Für Menschen, die sich in Friedrichshafen ehrenamtlich oder beruflich für geflüchtete Menschen einsetzen, begann das Kulturufer schon einen Tag früher: Die Stadtverwaltung hat sie als Zeichen des Danks am Donnerstag zu einer Sonderaufführung der Kibbutz Contemporary Dance Company 2 aus Israel ins große Zelt eingeladen. Jener Compagnie, die am heutigen Freitag fürs zahlende Publikum erneut auftritt.

Bürgermeister Andreas Köster erinnerte in seiner Rede an die Spitzen der Flüchtlingswelle, als monatlich zwischen 450 und 500 Menschen in den Bodenseekreis kamen, die nicht nur eine Unterkunft brauchten, sondern auch Betreuung und Zuspruch. "Da passierte etwas, das mich immer noch überrascht: nämlich Sie", wandte sich Köster an die Anwesenden. "Was Sie mit Menschlichkeit, Fürsorge und Nächstenliebe getan haben, ist nicht aufzuwiegen", sagte Köster weiter. Das Engagement habe auch zum sozialen Frieden in Friedrichshafen beigetragen.

Von Miteinander geprägt, nicht nur auf der Bühne, war dann auch der Tanz: Die Compagnie holte Zuschauer zum Tanz ins Scheinwerferlicht und ihre Mitglieder verteilten sich in der Manege, um das Publikum reihenweise mit Bewegungen und Gesten zu dirigieren und es so zur Tanzgruppe zu verwandeln.

Das einstündige Programm "First of all stories" von Compagnieleiter Rami Be'er ist eine lose Szenenfolge, teilweise mit burlesken Elementen. Allein schon das Requisit des Melonenhuts erinnert an Cabaret und Varieté. Hinzu kommt eine Bewegungssprache, die sehr direkt die Rhythmik der eingesetzten Musik umsetzt. Oft scheuen Choreographen genau dies, weil sie den Vorwurf fürchten, der Tanz "illustriere" die Musik lediglich; so entsteht dann manche Kopfgeburt, die auch ohne Musik getanzt werden könnte, mit der sie wenig zu tun hat.

Rami Be'er und seiner Compagnie geschieht dies nicht. Wie Bäume, die Stürme in alle Himmelsrichtungen zerren, krümmen sie sich zu immer energischer und dichter werdenden Streicherklängen. In einer Art Kampfsporttanz werden Arme und Beine zu sensenspitzen Waffen; zugleich macht diese Aggression den Eindruck einer spirituellen Lehre, weil sie mit Momenten des Stillstands verbunden wird, in denen die Tänzer in sich gekehrt wirken. Dann wieder wird die angewinkelte Wade eines halb kauernden Tänzers einem zweiten zur Treppenstufe, die er erklimmt und über den Rücken des Kauernden hinwegrennt.

Im Kern dieses Tanzes steht aber ein weitausgreifender Bewegungsverlauf, oftmals breitbeinig und damit an afrikanische Tänze erinnert. Dieses geerdete Element kommt auch in einem wunderschönen Paartanz zum Tragen, der ansonsten nach Höhe und Leichtigkeit strebt. Diese Körper haben ein Kraftzentrum, durch die der Tanz nie zu ätherisch wird, wie überhaupt die Körperlichkeit nicht geleugnet werden soll: Das beginnt bei den Kostümen, die nicht elegant sein wollen, sondern zwischen Zirkus und Folklore angesiedelt sind, geht übers Barfüßige und reicht bis zu den ausgesprochen langhaarigen Frisuren. Dieses Kraftzentrum windet und schleudert seine Energie durch den Körper, der den Impulsen nicht in einer fließenden Bewegung nachkommt, sondern von Kopf bis Fuß von ihnen durchfahren wird. Auch dass viel gelaufen, auf der Stelle gerannt wird, fügt sich in den ungezierten Charakter dieses Tanzes. Bisweilen wirkt die Compagnie wie frisch auf die Welt geworfene Wesen, die zu skurrilen Bewegungsabläufen noch fähig sind, weil keine Konvention sie lähmt. Eine "Geschichte", von der die Choreographie in ihrem Titel "First of all stories" spricht, lässt sich zwar nicht ausmachen. Aber den Reiz des Anfangs, der darin ebenfalls anklingt, nimmt man der jungen Truppe völlig ab.