Wozu das Ganze? Die Vertriebskooperation mit einem E-Auto-Hersteller ist Teil einer Strategie, die das SWSee zum ökologischen und nachhaltigen Komplettdienstleister für Energie, Datenströme und eben Mobilität in der Region machen soll, wie es Geschäftsführer Alexander-Florian Bürkle beschreibt. „Wir verkaufen Lösungen“, bringt es Sebastian Dix auf einen Nenner. In Sachen E-Mobilität heißt das: „Die meisten Module davon haben wir schon“, so Dix. Der Kunde kann über das Stadtwerk heute bereits eine Ladebox für Zuhause, die wahlweise sogar den Strom aus Fotovoltaik vom eigenen Dach direkt ins Auto einspeist, kaufen und installieren lassen. Das Auto wäre quasi das i-Tüpfelchen eines Rundum-Komplett-Angebots für die private E-Car-Lösung.

Das Umfeld ist attraktiv. SWSee hat seit 2013 ein dichtes Ladenetz in der Region aufgebaut, das manche Großstadt nicht zu bieten hat. Allein 14 Ladepunkte stehen in den sechs Parkhäusern von SWSee, in denen die Nutzer sogar (noch) gratis „tanken“ können. Das Stadtwerk zählt Unternehmen zur Kundschaft, die auf Firmenparkplätzen Stromtankstellen für ihre Mitarbeiter anbieten. Mit dem "Emma"-Projekt wurde die E-Mobilität im Anschluss an den ÖPNV nicht nur modellhaft getestet, sondern unter der Regie von Bodo zumindest in drei Gemeinden in den Dauerbetrieb überführt. Auch Car-Sharing mit dem "Emma"-Label wird weiterhin angeboten. Erfahrungen mit E-Mobilität – und nicht nur positive – sind also da.

Zwar haben viele Stadtwerke in Deutschland das Thema Verkehr schon lange im Portfolio. So wie SWSee, das nicht nur den Stadtbus in Friedrichshafen betreibt, sondern auch an der Bodensee-Oberschwaben-Bahn (BOB), am Katamaran und nicht zuletzt auch am Bodensee-Airport beteiligt ist. Doch E-Mobilität als strategisches Geschäftsfeld zu betrachten, das machen dem Unternehmen am Bodensee derzeit nur wenige vor.

So verkauft die Thüringer Energie (TEAG), ein Pendant zur EnBW in Baden-Württemberg, bereits heute das elektromobile Gesamtpaket. Ladebox, Fahrstrom und geleastes E-Auto kosten dort – gestaffelt nach jährlicher Fahrleistung und Modell von Smart Fortwo bis BMW i3 — zwischen 169 und 509 Euro pro Monat. Mit einem Leasingmodell operieren auch die ebenfalls kommunal getragene Energie Calw GmbH im Nordschwarzwald. Kunden schließen bei der ENCW einen Stromvertrag ab, der den Haushalt fünf Jahre lang mit Energie versorgt. Dazu gibt’s die Ladebox in der Garage und einen Renault Zoe, den ein örtliches Autohaus als Kooperationspartner stellt. Das Paket kostet pro Monat 369 Euro – bei einer Laufleistung von 10 000 Kilometer pro Jahr und Vertragsabschluss über vier Jahre.

„Auch andere Stadtwerke machen in der Stadt mobil“, sagt Torsten Höck, Geschäftsführer des Verbandes für Energie- und Wasserwirtschaft (VfEW) in Baden-Württemberg und damit Sprachrohr von über 230 Energie- und Wasserversorgungsunternehmen im Land. Elektromobilität zu fördern sei mehr als nur Ladesäulen zu bauen und zu betreiben. Stadtwerke könnten mit solchen Konzepten einen Beitrag zur Verkehrswende in ihren Städten leisten. Nicht zuletzt passen solche Strategien in lokale Klimaschutzkonzepte. Aber attraktiv sei dieses Geschäft noch lange nicht, auch wenn der Staat den Bau von Stromtankstellen und den Kauf von E-Autos fördert. Dafür brauche es vor allem wettbewerbsfähige Preise von Elektroautos mit entsprechender Reichweite und gewohntem Komfort.

Noch ist der Vertrag zwischen SWSee und dem Hersteller von E-Cars nicht unterschrieben. Laut Unternehmenssprecher Sebastian Dix wird es noch einige Monate dauern, bis das erste Auto vom „Stadtwerk am See“ an einen Kunden verkauft werden kann. Zu welchen Bedingungen, wird sich dann weisen.

Noch viele Hürden auf dem Weg zur Elektromobilität

Eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020, sechs Millionen bis 2030 – das sind die Ziele der Bundesregierung für Elektromobilität.

  • Zu wenige Ladesäulen: Für einen solchen Boom an Elektroautos fehlt es allerdings unter anderem noch an einer angemessenen Zahl an Stromtankstellen im Land. Bundesweit gibt es nach Angaben des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) derzeit rund 10.700 öffentliche Ladepunkte. Für eine Million E-Cars bräuchte man zehn Mal so viel, hat der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft berechnet.
  • Zu wenig Marge: Mit 300.000 Millionen Euro fördert der Bund den Bau von Ladesäulen, weil dieses Geschäft für private Betreiber derzeit nicht attraktiv ist. Deshalb ist das Engagement kommunaler Stadtwerke wichtig. Laut einer VDE-Studie dauert das Aufladen an einem 11-Kilowatt-Ladepunkt ein bis zwei Stunden, wobei eine Ladung Strom 5 bis 10 Euro kostet. Die Margen seien viel zu gering, zumal die Installation einer Ladesäule mit üblicher Wechselstromspannung rund 10.000 Euro koste. Eine Schnellladesäule mit Gleichstrom sei drei Mal so teuer.
  • Wo man Strom tanken kann: Wo es öffentliche Ladestationen – auch für E-Bikes – am Bodensee gibt, zeigt beispielsweise eine Karte auf der Internetseite www.e-mobil-bodensee.de. Auf der Seite www.e-tankstellen-finder.com sind Stromtankstellen europaweit aufgeführt und zeigen darüber hinaus an, ob und wie viele Ladesäulen frei oder belegt sind. (kck)