Das Gerät summt wie ein Hornissenschwarm und ist wegen seiner kleinen Ausmaße schnell aus dem Blickfeld verschwunden. Aber was am Dienstagnachmittag am Graf Zeppelin-Haus die Aufmerksamkeit von fast so vielen Medienvertretern wie Passanten auf sich zog, könnte einmal am Bodensee Menschenleben retten: der Einsatz einer professionellen Drohne bei einem angenommenen Ölunfall auf dem See.

Die anstehende Aero ermöglichte diese ungewöhnliche Übung der Feuerwehr, denn Drohnen sind ein Thema bei der Luftfahrtmesse, die viele Modelle nach Friedrichshafen lockt. So auch das Fluggerät des Startup-Unternehmens Wingcopter aus Darmstadt, das mit den kleinen Drohnen für den Hausgebrauch nicht mehr viel gemein hat. Es startet mit vier Rotoren wie ein Hubschrauber, aber wenn es Fahrt aufnimmt, kommen kleine Tragflächen zum Einsatz, durch die es die Flugeigenschaften eines Flugzeugs bekommt. Solches Gerät interessierte auch Kreisbrandmeister Henning Nöh, der die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr beobachtete.

Großes Medienecho: Die Übung mit der Drohne lockte mehrere Kamerateams und Fotografen an das Häfler Grad Zeppelin-Haus.
Großes Medienecho: Die Übung mit der Drohne lockte mehrere Kamerateams und Fotografen an das Häfler Grad Zeppelin-Haus. | Bild: Axel Pries

Das Szenario könnte sich jederzeit so ereignen: Ein Boot hat auf dem See eine Havarie, es brennt an Bord, Öl läuft aus. Menschen sind in Gefahr – und die Umwelt auch. Die Drohne, erklärte Henning Nöh, könnte schneller als bisher möglich Aufschluss über die Einsatzlage liefern. Dafür braucht es aber ein Drohne, die über genügend Reichweite verfügt und auch bei widrigen Wetterverhältnissen fliegt.

So ein Gerät, wie die Darmstädter Jonathan Hesselbarth und Tom Plümmer vor dem Graf Zeppelin-Haus abheben ließen. Mit bis zu 130 Stundenkilometer schnell jagt die fast zehn Kilogramm schwere Technik auf den See hinaus, wo Feuerwehrleute rund 200 Meter vor dem Ufer im Boot den Unfall simulierten. Die Drohne zieht Kreise über ihren Köpfen, liefert per Funk die Bilder in die Einsatzleitstelle. Bei der Übung traten ein paar unerwartete Schwierigkeiten auf: Wegen unklarer Ladungsleitung der Akkus und aufkommenden Windes ließ Pilot Hesselbarth das teure Teil jeweils nach wenigen Flugminuten immer wieder zurückkehren. Es war ja nur eine Übung, erläuterte Flugleiter Jens Rosenow, da gehe die Sicherheit vor.

Rund 200 Meter vor dem Ufer simulierte die Feuerwehr eine Havarie – beobachtet von Kamerateams im Begleitboot.
Rund 200 Meter vor dem Ufer simulierte die Feuerwehr eine Havarie – beobachtet von Kamerateams im Begleitboot. | Bild: Axel Pries

Nach einer halben Stunde war die Übung beendet – und sei aufschlussreich gewesen, erläuterte der Flugleiter. Nur eines der drei Übungsziele sei diesmal vollendet worden: die Beobachtung von auslaufendem Öl. Dabei könne die Drohne viel mehr – zum Beispiel mit einer Wärmebildkamera Hitzequellen ausfindig machen. Und wenn Menschen im Wasser dringend Hilfe benötigen, kann das Gerät sogar kleine Rettungswesten abwerfen.

Die Idee ist da, und Kreisbrandmeister Nöh zeigte sich von dieser Unterstützung sehr angetan. Aber ob die bei der Übung eingesetzte Drohne einmal über dem Bodensee kreist, vermochte er nicht zu sagen. "Wir müssen sehen, was wir an technischer Ausrüstung brauchen." Und wenn eine Drohne kommt, sei noch ganz offen, wo sie denn stationiert würde, um im ganzen Kreis eingesetzt werden zu können.


 

Die Aero

Die Luftfahrtmesse Aero, die vom 5. bis 8. April ihre Pforten öffnet, widmet der Drohnentechnik eine eigene Sonderschau: die Expo/AeroDrones. Neue Anbieter ziviler Drohnen oder unbemannter Flugzeuge zeigen ihre neuesten Modelle, die für die unterschiedlichsten Anforderungen ausgelegt sind. Aber auch Probleme, die mit dem Aufkommen dieser neuen Fluggeräte im Alltag auftauchen, sollen auf der Messe zu Sprache kommen.