Mit roten Glitzerhosen, die großzügig den Blick auf das nietenbesetzte Tanga-Dreieck darunter freigeben, läuft er die Phalanx der Handybewaffneten ab. Den stählernen "Ring der O" um den Hals, interagiert der Mann mittleren Alters professionell mit dem Publikum. Die Schaulustigen jubeln, bevor er im geheimnisvollen Inneren des als Sadomaso-Schiffs bekannten "Torture Ships" verschwindet, über das sich auch beim 21. Ablegen wieder trefflich spekulieren lässt.

"Es dauert etwa eine Stunde, so ein Kostüm anzuziehen. Sich dann auszuziehen, um Sex mit einem zu haben, den man nicht kennt, das macht man nicht", erklärt da eine Dame ganz resolut. Sie hat sich in hautengen Latex gezwängt – Gesicht inklusive. Dass sie da nicht so schnell wieder herauskommt, ist jedem klar. Es geht aber auch anders. Auf die rechte Pobacke hat sich ein Gast ein prominentes Gesicht tätowiert. Die Schwerkraft zieht beides nach unten, was der Abgebildeten einen etwas tragischen Gesichtsausdruck verleiht. Auch die Vorderseite des Lack-Tangas wirkt der Physik nur unzureichend entgegen. "Ich finde es großartig, wie sich die Leute inszenieren. Diese Tätowierungen sind richtige Kunst", schwärmt eine Zuschauerin und hält mit der Handykamera alles fest, was sie im Alltag offenbar nicht zu sehen bekommt.
 

"Uns gefällt die Kostümierung, mit der sich jeder ausleben kann. Es macht uns Spaß, jemand anderes zu sein. Man entrinnt dem Stress des Alltags und kann die Flügel hängen lassen", erklären die, die sich auf die Party unter Gleichgesinnten freuen. Ein geflügeltes weibliches Wesen schwebt vorbei, dann ein Teufel mit rotem Gesicht und eiskalten Augen, gefolgt von einem Herrn im weißen Ledertanga mit passendem Halsband, farblich auf die Haarfarbe abgestimmt. "Da gehört eine große Portion Mut dazu. Den hätte ich nicht", tönt es aus dem Heer der Schaulustigen, die ab und zu gehörig aufs Korn genommen werden: "Dich kenne ich doch, du warst doch letztes Jahr selber dabei!" Noch lacht jeder. Bis einer als Anubis, der Gott des Todes und der Unterwelt, in Erscheinung tritt. In Unkenntnis dessen bösartiger Gesinnung, mit der er sich jeden zum Sklaven macht, pfeift ihn eine Dame zu sich, was er umgehend mit einem Schlag seiner Peitsche auf ihren Arm quittiert. Er und ein weiteres schakalköpfiges Wesen stehlen dieses Jahr dem schwarzen Pferd die Schau, das in seinem Geschirr festklemmt. Wie viele trägt seine Reiterin den "Ring der O" am Finger. Ein Schmuckstück, an dem über eine kleine aufgesetzte Kugel ein kleiner Ring beweglich befestigt ist. "Wer den 'Ring der O' links trägt, ist dominant, rechts trägt ihn der Devote", lautet die Aufklärung eines Männerpaars, das nur die strategisch wichtigsten Teile verdeckt.

Wofür ist die Gasmaske gut und wofür die gespaltene Zunge, die Fotografen entgegenstreckt wird? Wofür steht das Handzeichen, das aussieht wie eine Pommesgabel? Man könne die Szene nicht in einem Satz erklären, heißt es da und man müsse eben selber mitmachen, über den eigenen Schatten springen. So bleiben noch manche Rätsel ungelöst. Bis zum nächsten Mal.