Gestern hat die Chefetage den Mitarbeitern des Bodensee-Airports ein neues Tarifangebot unterbreitet. Das bestätigt Andreas Schackert von Verdi. „Das ist besser als das erste, aber weiterhin ziemlich dünn“, kommentiert der Gewerkschaftssekretär das Papier. Was genau darin steht, wollte er heute auf Nachfrage nicht sagen. Auch die Geschäftsleitung verweist auf die vereinbarte Vertraulichkeit.

Vorstellungen liegen weit auseinander

Die Belegschaft fordert höhere Löhne – unabhängig vom Wirtschaftsergebnis des Flughafens. Zuletzt wurden jeweils zwei Euro mehr pro Stunde in diesem und im nächsten Jahr verlangt. Der Betreiber des Flughafens hatte nach Angaben der Gewerkschaft für 2020 eine Einmalzahlung von 0,5 Prozent und Erhöhungen von insgesamt 1,25 Prozent bis 2021 angeboten. Weil die Verhandlungen aus Sicht der Belegschaft ohne Erfolg verliefen, rief Verdi am 21. Januar zum Warnstreik auf. Drei Flüge fielen deswegen aus oder mussten umgeleitet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Für den Flughafen sind die Forderungen von Verdi allerdings nach wie vor nicht darstellbar. Die würden ab 2021 zu jährlichen Kostensteigerungen von rund 650.000 Euro führen, was „mit Blick auf den engen finanziellen Spielraum des Flughafens„ nicht zu finanzieren sei, erklärt Pressesprecher Andreas Humer-Hager.

Belegschaft entscheidet über weitere Schritte

Ob es zu weiteren Streiks am Flughafen kommt, konnte Andreas Schackert gestern nicht sagen: „Möglich ist alles.“ Das hänge davon ab, wie die Mitarbeiter das neue Tarifangebot einschätzen. Deshalb stünden Gespräche mit der Belegschaft vor einer Entscheidung der Tarifkommission, so Schackert. Für den 13. Februar ist die nächste Verhandlungsrunde angesetzt.

DGB unterstützt Tarifforderungen der Mitarbeiter

Inzwischen unterstützt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Forderungen der Flughafen-Mitarbeiter. In einer Pressemitteilung erklärt der Südwürttemberger Regionalsekretär Frank Kappenberger, dass in Friedrichshafen das Gehalt eines Sicherheitsmitarbeiters im ersten Jahr nur marginal über dem gesetzlichen Mindestlohn liege. Deshalb seien Forderungen nach mindestens zwei Euro mehr pro Stunde berechtigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Angabe sei eine „Falschmeldung“, moniert Flughafen-Chef Claus-Dieter Wehr und fordert eine Korrektur vom DGB. Inklusive aller Zulagen, Zuschläge und Sonderzahlungen hätte ein Neueinsteiger beim üblichen Beschäftigungsprofil am Häfler Flughafen einen Stundenlohn von 15,10 Euro, was deutlich über dem Mindestlohn von derzeit 9,35 Euro liege. Allerdings beschäftige der Flughafen derzeit nur Mitarbeiter mit mindestens dreijähriger Beschäftigung, die so auf einen Stundenlohn von 17,76 Euro kämen.

Klares Bekenntnis zum Flughafen gefordert

Dafür unterstützt Wehr die DGB-Forderung an die Politik, ein klares Bekenntnis zum Flughafen abzugeben, selbst wenn es ein Zuschussgeschäft bliebe. An der Notwendigkeit des Flughafens für die Wirtschaftsregion Bodensee habe der DGB „keinen Zweifel“. Deshalb sei das gerade ein Argument dafür, auf die Forderungen der Gewerkschaft einzugehen „und somit weitere Streiks zu vermeiden“, erklärte Kappenberger.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €