Mit Thomas Merath, Gerhard Brugger und Lars Schöckel sind drei erfahrene Rallye-Fahrer im Team. Sie waren bereits 2018 mit drei uralten, runderneuerten Mercedes Vitos über Bulgarien, die Türkei und Israel drei Wochen unterwegs in Richtung Jordanien. „Schon bevor wir wieder daheim waren, war mir klar, dass ich da noch mal mit dabei sein möchte“, sagt Gerhard Brugger zu dem Abenteuer, das sonst kaum eine Reise bieten kann.

Geht es um die Reparatur der Mercedes Vitos, hat Kfz-Meister Gerhard Brugger den Hut auf.
Geht es um die Reparatur der Mercedes Vitos, hat Kfz-Meister Gerhard Brugger den Hut auf. | Bild: privat

In seiner Kfz-Werkstatt in Tettnang wurden auch dieses Mal von den Teammitgliedern über Wochen hinweg drei fast schrottreife Mercedes Vitos repariert, aufpoliert und ausgebaut. Ohne ihn müssten sie die Vitos wahrscheinlich zum Start schleppen, sind sich die fünf anderen Teammitglieder einig. Nun haben alle drei Fahrzeuge die TÜV-Plakette und sind mit hoffnungsvoll blickenden Kamelen und Palmen bemalt.

Die Bordküche, die mithilfe von Motorwärme betrieben wird, haben die Teammitglieder um Jan Spieler, Geza Barna und Gerhard Brugger (von links) in den vergangenen Wochen bereits installiert.
Die Bordküche, die mithilfe von Motorwärme betrieben wird, haben die Teammitglieder um Jan Spieler, Geza Barna und Gerhard Brugger (von links) in den vergangenen Wochen bereits installiert. | Bild: privat

Thomas Merath war zunächst etwas vorsichtig: „Die erste Rallye war so gut, das lässt sich eigentlich nicht toppen.“ Deshalb sei ihm ein Jahr Pause wichtig gewesen. Nun sei er doch dabei, da die Tour mit dem neuen Team auf jeden Fall anders werde. „Vielleicht kann man auch manche Dinge noch intensiver auf sich wirken lassen.“

Zum ersten Mal mit von der Partie sind Geza Barna, Jan Spieler und Markus Neumann. „Ich war beim Rallye-Start vor zwei Jahren, habe den Verlauf als großer Fan verfolgt und war einfach fasziniert“, sagt Jan Spieler. „Es reizt mich total und dieses Mal will ich selbst mitfahren.“ Auch Geza Barna und Markus Neumann mussten nicht lang überlegen, als sie von ihren Freunden beziehungsweise Arbeitskollegen gefragt wurden, ob sie sich den „Wüschten Vitotreibern“ anschließen wollen.

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Team unterstützt Hilfsprojekte in Bulgarien und Rumänien

Der Charity-Gedanke spielt auch in diesem Jahr bei der Europa-Orient-Rallye eine wichtige Rolle. So wollen die „Wüschten Vitotreiber“ wie schon das Team vor zwei Jahren mit Hilfsgütern das Kinderheim Kitchevo des bulgarisch-deutschen Sozialwerks St. Andreas in der Nähe von Varna ansteuern. „Gebraucht werden zum Beispiel Spiel- und Sportgeräte, Kinderrucksäcke, Farb- und Wachsmalstifte sowie Hygieneartikel aller Art“, teilt Lars Schöckel mit.

Männer transportieren Geräte für Kindertagesstätte

Außerdem will das Team für eine Kindertagesstätte der Pater-Berno-Stiftung aus Meckenbeuren im rumänischen Temesvar in erster Linie Küchengeräte transportieren. „Eine fast neue Gastro-Spülmaschine wurde uns schon gespendet.“ Wer aktuell die Zeit zu Hause nutze, um seinen Keller aufzuräumen, könne an die Hilfsprojekte der Rallye-Fahrer denken. „Aber wir sind nur an funktionsfähigen Geräten interessiert“, stellt Schöckel klar.

Kunstprojekt „Nur volle Löffel machen satt“

Gesammelt werden vom Team außerdem handsignierte Löffel für das Kunstprojekt „Nur volle Löffel machen satt“ von Uri Geller in Israel. Im Gegenzug will Geller Reis für 30 000 Mahlzeiten spenden, was 1,5 Tonnen Reis entspricht. „Verteilt wird der Reis auf die Fahrzeuge aller Rallye-Teams, die ihn zu einem Flüchtlingslager in Jordanien bringen“, berichtet Lars Schöckel.

Mit zwei Jahren TÜV kann das Team auch 2021 dabei sein

Neben dem anvisierten Abenteuer, das mit Blick auf die täglichen Veränderungen im Zuge der Corona-Krise immer unwahrscheinlicher wird, sind es die Hilfsprojekte, die die Männer bei der Stange halten. „Unser Plan B ist, die gespendeten Hilfsgüter mit unseren Vitos nach Rumänien und Bulgarien zu transportieren, wenn die Grenzen wieder geöffnet sind“, kündigt Gerhard Brugger an. Da die drei Autos nach zahlreichen Reparaturen zwei Jahre TÜV haben, stehe einer Teilnahme im kommenden Jahr nichts im Weg. „Wir sind es unseren Spendern und Sponsoren schuldig, dass wir weitermachen und zu einem guten Ergebnis kommen“, ergänzt Jan Spieler.

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Wegen der Corona-Krise steht im Moment alles still

Aktuell können die Teammitglieder aufgrund der Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus nicht mehr gemeinsam am Innenausbau ihrer drei Fahrzeuge werkeln. „Im Moment steht auch für uns alles still“, sagte Lars Schöckel am Montag.

Mitglieder brauchen noch Zeit für Installationen

Unter anderem müssten noch die Dachboxen für die Hilfsgüter, die Bordküche und die Außendusche installiert werden. „Eigentlich bräuchten wir die restlichen vier bis fünf Wochen bis zum anvisierten Start schon, um alles fertig zu bekommen.“ Realistisch betrachtet werde die Europa-Orient-Rallye in diesem Jahr wohl kaum stattfinden. „Vor einer Woche dachte ich noch anders“, so Lars Schöckel.