern, DLRG und THW."

Angesichts der Besucherzahlen spricht Jan Hinrichs, Bereitschaftsleiter des DRK Friedrichshafen, von einem "weitestgehend ruhigen" Festverlauf. "89 Helfer von DRK, Johannitern und Maltesern haben ehrenamtlich 1400 Stunden geleistet." In rund 190 Fällen seien Menschen versorgt worden, 57 wurden zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht. Die Fallzahlen seien mit jenen aus dem vergangenen Jahr vergleichbar.

Der städtische Marktmeister Florian Anger spricht von durchweg positiven Rückmeldungen der Festwirte, Standbetreiber und Schausteller: "Es war ein auffällig starker Start mit rund 11 000 Besuchern am Seehasenfestdonnerstag. Übers Wochenende gab es Umsatzsteigerungen in allen Bereichen." Außerdem sei das erweiterte Essensangebot mit vegetarischen, veganen, gluten- sowie lactosefreien Gerichten von Besuchern gelobt worden.

"Wir vom Festausschuss und Präsidium sind sehr zufrieden. Das Seehasenfest lief prima. Fast alle Veranstaltungen konnten bei idealen Wetterbedingungen stattfinden", freut sich Hermann Dollak, Präsident des Seehasenfestpräsidiums. Er ergänzt: "Und nach allem, was ich gehört und gesehen habe, sind die Theatervorstellungen bestens angekommen, ebenso die Sportveranstaltungen." Es seien alle 32 000 Abzeichen verkauft worden. "Das zeigt dann doch die breite Akzeptanz, auch wenn's die eine oder andere unschöne Äußerung gibt."

Karoline von Dewitz, Leiterin des Jugendzentrums Molke, berichtet, dass die Atmosphäre in der Molke-Chillout-Area sehr entspannt und friedlich gewesen ist. Auch das Angebot an alkoholfreien Cocktails sei gut angenommen worden. Tagsüber seien eher Eltern mit Kindern in der Chillout-Area gewesen, abends Jugendliche. Der DJ-Betrieb von 21 Uhr bis Mitternacht werde von vielen Festbesuchern als Ergänzung und Alternative zum musikalischen Angebot gesehen.

Margret Rücker-Beck, Leiterin des städtischen Spielehauses, bilanziert ebenfalls erfolgreiche Tage. Mehr als 3000 Besucher über alle Generationen hinweg seien auf das Areal des Paulinengartens gekommen, um die zahlreichen Angebote auf der Aktionswiese "Familiengarten & Spielabenteuer" wahrzunehmen. Regelrechten Ansturm habe es auf die Seehasenwerkstatt sowie auf die Holzwerkstatt gegeben. Die Begeisterung fürs Basteln von Seehasenohren oder von Handspinnern sei sehr groß gewesen. In Zusammenarbeit mit dem Schulmuseum wurden in Paulinchens Klassenzimmer spielerisch Schultests von Kindern, Eltern sowie Oma und Opa absolviert. Anschließend gab's Rallyes im Schulmuseum mit Einblicken in die Schulzeit um 1900 und 1930. Auch dieses Angebot sei sehr gut angenommen worden. Bei den drei Auftritten des Clown-Duos Herbert & Mimi sind laut Rücker-Beck jeweils um die 400 Besucher jeglichen Alters gezählt worden.

Polizeibilanz zum Seehasenfest 2017

Während des 69. Seehasenfestes hat die Polizei 42 Straftaten (Vorjahr: 38) registriert: sieben Körperverletzungen; eine gefährliche Körperverletzung; zweimal Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte; sieben Drogendelikte/Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz; vier Beleidigungen; zwei sexuelle Beleidigungen; acht Diebstähle; fünf Sachbeschädigungen; eine Fahrt unter Drogeneinfluss.Des Weiteren gab es fünf Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten, es wurden 59 Platzverweise ausgesprochen; acht Festbesucher wurden in Polizeigewahrsam genommen; zwei Festnahmen; zwei Einweisungen in die Psychiatrie; sieben Vermisste – überwiegend Kinder – alle wurden gefunden und die Fälle geklärt; 23 Fundsachen.

Jugendschutz: 95 Jugendliche unter 18 Jahren wurden beim Rauchen erwischt; in 18 Fällen haben Jugendliche unter 16 Jahren Alkohol dabei gehabt; in 37 Fällen wurden Jugendliche unter 18 Jahren mit Branntwein/Schnaps erwischt; es wurden 35 Jugendliche angetroffen, die nach Mitternacht nicht mehr auf dem Seehasenfest hätten sein dürfen; 25 Platzverweise; in acht Fällen wurden Jugendliche an die Eltern übergeben, in weiteren zwölf Fällen wurden die Eltern benachrichtigt; vier Anzeigen wegen Ordnungswidrigkeiten. (gan)