Labradorhündin Momo sitzt auf der Wiese hinter dem Häfler Klinikum und schaut gebannt auf die Anoraktasche vor ihr. Sie weiß genau, dass der Junge, der sie heute ausführen darf, viele Leckerlis darin versteckt hat. Diese müssen jedoch erst mal erarbeitet werden. Auf der Wiese zwischen Klinikum und Hubschrauberlandeplatz ist ein kleiner Parcours aus Stangen und einem Hundetunnel aufgebaut. Dieser muss erst gemeistert werden, bevor es wieder etwas zu naschen gibt.

Der elf Jahre alte schwarze Labrador ist einer von zwei Therapiehunden, die in der Sektion Pädiatrische Psychosomatik der Klinik für Kinder und Jugendliche im Mutter-Kind-Zentrum des Häfler Klinikums tätig sind. Ihre Aufgabe ist es, jungen Menschen bei der Bewältigung ihrer Symptome zu helfen und sie wieder fit und selbstständig für den Alltag zu machen. Ausgebildet und geführt werden Momo und die anderthalb Jahre alte Hope von Ilona Huber. "Die Hunde schenken den Kindern wieder ein Grundvertrauen. Die Patienten sollen ihr Selbstbewusstsein aufbauen und sehen: Okay, ich kann etwas erreichen", erklärt die gelernte Erzieherin Huber das Konzept ihrer Therapie. "Tiere bewerten nicht. Denen ist es egal, ob man dick oder dünn ist."

Behandelt werden Kinder und Jugendliche nach den verschiedensten Diagnosen. "Das Spektrum reicht von Angststörungen und Entwicklungsstörungen bis hin zu Autismus, ADHS und der Behandlung von Übergewicht oder körperlichen Beschwerden, für die es zunächst einmal keine Erklärung gibt", so Huber. Ein bis zwei Therapieeinheiten pro Woche absolvieren die Kinder zusammen mit Ilona Huber und den beiden Hunden. "Die Kinder haben die Verantwortung, die Hunde zu richten, die Leine, Leckerlis und Spielzeug einzupacken", erklärt Huber. Dann geht das kleine Grüppchen zusammen auf die Wiese hinter der Klinik.

"Wir beginnen meistens mit einem kleinen Spiel, zum Beispiel Frisbee", sagt Huber beim Hinauslaufen. Die Arbeit mit den Patienten sei trotz der umfangreichen Ausbildung jedes Mal Schwerstarbeit für die Hunde. "Die Tiere haben eine Aufmerksamkeitsspanne von etwa zehn Minuten. Unsere Therapieeinheiten dauern allerdings eine halbe Stunde." In dieser Zeit wird der Parcours mehrmals absolviert. An jeder Station müssen die Patienten mit den Hunden bestimmte Übungen meistern, beispielsweise das Führen des Hundes auf einer bestimmten Seite oder das Umrunden der Stange, während der Hund auf das Kind wartet. Zum Schluss jagt der Hund durch den Tunnel und liefert sich ein Rennen mit dem Kind zurück zum Startpunkt.

Die Ausbildung der Hunde beginnt bereits mit neun Wochen. "Die Hunde können Hunderte verbale und non-verbale Kommandos ausführen", sagt Ilona Huber stolz. Die Ausbildung dauert viele Monate. Die anderthalb Jahre alte Hope soll die wesentlich ältere und erfahrenere Momo irgendwann ablösen, sodass sie in den Ruhestand gehen kann. Die Hunde kommen jedoch auch im Krankenhaus selbst zum Einsatz. "Wenn nötig, begleiten die Hunde die Kinder zu Untersuchungen, um ihnen Ängste zu nehmen", sagt Huber. Ein großes Problem, sagt Huber zum Schluss, seien unseriöse Ausbilder. Hier seien klare Regelungen notwendig, auch bei der Finanzierung, die momentan vom Klinikum getragen wird. Denn trotz des sichtbaren Erfolges bezahlen die Krankenkassen, anders als etwa in Österreich und der Schweiz, die Hundetherapie bisher nicht.