Ganz sanft setzt Flugkapitän Gerhard Müller am Dienstag um 8.45 Uhr den Dornier-Jet DO 328 in Toulouse auf die Landebahn. Trotz Gegenwind mit 150 Stundenkilometern hat der Flug in die französische Großstadt nahe der spanischen Grenze nur eindreiviertel Stunden gedauert.

Hauptinitiator war Airbus

Neben Vertretern der Luftfahrtindustrie und der Presse waren zum Erstflug der Sun-Air in die „europäische Hauptstadt der Luftfahrt“ mit Sitz von Airbus bereits 17 zahlende Passagiere an Bord. „Wir haben lange auf diese Route hingearbeitet, um die beiden Luftfahrtstandorte Friedrichshafen und Toulouse miteinander zu verbinden“, sagt Bernd Behrend, Marketing-Manager der Sun-Air. Hauptinitiator sei dabei Airbus gewesen.

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Wie wichtig dieser Flug, der zunächst dreimal die Woche die beiden Städte miteinander verbindet, für die Industrie in der Region ist, bestätigt Brigitte Höschele von Liebherr Aerospace in Lindenberg. „Meine Kollegen freuen sich, dass sie nicht mehr nach München müssen, um zu unserem Standort in Toulouse zu fliegen“, sagt sie. Die Kundendienstmitarbeiterin, die in ihrer Firma die Flüge bucht, beobachtet eine stetige Zunahme von Geschäftsreisen. „Ich denke, dass wir jährlich 150 bis 180 Flüge nach Toulouse buchen werden.“ Höschele spricht von einer großen Erleichterung für ihre Mitarbeiter.

Sie freuen sich über die neue Flugverbindung: Bernd Behrend (Marketing Manager Sun-Air), Andreas Humer-Hager vom Bodensee-Airport Friedrichshafen, Flugkapitän Gerhard Müller, Co-Pilot Pascal Mangone und Flugbegleiterin Gesine Schuhriemen.
Sie freuen sich über die neue Flugverbindung: Bernd Behrend (Marketing Manager Sun-Air), Andreas Humer-Hager vom Bodensee-Airport Friedrichshafen, Flugkapitän Gerhard Müller, Co-Pilot Pascal Mangone und Flugbegleiterin Gesine Schuhriemen. | Bild: Anette Bengelsdorf

Sun-Air setzt auf Flüge für die Industrie

Dass Sun-Air mit den Flügen für die Industrie aufs richtige Pferd setzt, bestätigt Bernd Behrend: „Insgesamt haben sich die beiden Flüge nach Hamburg und Düsseldorf sehr positiv entwickelt.“ Zwar seien sie saisonalen Schwankungen ausgesetzt – in der Urlaubszeit wurden ein paar Flüge herausgenommen – doch für den Herbst sei wieder alles gut gebucht. Während Düsseldorf in erster Linie von Geschäftsreisenden angeflogen wird, profitiert die Hamburg-Verbindung auch von touristischem Verkehr. Doch für einen Ferienflieger ist die DO 328 mit ihren 32 Sitzen zu klein und die Preise deshalb zu hoch. Da Pendler ihre Sitzplätze bereits ein halbes Jahr im Voraus buchen, sind kurzfristig geplante Flüge zu teuer, um für Touristen attraktiv zu sein.

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Berlin ganz oben auf Wunschliste

Ganz oben auf der Wunschliste vieler Unternehmer, sagt Behrend, stehe tatsächlich Berlin. Doch sei es sehr schwer auf dem Flughafen Tegel einen „Slot“, also ein Zeitfenster für den An- und Abflug einer Maschine, zu bekommen. Die Flughafengebühr sei sehr hoch und eine Maschine zu parken kaum möglich. „Berlin ist eher ein Markt für die Masse“, sagt er. Dazu müsse man jedoch billigere Flüge anbieten, was mit der kleinen DO 328 nicht möglich ist.

„Friedrichshafen ist mit anderen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen und deshalb ein guter Markt für Business-Flüge.“
Bernd Behrend, Marketing-Manager Sun-Air

Insgesamt zeigt sich der Marketing-Manager der Sun-Air mit dem Geschäft am Bodensee zufrieden. „Friedrichshafen ist mit anderen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen und deshalb ein guter Markt für Business-Flüge.“ Praktisch eine Nische, die es zu erhalten gilt. „Wird ein Flughafen zu groß, läuft er Gefahr, dass sich eine große Airline ansiedelt und die kleinen verdrängt“, weiß er. Zieht sich diese wieder zurück, bleibt eine Wüste, die es wieder aufzuforsten gilt.

Germania-Insolvenz hinterließ ein Loch

Ein Zustand, den der Bodensee-Airport seit der Germania-Insolvenz im April dieses Jahres durchlebt. „Das hat uns sehr zurückgeworfen“, gibt Andreas Humer-Hager zu. Er ist Leiter Marketing und Kommunikation der Flughafen Friedrichshafen GmbH. Die Planung sah bereits vor, ein zweites Flugzeug in Friedrichshafen zu stationieren, um ein großes touristisches Netzwerk zu bedienen. Man sei dabei, die Touristikflüge wieder aufzubauen und führe bereits viele Gespräche und Verhandlungen. Aber: „Das dauert.“

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Flughafen als Standortfaktor

Vom Vorschlag der Grünen-Fraktion im Gemeinderat, den Flughafen in ein Wohngebiet umzuwandeln, hält Humer-Hager deshalb nichts. „Der Flughafen ist ein wichtiger Standortfaktor für die Wirtschaft und bietet darüber hinaus 700 Arbeitsplätze.“ Viermal täglich stelle die Lufthansa den Anschluss an den weltweiten Flugverkehr sicher, auch Turkish Airlines garantiere mit seinen Flügen nach Istanbul eine Anbindung an eine der wichtigsten Drehscheiben des internationalen Luftreiseverkehrs.