Es flossen keine Tränen und es gab kein großes Lamento. Nur der Satz: „Mein Leben wird nie wieder so sein, wie es einmal war“. Und: „Ich hatte unfassbare Todesangst„. Der Mann, der das alles vor fast sieben Jahren verursacht hatte, saß nur wenige Meter entfernt auf der Anklagebank im Saal 1 des Ravensburger Landgerichts. Der heute 28-Jährige hatte am Abend des 19. Septembers 2012 die Restaurant-Chefin vor ihrem Haus in Langenargen abgepasst, mit einer Softair-Pistole bedroht, anschließend durch massive Einschüchterung im Haus mehr als 3300 Euro erpresst und sie gefesselt. Seit dem Überfall hat die Frau, die gestern als Zeugin auftrat, Angst im Dunkeln zu gehen und „ich kann es nicht ertragen, dass jemand hinter mir läuft“. Auch aus Angst um ihre Kinder, ist die Frau ein Jahr nach der Tat aus dem eigenen Haus ausgezogen.

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Der Angeklagte wirkte beim Auftritt des Opfers sichtlich beeindruckt. Sein Verteidiger, der Frankfurter Anwalt Stephan Kuhn, hatte zuvor eine mehrseitige Erklärung seines Mandanten verlesen, in der die Tat von 2012 voll umfänglich eingeräumt wird. Kuhn, der sich einen Namen als Opfer- Anwalt im NSU-Prozess gemacht hat, erklärte im Namen des Angeklagten, der habe lange versucht, die Tat zu verdrängen und wolle sich aufrichtig bei seinem Opfer entschuldigen. Zur Erklärung ließ er mitteilen, er sei 2012 in Friedrichshafen in einen kriminellen und drogenaffinen Bekanntenkreis geraten und von einem Bekannten geradezu manipuliert und zu Straftaten überredet worden.

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Wegen seiner Schulden bei einem Mann, habe er sich zu dem Überfall auf die Restaurant-Chefin überreden lassen. Der „Auftraggeber“ habe ihn mit der Softair-Pistole einem Rucksack mit Plastikhandschuhen und Klebeband ausgestattet und zum Tatort gefahren. Als die Frau aus ihrem Auto stieg, hielt ihr der Angeklagte die Scheinwaffe an den Kopf und drohte: „Ich knall Dich ab, wenn Du nicht tust, was ich Dir sage. Ich habe nichts zu verlieren.“ Gestern versicherte er, er habe der Frau nie etwas antun können. Im Haus verlief die Suche nach dem Tresor mit angeblich 50 000 Euro ergebnislos, weil die Frau erklärte, der Schlüssel liege bei der Bank. Nachdem er sein Opfer gefesselt hatte, entnahm er aus ihrem Auto noch die Tageseinnahmen des Restaurants mit.

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Mit dem zweiten Mann überfiel er später noch eine Tankstelle in Österreich, wurde gefasst und zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach der vorzeitigen Freilassung arbeitete der Angeklagte, der seine Kindheit in Mexiko verbracht hatte, in der Schweiz, mal als Müllmann, dann als Möbelmonteur, Vertreter und „Event-Techniker“.

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Dass er wegen der Tat von Langenargen noch vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts landete, war eher Zufall: In einem anderen Ermittlungsverfahren mit Telefonüberwachung war zum Fall Langenargen der Name „der Mexikaner“ gefallen. Ein DNA-Abgleich ergab einen Treffer. Nach einem Auslieferungsgesuch landete der Mann im Januar in deutscher Untersuchungshaft. Der Mittäter von 2012 sitzt wegen anderer Straftaten eine mehrjährige Haftstrafe ab. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.