Es gibt sie in Helsinki und Madrid, Sydney und Osaka, Toronto oder La Paz. In 90 Ländern auf der ganzen Welt können nicht nur junge Leute in rund 4000 Jugendherbergen auf Reisen für wenig Geld übernachten. Auch in Friedrichshafen. Bereits 1933 wurde die Jugendherberge „Graf Zeppelin“ – so heißt sie bis heute – eröffnet; „die schönste und größte am Schwäbischen Meer“, wie es damals in der Jugendherbergs-Zeitschrift beschrieben wurde. Seither haben Gäste aus aller Welt zwischen 25 000 und 45 000 Mal pro Jahr übernachtet.

Barbara Heldele ist seit 20 Jahren – die meiste Zeit davon zusammen mit ihrem Mann Karl – Leiterin der Jugendherberge Friedrichshafen, die es bereits seit 1933 gibt.
Barbara Heldele ist seit 20 Jahren – die meiste Zeit davon zusammen mit ihrem Mann Karl – Leiterin der Jugendherberge Friedrichshafen, die es bereits seit 1933 gibt. | Bild: Cuko, Katy

Herberge in der Kategorie "top"

„Friedrichshafen gehört unter den 47 Jugendherbergen in Baden-Württemberg zu der Kategorie ‚top’ und wird als A-Standort eingestuft“, sagt Karl Rosner, Geschäftsführer des Landes-Jugendherbergswerks, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Die Häfler Herberge an der Rotach gehört zu den ältesten im Land und hat laut Rosner „gute Perspektiven“. Da zählt nicht nur der beliebte Standort in der Tourismus-Destination Bodensee, sondern auch eine im Landesmaßstab überdurchschnittliche Auslastung von zuletzt 48 Prozent übers Jahr gesehen.

In der Hauptsaison allerdings ist selten etwas frei, sagt Barbara Heldele. Sie leitet seit 20 Jahren die Jugendherberge, die 237 Betten hat. Stockbetten sind immer noch Standard, aber Schlafsäle schon lange nicht mehr. Zwei Drittel der 70 Zimmer haben vier oder sechs Betten, der Rest sind Einzel- und Doppelzimmer, davon die meisten mit eigener Dusche und WC. In gut der Hälfte der Zimmer nutzen die Gäste nach wie vor Gemeinschaftsdusche und Toilette auf dem Gang.

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Übernachtung ab 23,90 Euro

„Die Ansprüche sind höher geworden“, stellt Barbara Heldele fest. Auch junge Leute erwarten heute mehr, empfänden es teilweise als Zumutung, mit drei Gästen das Zimmer zu teilen. Die typischen Backpacker gebe es kaum noch. „Für die sind wir fast schon wieder zu teuer“, sagt die Herbergsleiterin. Wer jünger als 27 ist, zählt für eine Übernachtung im Vier-Bett-Zimmer 23,90 Euro, Ältere 30,90 Euro. Wer drei Nächte bucht, bekommt für zehn Euro mehr pro Tag Vollpension mit drei Mahlzeiten.

„Das ist gerade für Familien unschlagbar günstig, die diese unkomplizierte Art des Reisens und Aufenthalts schätzen“, sagt Barbara Heldele, zumal Kinder im Vorschulalter gratis nächtigen und speisen. Familien seien neben Schulklassen vermehrt Gäste in der Herberge. Aber auch Messebesucher aus osteuropäischen Ländern oder Studenten steigen gern und oft ab. Ihnen seien die Häfler Hotels zu teuer. Und wenn in Friedrichshafen Theatertage sind oder ein großes Fußball-Nachwuchsturnier stattfindet, übernachten viele ausländische Gruppen in der Herberge. Wer hier schlafen will, muss aber Mitglied im Jugendherbergswerk sein.

Die Jugendherberge Friedrichshafen im heutigen Ausbauzustand (2019), die Aufnahme ist allerdings deutlich älter.
Die Jugendherberge Friedrichshafen im heutigen Ausbauzustand (2019), die Aufnahme ist allerdings deutlich älter. | Bild: Archiv Jugendherberge

Dass ein Übernachtungspreis von zehn Euro nicht mehr drin ist, hat einige Gründe. „Es braucht viele Menschen, um die Dienstleistung anzubieten, die verlangt wird“, erklärt die Herbergsleiterin. Rezeption, Küche, Reinigung, Verwaltung , Hausmeister: Rund 20 Leute sind in der Häfler Herberge beschäftigt, darunter vier „Bufdis“, also Mitarbeiter auf Zeit im Bundesfreiwilligendienst, die meistens aus aller Herren Länder stammen. „Da ist die Begegnung schon am Empfang international“, sagt Barbara Heldele schmunzelnd. Die internationale Begegnung zu fördern und so Vorurteile abzubauen, sei ein Satzungsziel des Jugendherbergswerks.

Einblick in eins der beiden noch vorhandenen 6-Bett-Zimmer in der Jugendherberge, dafür mit eigenem Bad.
Einblick in eins der beiden noch vorhandenen 6-Bett-Zimmer in der Jugendherberge, dafür mit eigenem Bad. | Bild: Cuko, Katy

Modernisierung wird seit 2012 geplant

Um gut gerüstet in die Zukunft zu gehen, kommt die Häfler Herberge um eine Modernisierung aber nicht herum. Im über die Jahrzehnte mehrfach angebauten Gebäudekomplex fehlt beispielsweise ein Lift, der Barrierefreiheit schafft. Alle Zimmer mit Bad und WC auszustatten, wäre eine weitere Notwendigkeit. Nach Aussage des Trägers gebe es einen Modernisierungsplan aus dem Jahre 2012, der mit Kosten zwischen 4,5 und 5,5 Millionen Euro veranschlagt war – inklusive einer Verbesserung der Eingangssituation sowie einer energetische Sanierung.

Wegen des hohen Investitionsstaus beim Landes-Jugendherbergswerk und begrenzter Mittel könne eine Modernisierung oder gar ein Neubau in der Regel aber nur dann angegangen werden, wenn sich die Kommune finanziell beteiligt. „Diesbezüglich bestand seinerzeit Kontakte zur Stadt mit positiver Rückmeldung“, erklärt Karl Rosner auf Nachfrage. Weitere Gespräche hätten bisher allerdings nicht stattgefunden, weil andere Projekte Priorität hatten.