Als "historische Stunde" bezeichnete Architekt und Stadtplaner Wolfgang Riehle die erste Sitzung des neuen Häfler Gestaltungsbeirats. Neben ihm gehören Architekt und Stadtplaner Peter Fink, Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin Andrea Gebhard und Architekt Josef Fink dem neuen Sachverständigengremium an, das künftig Bauvorhaben beurteilen soll, die das Stadtbild von Friedrichshafen prägen. Zwei solcher Vorhaben wurden jetzt im öffentlichen Teil der ersten Beiratssitzung behandelt: die Neubauprojekte Trapp und Lukullum.

Lukullum erfindet sich neu

Ein Restaurant mit angrenzendem Biergarten im Erdgeschoss, eine Skybar mit Dachterrasse in luftiger Höhe und dazwischen drei Etagen mit insgesamt 90 Hotelzimmern und Suiten, Fitness- und Wellnessbereich – all das soll an der Friedrichstraße, Ecke Olgastraße entstehen. Dafür plant Grundstückseigentümer Alexander Stadler, das Lukullum und die zurückversetzt über dem Lokal liegenden Wohnungen abzureißen.

Anstelle des Lukullums soll an der Friedrichstraße bald ein Drei-Sterne-Hotel mit Restaurant, Biergarten und Skybar stehen.
Anstelle des Lukullums soll an der Friedrichstraße bald ein Drei-Sterne-Hotel mit Restaurant, Biergarten und Skybar stehen. | Bild: Svenja Graf

Zunächst habe man geplant, das Restaurant zu erhalten und um ein Hotel mit 69 Zimmern zu erweitern, erklärte Markus Mehwald vom Stuttgarter Architekturbüro CIP in der Beiratssitzung. Allerdings hätte man dafür erst die statischen Voraussetzungen schaffen müssen, so der Architekt. Dies wäre wirtschaftlich nicht tragbar gewesen.

So sehen die Pläne für das neue Hotel aus.
So sehen die Pläne für das neue Hotel aus. | Bild: Green Architecture GmbH

Der Gestaltungsbeirat sehe in dem geplanten Drei-Sterne-Hotel mit Tiefgarage und Flachdach eine „ausgesprochene Bereicherung für das Erscheinungsbild der Friedrichstraße“, sagte Wolfgang Riehle. Das Gremium empfiehlt jedoch unter anderem, die Gebäudeform zu verändern, damit sich der Komplex besser in die Umgebung einfügt. Darüber hinaus legte der Gestaltungsbeirat dem Bauherren und seinem Architekten zwei weitere Verbesserungsvorschläge nahe: Zum einen solle das Flachdach begrünt und zum anderen die Tiefgaragenrampe von der Friedrich- in die Olgastraße und möglichst ins Gebäude verlegt werden, damit die angrenzende Grünfläche und der vorhandene Baumbestand nicht durch die Zufahrt zerstört werden. „Grundsätzlich halten wir das Ganze aber für ein sehr sauberes Projekt“, resümierte Josef Fink.

Neues Trapp-Haus in Planung

Nur wenige Gehminuten vom Lukullum entfernt befindet sich das Wohn- und Geschäftshaus Trapp. Auch dieses Gebäude soll in seiner alten Form bald Geschichte sein. Die Lake Project AG aus Überlingen hat das Haus gekauft und will es nach Plänen des Architekturbüros Plösser neu aufbauen lassen.

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Dadurch soll an der Friedrichstraße ein moderner Neubau mit 400 Quadratmetern Gewerbefläche im Erdgeschoss und insgesamt 1230 Quadratmetern Wohnfläche in den Obergeschossen entstehen. Die geplanten 16 Wohneinheiten sind als Zweieinhalb- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen konzipiert und sollen zwischen 58 und 205 Quadratmeter Platz bieten. Darüber hinaus sei in dem unterkellerten Gebäude eine Tiefgarage mit 19 Stellplätzen, Lagerräumen, Technikflächen und Fahrradabstellplätzen vorgesehen, erklärte Architekt Manuel Plösser bei der Sitzung im technischen Rathaus.

So soll der Neubau des Trapp-Hauses aussehen.
So soll der Neubau des Trapp-Hauses aussehen. | Bild: Architekturbüro Plösser

"Wir sind ausgesprochen erfreut, dass hier ein anständiges Haus mit geneigtem Dach entstehen soll", sagte Wolfgang Riehle im Namen des Gestaltungsbeirats. Für Kritik sorgte aber die durchgezogene Dachgaube, die laut der Empfehlung des Gremiums besser in drei Teile geteilt werden sollte – "um das schräge Dach erlebbar zu machen", erklärte Riehle. Außerdem solle die Zufahrt zur Tiefgarage eine begrünte Überdachung bekommen und die Fassade des gewerblich genutzten Erdgeschosses nicht ausschließlich aus Glas bestehen.

Im nächsten Schritt werden die Empfehlungen des Gestaltungsbeirates in den Fachämtern und im Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt thematisiert. Das letzte Wort hat aber der Gemeinderat. "Der Gestaltungsbeirat will die Verwaltung schließlich nicht ersetzen oder entlasten, sondern lediglich im Interesse der Qualität beraten und bereichern", sagte Wolfgang Riehle.

So arbeitet der Gestaltungsbeirat

Der Beirat für Architektur und Stadtgestaltung, kurz Gestaltungsbeirat, ist ein unabhängiges, interdisziplinär besetztes Sachverständigengremium.

  1. Mitglieder: Der Beirat setzt sich aus den Architekten und Stadtplanern Wolfgang Riehle, Peter Fink, Andrea Gebhard und Josef Fink zusammen. Sie alle kommen nicht aus Friedrichshafen, was eine Voraussetzung für ihre Rolle als externe Berater ist.
  2. Aufgabe: Der Gestaltungsbeirat beurteilt stadtbildprägende Bauvorhaben im Hinblick auf ihre städtebauliche, landschaftsplanerische und achitektonische Qualität. Er steht Bauherren und Architekten beratend zur Seite und unterstützt diese in der Anfangsphase des Entwurfs. Er hat jedoch keine Entscheidungsgewalt.
  3. Bauvorhaben: Der Gestaltungsbeirat befasst sich ausschließlich mit Bauvorhaben, die aufgrund ihrer Lage oder Größe das Häfler Stadtbild mitbestimmen. Eine Vorauswahl trifft die Stadtverwaltung.
  4. Verfahren: Die Bauherren oder Architekten stellen in der Sitzung des Gestaltungsbeirats ihr Bauvorhaben vor. Im Anschluss beurteilt der Beirat das Vorhaben und spricht Kritikpunkte und Empfehlungen aus. Abschließend verfasst der Beirat eine schriftliche Stellungnahme und leitet diese an den Gemeinderat weiter.

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