Wer in diesen Tagen zwischen Ulm und Friedrichshafen oder auf der Strecke der Bodenseegürtelbahn unterwegs ist, sollte ein bisschen mehr Zeit einplanen. Wegen der Arbeiten zur Elektrifizierung der Südbahn ist seit Montag die Strecke zwischen Ulm und Laupheim gesperrt, ein Schienenersatzverkehr ist eingerichtet. Die erste Bauphase dauert nach Angaben der Bahn bis Freitag, 21. Dezember 2018.

Bahnfahrer brauchen derzeit starke Nerven. Verspätungen und Zugausfälle sind wie hier am Montagnachmittag in Friedrichshafen an der Tagesordnung.
Bahnfahrer brauchen derzeit starke Nerven. Verspätungen und Zugausfälle sind wie hier am Montagnachmittag in Friedrichshafen an der Tagesordnung. | Bild: Mommsen, Kerstin

Das müssen Sie dazu wissen:

  • Interregio-Express (IRE)-Verbindungen: IRE-Züge fahren zwischen Stuttgart über Ulm nach Neu-Ulm. Ab Neu-Ulm haben Reisende Anschluss an die Schnellbusse (ohne Halt) nach Laupheim und zur Weiterfahrt mit den Regionalbahnen über Aulendorf nach Friedrichshafen. Die Busse fahren auch in die Gegenrichtung. Eine Fahrradmitnahme ist in den Ersatzbussen nicht möglich.
  • Regional-Express (RE)-Verbindungen: Die RE-Züge Laupheim West-Friedrichshafen-Lindau verkehren planmäßig.
  • Regionalbahn (RB)-Verbindungen: Die Verbindungen zwischen Ulm, Laupheim und Aulendorf entfallen. Zwischen Aulendorf und Laupheim West fahren stündlich Ersatzzüge.
  • Zeitverlust: Pendler sollten 45 Minuten mehr einplanen. Bei Fernverbindungen kann der Reisezeitverlust nach Angaben der Bahn bei einer Stunde liegen.
  • Informationen: Die DB empfiehlt Fahrgästen, sich mittels Echtzeitinformationen in der Reiseauskunft auf m.bahn.de, in der DB Navigator-App und bei www.bahn.de/Reiseauskunft zu informieren.

Aber auch Bahnreisende, die auf der Bodenseegürtelbahn, die ab Singen zur Hochrheinstrecke wird, unterwegs sind, klagen über unzumutbare Verhältnisse. Immer wieder kommt es zu technischen Problemen oder gravierenden Verspätungen. Am Montag fiel etwa der Zug um 15.13 Uhr von Friedrichshafen in Richtung Basel ganz aus – in der Deutschen Bahn App war bis kurz vor der Abfahrt dieser Zugausfall nicht einmal vermerkt.

Lukas Reinhardt, Volontär beim SÜDKURIER, fährt die Strecke zwischen Friedrichshafen und Bad Säckingen regelmäßig und hat selbst erlebt, warum Vielfahrer massiv überladene Waggons beklagen oder die Züge gar als „menschliche Viehtransporte“ bezeichnen. Als er sonntags am Friedrichshafener Stadtbahnhof stand, um den Interregio in Richtung Basel zu nehmen, näherte sich ein einzelner Triebwagen. "Als sich die Türen öffneten, stieg niemand aus, aber viele ein", beschreibt Reinhardt die Situation. Er schaffte es als einer der Letzten in den Zug. "Doch bereits auf der zweiten Stufe war Schluss: Dicht nebeneinander standen die Passagiere im Fahrzeuginneren – Haut an Haut. Es herrschte Enge, Schwüle, Unmut. Ich machte kehrt und stieg aus", so Lukas Reinhardt. Zwei Stunden lang wartete er auf die nächste Bahn, diesmal kam der Zug mit zwei Triebwagen, also etwas mehr Plätzen.

Platz blieb dennoch Mangelware: Mütter mit Kleinkindern mussten stehen, Senioren waren auf freundliche Sitzplatzangebote der Mitreisenden angewiesen, und die trotz aller Umstände überaus freundliche Zugbegleiterin schob sich nur mit Mühe durch die von Mensch und Gepäck verstopften Gänge. Und dieses Bild ist kein einmaliges.

Das könnte Sie auch interessieren

Erst im April hatte die DB Regio nach monatelanger Kritik der Bahnnutzer verkündet, dass alles besser laufe. "94 Prozent der Züge auf der Bodenseegürtelbahn halten mit bis zu fünf Minuten Verspätung wieder den Fahrplan ein", erklärte Martin Selig, Regionalleiter Produktion bei der DB Regio damals. Zudem seien 99 Prozent der vom Land bestellten Züge wieder mit zwei Waggons ausgestattet und böten damit deutlich mehr Sitzplätze, so Selig weiter.

Das könnte Sie auch interessieren

Verkehrsminister Winfried Hermann hatte Ende Januar einen Zwei-Stufen-Plan bekannt gegeben. Der hatte zum Ziel, die schlechte Betriebsqualität auf der Bodenseegürtelbahn nachhaltig zu verbessern.

Ab Anfang 2019 sollen demnach ab 2019 fünf neue Triebwagen auf dem Abschnitt Friedrichshafen–Radolfzell zum Einsatz kommen. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn antwortete auf Nachfrage des SÜDKURIER, dass die Situation für Pendler und Urlauber an Bodensee und Hochrhein derzeit unbefriedigend sei. "Schritt für Schritt werden die eingeleiteten Maßnahmen zur Verbesserung des Fahrzeugangebotes für die Kunden aber spürbar sein", so die Sprecherin. Hintergrund der aktuellen Probleme sei der Ersatz der Neigetechnikfahrzeuge der Baureihe VT 611 durch die modernere Baureihe VT 612. "Grund für die Störungen sind Schäden, die während längerer Abstellzeiten an Motoren, Verkabelungen, Türen und Kupplungen der Fahrzeuge entstanden sind. Zusätzliches Personal arbeitet mit Hochdruck in der Regio-Werkstatt in Ulm an der Beseitigung der Schäden an den Zügen", so die Bahn-Sprecherin.

Die selbst betroffene Zugbegleiterin hatte eine andere Möglichkeit parat: Doppelstockwagen seien die Lösung, sagte sie mit einem freundlichen Lächeln. Die technischen Voraussetzungen dafür seien vorhanden, schob sie hinterher. Eines steht jedenfalls fest: Die Deutsche Bahn muss auf der Strecke deutlich mehr Platz für ihre Passagiere schaffen.