So einen Fund hat der Kampfmittel-Taucher Christoph Rottner im Bodensee auch noch nicht gehabt: fünf Meter lang, fast eine Tonne schwer und gedacht für den Seekrieg. Einen Lufttorpedo aus dem Zweiten Weltkrieg bargen Kampfmittelbeseitigungsdienst und Wasserschutzpolizei am Mittwochnachmittag aus dem Wasser vor Friedrichshafen-Seemoos. Bomben am Seegrund kennt der erfahrene Taucher bereits zur Genüge, aber das war sein erster Torpedo.

 

Des Rätsels Lösung: An dieser Uferseite befand sich zur Kriegszeiten eine Teststrecke zur Kalibierung der Wassergeschosse. "Da wurden die Torpedos eingeschossen", erklärt der Einsatzleiter Michael Berendt nach der geglückten Bergung. Nach dem Abschuss von dem Motorschiff "Österreich" aus sollte der am Mittwoch geborgene Torpedo damals eigentlich in einem Stahlnetz landen. "Der hier hat sich wohl auf dem Weg in Richtung Friedrichshafen verirrt." Er ging verloren. Immerhin: Eine Gefahr für den See oder Menschen ging von dem Geschoss nicht aus, da es noch keinen Sprengstoff enthielt. Sonst wäre es auch nicht geborgen worden, sagt der Einsatzleiter. 
 

Mehr als 70 Jahre lag der wohl für den Flugzeugabwurf gedachte Lufttorpedo rund 400 Meter vor dem Ufer in zehn Metern Wassertiefe. Entdeckt wurde er nun, als Polizei und Kampfmittelräumdienst routinemäßig mit Hilfe von Luftbildern aus Weltkriegszeiten nach Bombenblindgängern in der Uferregion vor Manzell suchte. "Hier liegt noch einiges aus dem Weltkrieg", erklärt der Polizeihauptkommissar Berendt. Moderne Technik kam zum Einsatz: Mittels Sidescan-Sonar wurde der Fundort als möglicher Bombenverdachtspunkt kategorisiert, Taucher entdeckten dann den Torpedo.
 



Tief im Schlick steckend, ruhte das Geschoss und musste in einer mehrtägigen Aktion vor der Bergung erst einmal mit Spezialsauggeräten von den Sedimenten befreit werden. Dann brachten Taucher Hebesäcke an, die den schweren Stahlkörper aus dem Seeboden hoben. So transportierten sie ihn rund einen Kilometer weit bis zur Slipanlage in Seemoos. Dort wurde er schließlich auf einen Slipwagen gelegt und schließlich wie jedes Wassergefährt an Land gefahren. Letzte Station wird nun die Vernichtungsanlage des Kampfmittelbeseitigungsdienstes in Stuttgart sein.

 

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