So schön das Strandbadgelände mit seinem alten Baumbestand und den großen Liegeflächen ist: Menschen, die beispielsweise auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, können am Badevergnügen nicht teilhaben. Die Infrastruktur im Bad stammt noch aus Zeiten, in denen man auf barrierefreie Zugänge nicht geachtet hat. Nun will die Stadtverwaltung nachbessern. Der Finanz- und Verwaltungsausschuss hat gestern die Verwaltung beauftragt, die Fachplanung für ein „möglichst barrierefreies Strandbad“ in die Wege zu leiten.

Im Häfler Strandbad, das dieses Jahr 127 385 Gäste besuchten, gelangt man derzeit über eine breite Treppe mit Geländer in den Bodensee. Vom Badesteg führen steile Treppen nach unten. Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen stellen diese Zugänge unüberwindbare Hindernisse dar. Mehr noch: Nicht einmal ein befestigter Weg führt Richtung Seeufer. Wer dorthin gelangen will, muss über den Rasen. Ist das Erdreich durch Regen weich geworden, kann das Areal für einen Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen schon unpassierbar sein. Auch Duschen, Sanitärräume und Umkleiden sind nicht barrierefrei oder nur schwer erreichbar. Zum Teil gibt es Absätze oder Stufen, zum Teil Rampen, die aber viel zu steil sind. Kurz: Es besteht Handlungsbedarf.

Vorstellbar ist ein Seezugang mittels einer Rampe oder eines Lifts. Letztere Lösung gebe es schon am Radolfzeller Seeufer, eine befahrbare, 50 Meter lange Rampe beispielsweise am Kulkwitzer See südwestlich von Leipzig, präsentierte Bertram Dorner, Leiter der Häfler Bäder, die Alternativen. Im Vorfeld hatten die Mitglieder des Arbeitskreises Barrierefrei Vorschläge eingebracht. Auch Grüne und FDP hatten schon Initiativen zu dem Thema gestartet. Bei der Diskussion unter den Ausschussmitgliedern stellte sich die Rampenlösung als eindeutiger Favorit heraus. „Bei einer Rampe ist eine Mehrfachnutzung möglich“, argumentierte Sylvia Hiß-Petrowitz (ÖDP). Nicht nur Rollstuhlfahrer könnten sie nutzen. Auch Bernhard Leins und Eberhard Ortlieb (beide Freie Wähler) sowie Gaby Lamparsky (FDP) sehen darin eine flexiblere Lösung als bei einem Lift.

Die Baukosten einer Rampe veranschlagt die Verwaltung auf bis zu 350 000 Euro. Der unterschiedliche Wasserstand des Bodensees und eventuelle Altlasten stellen unbekannte Faktoren dar. Dazu kommen Planungskosten in Höhe von 75 000 Euro. In einer ersten Planungsphase werden etwa 30 000 Euro ausgegeben.

Mit 6000 Euro vergleichsweise günstig fällt die Umgestaltung von Toiletten und Duschen aus. Das könne man bis zur neuen Badesaison erledigen, ist sich Bäder-Chef Bertram Dorner sicher. Ob es bis dahin auch für eine Rampe reicht, ist hingegen fraglich. Dorner geht eher davon aus, dass es damit wohl bis 2018 dauert. Eher bescheiden fallen die bisher erledigten Verbesserungen in Sachen Barrierefreiheit im Strandbad aus: Die Markierungen für die Behindertenparkplätze wurden erneuert, die Rampe am Gebäude verbessert.

Wichtiges Detail am Rande: Das Seebad Fischbach, das gerade neu gebaut wird, soll im Freibadbereich barrierefrei werden, es ist aber kein behindertengerechter Seezugang geplant. „Das muss man erst einmal verdauen“, sagte Achim Brotzer (CDU). Bei dem sandigen Untergrund sei ein barrierefreier Zugang wohl schwierig, dennoch solle man Menschen mit Handicap in Fischbach einen Zugang zum Bodensee ermöglichen, so Brotzer. Er brachte spezielle geländegängige Strandrollis ins Spiel, wie sie in Nord- und Ostseebädern schon im Einsatz sind.

Barrierefreies Baden

Wellenbad Ailingen: Es ist so ausgestattet, dass speziell Rollstuhlfahrer die Einrichtungen gut nutzen können. Am Schwimmbecken gibt es einen Lift. „Als komplett barrierefrei kann das Wellenbad jedoch nicht bezeichnet werden“, so die Verwaltung.

Neubauten Sportbad und See- und Freibad Fischbach: Beide Einrichtungen sind laut Verwaltung „weitgehend barrierefrei“ konzipiert. Die Zugänge zu Bad, Sauna und Gastronomie seien im Sportbad problemlos möglich. Das See- und Freibad Fischbach ist barrierefrei konzipiert – bis auf einen Bereich: der Seezugang. Hier ist kein Lift oder Rampe vorgesehen. (asa)