Mehrere Weltrekorde hat Kai Eichler, Feuerwehrmann in der Werksfeuerwehr der MTU und in Immenstaad schon in Feuerwehrschutzkleidung aufgestellt. Jetzt plant er seinen nächsten – diesmal jedoch nicht als Einzelkämpfer. Aus dem Gedanken: "Es gibt ja noch mehr Verrückte, die schön ähnliche Sachen gemacht haben" sei in ihm die Idee entstanden, mit drei weiteren Feuerwehrleuten und Extremläufern ein gemeinsames Projekt in Angriff zu nehmen: Als Staffel-Team wollen sie jetzt vier mal 25 Kilometer in Feuerwehr-Schutzausrüstung so schnell wie möglich zurückzulegen.

Eichler hat für dieses Vorhaben auch den Friedrichshafener Feuerwehrmann David Fischinger gewonnen. Fischinger hatte am 5. Mai 2017 versucht, den von Kai Eichler am 3. Dezember aufgestellten Weltrekord über 100 Kilometer zu überbieten: "Im Training hatte ich schon 80 Kilometer in einer guten Zeit geschafft", erzählt er, "aber als es ernst wurde, ging nach 61 Kilometern einfach nichts mehr." Anschließend habe er eigentlich wenig Motivation gehabt, einen neuen Rekordversuch zu unternehmen, sagt Fischinger, "aber dann kam Kai mit seiner Idee vom kameradschaftlichen Staffellauf und wollte mich dabei haben". Kai Eichler erklärt: "David hat eine Wahnsinns-Leistung erbracht und er hat einen Wahnsinns-Willen, das finde ich toll".

Im Oktober 2017 lief Kai Eichler in 41 Stunden und 22 Minuten fast 140 Kilometer auf einem Laufband. Die Unterstützung seiner Frau Doreen (r.) und Tochter Vanessa war ihm wie immer sicher. Andreas Schell, Chef von Rolls Royce Power Systems lief auf einem zweiten Laufband mit.
Im Oktober 2017 lief Kai Eichler in 41 Stunden und 22 Minuten fast 140 Kilometer auf einem Laufband. Die Unterstützung seiner Frau Doreen (r.) und Tochter Vanessa war ihm wie immer sicher. Andreas Schell, Chef von Rolls Royce Power Systems lief auf einem zweiten Laufband mit. | Bild: Gisela Keller

Drittes Mitglied der Staffel ist der österreichische Feuerwehrmann und Ultraläufer Andreas Michalitz. Er ist Mitglied der österreichischen Ultralauf-Nationalmannschaft und hält mit 784 Kilometern in 144 Stunden und 375 Kilometern in 48 Stunden zwei Landesrekorde. Am 4. Februar 2017 stellte er Kai Eichlers 100-Kilometer-Rekord in kompletter Schutzausrüstung mit einer sensationellen Zeit von 15 Stunden und 11 Minuten ein. Vollständig wird die Staffel-Mannschaft mit Extremsportlerin und Feuerwehrfrau Stefanie Saul aus Welzheim. Sie hat ebenfalls schon mehrfach unglaubliche Ausdauer bewiesen: In Feuerwehrschutzausrüstung hat sie sogar schon 150 Kilometer in 39 Stunden zurückgelegt. "Stefanie habe ich schon persönlich bei Ultraläufen kennengelernt, an denen wir beide teilgenommen haben", erklärt Kai Eichler, "Andy Michalitz kannte ich bis jetzt nur über soziale Netzwerke und übers Telefon". Umso mehr freut es ihn, dass sie nun ein gemeinschaftliches Projekt angehen. "Es ist quasi ein Treffen der Bekloppten, bei dem es auch um die Kameradschaft in der Feuerwehr über Landesgrenzen und Städte hinweg geht", sagt Eichler schmunzelnd. Die vier wollen sich nicht nur beim Laufen ablösen und gegenseitig anfeuern, sondern 24 Stunden gemeinsam verbringen.

Der Rekordversuch soll am 17. März in Heilbronn im Rahmen eines 24-Stunden-Benefiz-Laufs stattfinden, bei dem Spenden für ein Projekt in Nepal gesammelt werden. "Da können wir das ohne zu viel organisatorischen Aufwand machen und die für den Lauf bereitgestellte Infrastruktur nutzen", erklärt Eichler. Im Oktober 2017 haben Eichler und Fischinger ihr gemeinsames Training begonnen, zusätzlich trainieren sie auch einzeln: Eichler im Immenstaader Wald, Fischinger im Seewald. Wichtiger als das Training ist Eichler aber gerade etwas ganz anderes: In den nächsten Tagen soll sein zweites Enkelkind zur Welt kommen.

 

Bisherige Rekorde:

Am 2. und 3. Dezember 2016 gelang Eichler sein dritter Versuch, in seiner mehr als 23 Kilogramm schweren Feuerwehrschutzausrüstung inklusive Helm, Feuerwehrstiefeln an den Füßen, Atemschutzgerät auf dem Rücken und Beil und Atemschutzmaske am Gürtel 100 Kilometer in weniger als 24 Stunden zu laufen: Er benötigte 22 Stunden, 55 Minuten und 6 Sekunden. Diese Leistung erkannte das Rekordinstitut Deutschland (RID) als Weltrekord an.

Am 3. Dezember 2016 fiel Kai Eichler nach 100 Kilometern erschöpft aber glücklich auf die Knie. Weltrekord!
Am 3. Dezember 2016 fiel Kai Eichler nach 100 Kilometern erschöpft aber glücklich auf die Knie. Weltrekord! | Bild: Gisela Keller

Am 20. Oktober 2017 startete Eichler im Trainingscenter der MTU seinen zweiten Versuch, innerhalb von 48 Stunden, erneut in kompletter Feuerwehrschutzkleidung, auf einem Laufband mindestens 160 Kilometer zurückzulegen und damit einen neuen Weltrekord aufzustellen. Zur Motivation lief Andreas Schell, Vorstandschef der Rolls-Royce Power Systems, auf einem zweiten Laufband in normaler Laufkleidung mit. Nach 41 Stunden und 22 Minuten musste Eichler aus medizinischen Gründen den Lauf abbrechen. Dass es so lange durchgehalten hat und dabei fast 140 Kilometer zurückgelegt hat, erkannte das RID vor wenigen Tagen als längsten Nonstop-Marsch in Feuerwehrschutzausrüstung auf einem Laufband an – ein weiterer Weltrekord für Eichler.