Warum geht man eigentlich zum Interkulturellen Stadtfest? Dafür gibt es sicherlich jede Menge Gründe. Ein Mann aus Friedrichshafens amerikanischer Partnerstadt Peoria hat eine ganz ein-leuchtende Erklärung parat: "Hier kommen so viele verschiedene Menschen zusammen, die dann entdecken, dass sie gar nicht so unterschiedlich sind", sagt Martin Morris, Dozent an der Bradley University, der schon oft im Hafen zu Gast war und derzeit eine Gruppe seiner Studenten begleitet, die während des universitären Austauschs mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg auch Land und Leute am See besser kennen lernen.

Wetter hin, Wetter her. "Ein paar Regentropfen sind jedenfalls kein Hindernis. Ich treffe immer so viele Leute und habe bei diesem Fest jedes Jahr das Gefühl, dass ganz Friedrichshafen samt aller Touristen auf den Beinen ist", sagt auch die Häflerin Johanna Jaoutzis. Kulturelle Abwechslung und Vielfalt war auf den beiden Aktionsbühnen an der Musikmuschel und beim Gondelhafen reichlich geboten. Zum Beispiel chinesi-sche traditionelle Trachten, brasilianische Samba, serbische oder bolivische Tänze – auch Tempel-Tänzerinnen, eine Djembe-Trommelgruppe, Swing-Latino, russische Folklore oder eine interkulturelle Hip-Hop-Formation. Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland oder der lukanische Kulturverein und viele andere Vereine waren mit von der Partie. Bei Percussion, Gesang und Tanz aus dem Senegal, Kamerun, Gambia, Südafrika und bei vielem mehr stieg das Gute-Laune-Barometer auch bei wech-selhaften äußeren Bedingungen an.
 

Das Video zum interkulturellen Stadtfest in Friedrichshafen

Moderiert wurden die Auftritte von Sabrina Weber, Dieter Stauber und Teresa Brandau López – natürlich auch im Gedenken an ihren vor wenigen Monaten verstorbenen Vater José Brandau Lopez, der viele Jahre an gleicher Stelle gestanden war. Dass auch Kinder und Jugendliche auf ihre Kosten kamen, dafür sorgten Spiele und Aktivitäten in Zusammenarbeit mit der Europaklasse des Instituts für Soziale Berufe aus Ravensburg, und wie immer auch die mobilen Werkstätten des Jugendzentrums Molke, in denen man basteln, schnippeln und werkeln – und sich mit leckeren alkoholfreien Cocktails stärken durfte.



Neuer Name, neues Logo: Zum 25-jährigen Jubiläum ist aus dem Internationalen Stadtfest das Interkulturelle Stadtfest geworden. Aus heutiger Sicht kaum zu glauben, dass dieses Fest in den Anfangsjahren als "Tag des ausländischen Mitbürgers" aus der Taufe gehoben wurde. Initiator war damals Luigi Abate vom Lukanischen Kulturverein – darauf wies Bürgermeister Andreas Köster bei der offiziellen Eröffnung am Samstagmittag hin. Wenn sich seither auch konzeptionell vieles geändert haben mag, so ist eines doch gleichgeblieben: "Das Interkulturelle Stadtfest baut Brücken zwischen den Menschen", betonte Köster. "Und es ist längst zu einem wichtigen Ereignis im Jahreskalender der Stadt geworden."

Zurück zum turbulenten Geschehen an der Uferstraße. Zum allerersten Mal ist Johannes Günther, ein Eriskircher, den es aus beruflichen Gründen nach München verschlagen hat – zum Interkulturellen Stadtfest gekommen. Und er hat seine Frau Sonja, seine Mutter Ulrike und seine Oma Christa mitgebracht. "Tolle Idee. Man sieht, dass alle ihren Spaß haben", sind sie sich einig, lassen sich exotische Leckereien schmecken und genießen das internationale Flair.

Von Baklava bis Wareniki: So schmeckte das Interkulturelle Stadtfest

Wer es am Samstagnachmittag auf das 25. Interkulturelle Stadtfest geschafft hat, hatte Glück. Nach dem Regen am Morgen lachte mittags wieder die Sonne. Von den 33 Ständen der 30 Nationen wehten verlockende Düfte um die Nase, dieselben Vereine wie letztes Jahr, nur die Portugiesen und Eritreer waren nicht mehr dabei. Und all die Köstlichkeiten gab es zu kleinen Preisen. Lahmacun, Döner und Börek sind seit Jahren bekannte und begehrte türkische Speisen, die türkische Essenskultur war gleich fünffach vertreten. Und dort kam man auch an dem köstlichen Kleingebäck wie Baklava, Spritzkuchen oder Walnussküchlein nicht vorbei. Pizza und Pasta oder Tapas und Tortillas sind längst Nichts Neues mehr. Auch die thailändischen Gerichte gehören schon zum Friedrichshafener Alltag. Doch wie ist es mit russischer, äthiopischer oder philippinischer Küche? Am Stand der Russen gaben die gut gelaunten Frauen nicht nur Wareniki, Pelmeni oder Pirog (unterschiedlich gefüllte Teigtaschen) aus, sondern pflegten auch ihre Tradition. Sie trugen bunte Schürzen mit Babuschka-(Oma) und Matrjoschka-(Holzpuppen)Motiven und "Kokoshniks", festlich anmutende Kopfbedeckungen. Kaum zu glauben, dass diese nur bei der Hausarbeit aufgesetzt werden.

"Stoßweise geht ein Teller – Gemüse und Rindfleisch mit Fladenbrot – nach dem anderen über die Theke, letztes Jahr war trotzdem mehr los, vermutlich wegen des Wetters", erfuhr man am Stand der Äthiopienhilfe. Schlange stehen musste man vor der Bude des Harmonika-Orchesters Fischbach. Den köstlichen Waffeln konnte man einfach nicht widerstehen.

Heiß begehrt waren auch die Cevapcici der Kroaten und Serben. Der Verein "Alegria Brasileira" und der Deutsch-Thailändische Freundeskreis vermittelten Lebensfreude mit exotischen Cocktails. Beim Essen ergab sich dann der eine oder andere fröhliche Austausch. Und wer am Samstag gerne noch mehr gekostet hätte, es aber nicht mehr schaffte, der tröstete sich: "Morgen ist auch noch ein Tag." (bra)