Friedrichshafen – Das millionenschwere T-City-Projekt Friedrichshafens ist bald endgültig Geschichte. Zum 30. Juni wird die städtische Internet-Tochter FN-Dienste als letzter Baustein des Projekts aufgelöst. Dank T-City verfügt die Zeppelinstadt heute über ein gutes Breitbandnetz. "Unsere Stadt bekam eine nahezu flächendeckende Breitbandversorgung. Ohne T-City würden wir noch heute darauf warten", zieht Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand auf Anfrage des SÜDKURIER eine positive Bilanz. Er gesteht aber auch ein, dass es nicht wirklich gelungen sei, "alle Bürger mit T-City zu erreichen oder sie gar zu begeistern. Da hat sich schnell gezeigt, dass das Gesamtprojekt viel zu erklärungsbedürftig war."

Im Stadtgebiet von Friedrichshafen wurden dank T-City 120 Kilometer an Glasfaser verlegt. "Auch wenn die Breitbandversorgung nicht flächendeckend ist, liegen wir bei der Verfügbarkeit im gesamten Stadtgebiet bei mehr als 95 Prozent. Im deutschlandweiten Vergleich ein Spitzenwert – auch wenn die 100 Prozent nicht erreicht wurden", sagt der Häfler OB. Auch das Stadtwerk am See konnte aus dem Projekt Nutzen ziehen. 2000 Stromzähler wurden so ausgerüstet, dass Daten ausgelesen werden können, schildert Alfred Müllner, Geschäftsführer des Stadtwerks. Der Stromverbrauch könnte auf Basis dieser Daten für beide Seiten, Verbraucher und Energieanbieter, effizient gesteuert werden. Hinderlich sei zurzeit, dass es für den Verbraucher keinen geldwerten Vorteil bringt, wenn er beispielsweise seine Waschmaschine nachts während der Schwachlastzeit laufen lässt. Dennoch ist Müllner froh, dass es das T-City-Projekt gab. So hätten wichtige Erfahrungen gesammelt werden können. Die jetzt zu erwartenden bundesweit geltenden gesetzlichen Auflagen zur Datensicherheit beim Auslesen der Zähler-Daten könnten schnell umgesetzt werden , ist sich Müllner sicher.

OB Brand weist darauf hin, dass die Telekom und die Stadt im T-City-Projekt einige beispielhafte Lösungen entwickeln konnten. Er nennt das Mobilitätsprojekt Emma. Mit E-Autos werden die Angebote des Öffentlichen Nahverkehrs erweitert. "Wegweisend sind wir sicherlich auch mit unserem Online-Portal 'Sag’s doch', auf dem inzwischen nicht nur Ideen und Hinweise online an Stadt und Kreis gegeben werden können – mit Antwortgarantie – sondern auch Bürgerbeteiligungsprojekte online umgesetzt werden. Und dann gibt es noch die Behördenrufnummer 115. Unter dieser Nummer kann in fast ganz Deutschland die jeweilige Verwaltung erreicht werden. In Friedrichshafen wurde sie erstmals getestet und eingeführt." Und in Friedrichshafen wurde ein Online-Traukalender entwickelt. Paare können damit ein Jahr im Voraus ihren Wunschtermin und -ort für die standesamtliche Trauung in Friedrichshafen wählen. Einen solchen Traukalender nutzten inzwischen auch Städte wie Kassel oder Wiesbaden. Außerdem gebe es in Friedrichshafen seit Dezember 2013 kostenfreies WLAN an vielen Hotspots in der Innenstadt. "Und wichtig für Unternehmen und Bürger war natürlich das nahezu flächendeckende schnelle Internet, da hatten wir nicht nur in der Region die Nase vorn," so der OB.

Auf die Frage, welche Flops zu verkraften waren, antwortet der Häfler OB: "Wo Licht ist, ist auch Schatten – das war bei T-City nicht anders als bei anderen Projekten dieser Größenordnung. Die Kat-Card mit der NFC-Technologie konnte sich zum Beispiel nicht durchsetzen, am Markt kommen erst jetzt solche Technologien zum Tragen. Da waren wir vielleicht zu ambitioniert oder einfach zu früh dran." Als T-City-Stadt habe Friedrichshafen jedoch einige Innovationen früher und umfangreicher umsetzen können als vergleichbare oder größere Städte.

Das Projekt und die Stadt

Für die Stadt Friedrichshafen bedeutete das T-City-Projekt einen millionenschweren Geldsegen.

  • Im Zuge des Projekts T-City hat die Deutsche Telekom für bis zu 80 Millionen Euro die Breitbandinfrastruktur Friedrichshafens ausgebaut. Für das Verkehrsprojekt Emma wurden nach Angaben der Stadt weitere zehn Millionen Euro eingesetzt, davon vier Millionen Euro an Fördergeldern. Als die Stadt den Wettbewerb der Telekom 2007 gewann, sagte das Unternehmen zu, im Laufe von fünf Jahren in der Zeppelinstadt rund 115 Millionen Euro in Geld- und Sachleistungen zu investieren.
  • Endgültig Geschichte ist das Projekt T-City, wenn Ende Juni die FN-Dienste GmbH planmäßig aufgelöst wird. Diese GmbH wurde im Jahr 2000 als virtueller Marktplatz Region Friedrichshafen gegründet. Mit dem Gewinn des T-City-Wettbewerbs firmierte die GmbH im Jahr 2007 in FN-Dienste GmbH um und koordinierte als 100-prozentige Tochter der Stadt Projekte im Bereich moderner Informationstechnik. Die FN-Dienste waren auch für die Internet-Auftritte der Stadt zuständig.
  • In Friedrichshafen wurde dank T-City die Digitalisierung und die Nutzung von IT-Infrastruktur vorangetrieben. Und die Stadt wurde national und international als innovativer Wirtschaftsstandort wahrgenommen, wie OB Brand sagt. (dim)