Wenn sich 1800 Gäste im Foyer der Messe drängen, dann ist IBO-Night. Ob der Eröffnungsabend der „Mutter aller Messen“ in Friedrichshafen bei seiner Premiere vor 68 Jahren auch so gefeiert wurde, wissen wohl nur die ganz „alten Hasen“, wie Oberbürgermeister Andreas Brand in seiner Begrüßung andeutete. Aber es gehört seit Jahrzehnten zur Tradition, dass die Messemacher am Vorabend des ersten Messetages zu diesem gesellschaftlichen Event einladen.

Dabei ist die Frage, die Andreas Brand stellte, durchaus berechtigt: Haben Messen Zukunft, eine Perspektive im Zeitalter des Internets? „Messen sind immer ein Marktplatz der Menschen“, sagte er – ein Ort zum Anschauen, miteinander reden, etwas fühlen und natürlich zum Kaufen. „Kaufen Sie, was das Herz begehrt und der Geldbeutel zulässt“, warb der Oberbürgermeister für eine Verbrauchermesse, die heute so aktuell ist wie vor 68 Jahren, auch wenn sie sich dem Zeitgeist immer wieder angepasst hat.

Vermutlich hätte Messe-Geschäftsführer Klaus Wellmann als Redner im Anschluss auf der Bühne in der großen Rothaushalle noch viel detaillierter Werbung für das Messe-Quartett machen können und wollen. Allein: Ihm versagte die Stimme ihren Dienst. So war es an IBO-Projektleiter Rolf Hofer, sich bei seinem Messeteam und den vielen Ausstellern zu bedanken, die in beeindruckender Manier binnen weniger Tage IBO-Atmosphäre in die zehn Messehallen gebaut haben.

Und so ging der Abend fast nahtlos in die entscheidende Runde: In der einen Ecke Henry Maske, früherer Box-Weltmeister im Halbschwergewicht und heutiger Unternehmer; in der anderen Wolfgang Bosbach, der nach den Worten von Moderatorin Chrissie Weiß dreifach kampferprobt ist – als Jurist für Gerechtigkeit, als Politiker in der eigenen Partei und als Mensch gegen eine schwere Krankheit. Im Dreiergespräch auf der Bühne lief der profilierte CDU-Bundestagsabgeordnete dem zu seiner aktiven Zeit als „Gentlemen im Ring“ berühmt gewordenen Boxer klar den Rang ab. Wolfgang Bosbach, sechs Mal als Direktkandidat in seinem Wahlkreis in den Bundestag gewählt, tritt im September nicht mehr an.

Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, obwohl er sein Leben nach wie vor so lebe, wie er es wolle. Dem an Krebs erkrankten Politiker wurde vor kurzem ein Teil der Lunge entfernt. Der 64-Jährige hat kein Problem damit, Merkels Quälgeist zu sein, wie ein deutsches Magazin unlängst titelte. „Es gibt pflegeleichtere Abgeordnete als mich“, erklärte Wolfgang Bosbach schmunzelnd, was aber auch nicht sein Job sei. Er vertrete Positionen, „die früher auch mal die der CDU waren, heute nicht mehr“.

Dann gebe er lieber sein Amt ab als seine Überzeugung. Henry Maske räumte dafür mit der Mär auf, er sei ein defensiver Boxer gewesen. Im Gegenteil: Er habe seine Gegner ständig unter Druck gesetzt. Warum er zehn Jahre nach Karriere-Ende und dem letzten, einzig verlorenen Profikampf 2007 noch mal gegen seinen Bezwinger Virgil Hill in den Ring stieg, erklärte Maske schlicht damit, dass ihn sein Gegner beeindruckt habe, als er 2006 noch mal Weltmeister wurde.

Heute ist Henry Maske als Franchise-Unternehmer für Mc Donalds unterwegs und verkauft Burger, die seiner Meinung nach zeitgemäßer denn je seien. Womit sich der Kreis zur IBO schloss.

Der Abend war nach dem Auftritt der Akrobaten vom Europapark Rust, die täglich zwei Mal, am Wochenende drei Mal die Messebesucher beeindrucken werden, noch längst nicht vorbei. Es war eine gute Einstimmung für fünf Messetage, an denen nicht weniger Action geboten sein wird.