Gleich zwei Stargäste hat der Verein Jazzport Friedrichshafen bei seinem Summer Special-Konzert am Freitag, 22. Juli im GZH Friedrichshafen zu bieten: Das New Jazzport Orchestra (NJPO) spielt mit dem Saxofonisten Tony Lakatos, unter der Gesamtleitung von Kurt Bong. Bong leitete von 1989 bis 2009 die HR-Bigband. Der Arrangeur ist zudem Schlagzeuger und wird sich im GZH auch selbst ans Drumset setzen.

So ohne Weiteres war Kurt Bong für den Job beim Summer Special nicht zu haben. Er wollte erst genau wissen, ob das NJPO spielerisch auch was draufhat. „Ich habe ihm ein Video von uns geschickt“, sagt Carsten Stamm, musikalischer Leiter des NJPO. Dann kam schließlich die Zusage. „Schon ab den 50er Jahren war Kurt Bong eine zentrale Figur für den deutschen Jazz“, sagt Jazzport-Vorstand Jürgen Deeg über den bereits 78-jährigen Rheinländer, der als Lokführer begann und mit seinen Kollegen die Schichten tauschte, um abends in Jazzclubs auftreten zu können. Bong, der in Köln Musik studierte, hat mit zahllosen großen Musikern gespielt – darunter Booker Ervin, Stan Getz, Jimmy Smith, Toots Thielemans, Billy Cobham und Hank Jones.

Bong war es auch, der den Kontakt zu Tony Lakatos herstellte, der in „seiner“ HR-Bigband spielte. Der 1958 geborene Ungar ist bekannt für seinen leuchtenden Saxofon-Sound und gilt als erstklassiger Balladen-Interpret. Die Zahl der Alben, an deren Einspielung er beteiligt war, dürfte bei über 300 liegen. Die Zeitschrift „Jazzthing“ bezeichnete ihn 2014 als „einen der kultiviertesten Tenorsaxofonisten, die die europäische Jazzwelt zu bieten hat: ein Ästhet des Sounds, ein Souverän der Phrasierung, eine Autorität des Melodischen“.

Mit dem NJPO werden Lakotos und Bong Stücke spielen, die Stationen aus Kurt Bongs langer Karriere umspannen – „von Duke Ellington über Toots Thielemans und Thad Jones bis zu Blood, Sweat & Tears“, sagt Carsten Stamm. Im Juli wird Bong nach Friedrichshafen kommen und dem NJPO bei einem Probenwochenende den Feinschliff geben.

Überhaupt, die Bigband des Häfler Jazzclubs: Karsten Stamm schreibt ihr einen hohen Stellenwert zu. „Wir bilden Jazzmusiker aus, von denen mancher den Sprung zum Jazzstudium macht“, sagt er. Im NJPO geben gestandene Berufsmusiker und ambitionierte Freizeitjazzer ihr Wissen an den Nachwuchs weiter, und gemeinsam bekommen sie bei den Summer Special-Konzerten die Gelegenheit, mit Stars der Jazzszene zu spielen; das motiviert.

Jürgen Deeg sieht die Arbeit des 1999 gegründeten Häfler Jazzvereins auch als kulturellen Auftrag: „Die Szene von Jazzmusikern, die in Friedrichshafen und der nahen Region leben, fand ja vorher in Friedrichshafen selbst nicht statt. Die Leute haben woanders gespielt.“ Mit der vor nunmehr 14 Jahren gegründeten Reihe „Jazz am Donnerstag“ habe sich das geändert. Pro Jahr finden bei „Jazz am Donnerstag“ im Refugium im Fallenbrunnen 50 Konzerte statt, mit durchschnittlich jeweils vier Musikern auf der Bühne. Landauf, landab werde beklagt, dass es für Jazzmusiker zu wenige Auftrittsmöglichkeiten gebe, sagt Jürgen Deeg. „Wenn jeder Jazzclub 50 Konzerte im Jahr veranstalten würde, sähe das besser aus.“

Ekkehard Frenzen, 2. Vorsitzender, sieht den Publikumserfolg von „Jazz am Donnerstag“ im „niederschwelligen Zutritt“ begründet. Wenn kein Eintritt an der Abendlasse verlangt wird, schaut man eher mal rein und macht die Euro dann eben bei der Kollekte locker.

„Jeder Musiker, der im Refugium spielt, weiß vor dem Konzert, mit wie viel Geld er am Ende rausgeht“, sagt Deeg. In der Höhe der Bezahlung orientiere man sich an den Empfehlungen des Landes Baden-Württemberg; würde sich Jazzport daran nicht halten, gäbe es vom Land auch keine Zuschüsse und die „Jazz am Donnerstag“-Reihe wäre gar nicht möglich, so Deeg.

Das 14-jährige Bestehen von „Jazz am Donnerstag“ wird im Refugium am 2. Juni mit einer Jamsession gefeiert. Die Basisformation bildet das Metis-Trio, bestehend aus Tobias Rädle (Klavier), Wolfgang Kehle (Bass) und Frank Denzinger (Schlagzeug). Alle Jazzmusiker sind eingeladen, mit ihren Instrumenten auf die Bühne zu kommen – zur besseren Planung gern auch schon mit vorheriger Anmeldung bei Tobias Rädle (tobiasraedle@web.de), der die Session leitet. Das Publikum wird mit einem Glas Sekt begrüßt.