Es ist ein Preis auf der Schwelle: Als Hilfe zum Start in eine professionelle Karriere stiftet die Stadt Friedrichshafen Förderpreise für junge Künstler. Sie sind Anerkennung und Ermutigung für Menschen, die neugierig machen auf neue, offene Blick-, Hör- und Denkweisen junger Kunst. Die diesjährigen Preisträger haben früh erkannt, was sie wirklich wollen.

Leidenschaft in Bewegung: Franziska Broschek

Franziska Broscheks Begeisterung fürs Tanzen begann mit vier Jahren im ersten Ballettkurs. „Wir sind da mit einer Gruppe Kindergartenmädels hingegangen. Mich hat es nicht mehr losgelassen. Die Leidenschaft war immer da“, sagt sie. Als sie elf war, begann sie mit Hip-Hop, später kam Dance Hall dazu. Sie reiste zu Workshops in ganz Europa und trainierte mit Hip-Hop-Größen wie „Les Twins“ oder „Royal Family“. Mit 15 wurde sie Dritte bei den Deutschen Meisterschaften, mit 18 Vierte bei den Europameisterschaften und 14. bei der Weltmeisterschaft. 2016 kam der Titel Deutsche Meisterin.

"Tanz für mich ganz unmittelbarer Ausdruck der Musik"

Vor zwei Jahren kehrte sie zum Ballett zurück. „Ich nehme das Beste aus allen Welten. Tanz ist für mich ganz unmittelbarer Ausdruck der Musik.“ Wenn sie tanzt, strömen Rhythmen durch sie hindurch, völlig mühelos scheint sie Gesetze der Schwerkraft ebenso außer Kraft zu setzen wie Grenzen der Beweglichkeit. Im zeitgenössischen Ballett drückt sie in fließenden Formen großen Ernst aus, wie losgelassen wirbelt sie durch Afro und Dance Hall, beim Hip-Hop führen alle Gliedmaßen ihr Eigenleben.

"Mit Jugendlichen zu arbeiten ist voll mein Ding"

Zum Beruf machen wird sie das Tanzen am Rande: Sie studiert Lehramt in Weingarten mit Hauptfach Sport. „Mit Jugendlichen zu arbeiten ist voll mein Ding.“ Das hat sie im Freiwilligen Sozialen Jahr an der Graf-Soden-Realschule festgestellt und in Tanzprojekten am Graf-Zeppelin-Gymnasium und der Ludwig-Dürr-Schule. Über den Preis freut sie sich sehr: „Das ist eine Riesenehre für mich.“

Energie auf der Flöte: Lea Polanski

In Lea Polanskis Spiel auf der Querflöte stecken viel Kraft und der Sinn für die große Linie.
In Lea Polanskis Spiel auf der Querflöte stecken viel Kraft und der Sinn für die große Linie. | Bild: Corinna Raupach

Wenn Lea Polanski Querflöte spielt, ist es, als tue sich eine Kraftquelle auf. Klare Töne leuchten voll Energie, noch zartes Piano vibriert vor Spannung. Auch wenn Tonkaskaden sprühen, verliert sie nie die großen Bögen aus dem Blick. „Ich möchte den Leuten etwas erzählen, ihnen Neues zeigen“, sagt sie. Querflöte spielen wollte sie, seit ihr das Instrument im Kindergarten begegnete, im Musikmärchen „Peter und der Wolf“.

"Meine Oma war meine Verbündete"

Eltern und Erzieher waren skeptisch – sie sei noch so klein. „Meine Oma war meine Verbündete“, erzählt sie. Die organisierte eine Lehrerin und fuhr die Enkelin zur Musikschule. Da es noch keine Kinderflöten gab, übte Polanski erst nur mit Kopfstück. Zwei Jahre später errang sie einen ersten Preis beim Wettbewerb „Jugend musiziert“. Sie besuchte ein Gymnasium mit Musikzug, begann mit 13 Jahren am Detmolder Jungstudierenden-Institut und setzte ihr Studium nach dem Abi an der Musikhochschule fort. Besonders gern musiziert sie im Orchester. „Man spielt tolle Werke und ist Teil eines großen Ganzen. Ich könnte mir gut vorstellen, mein Leben im Orchestergraben zu verbringen.“

"Der Preis ermöglicht mir Meisterkurse und Probespiele"

Die Liebe und eine besondere Ausbildungsmöglichkeit zogen sie vor drei Jahren an den See: Ihr Freund arbeitet in Friedrichshafen, sie pendelt an die Musikhochschule Luzern, wo sie von Pirmin Grehl, Soloflötist un Konzerthausorchester Berlin studiert. Sie engagiert sich in Musiktheater, Stadtorchester, Musikschulen und Ensembles. Dass die Stadt sie auszeichnet, bedeutet ihr viel. „Es ermöglicht mir Meisterkurse und Probespiele. Vor allem zeigt es mir, dass ich hier angekommen bin.“

Sinn für tiefe Töne: Ruben Föhr

Ruben Föhr spielt Bratsche, seit er fünf Jahre alt ist, hat Unterricht am Konservatorium in Feldkirch und ist Mitglied des Bundesjugendorchesters.
Ruben Föhr spielt Bratsche, seit er fünf Jahre alt ist, hat Unterricht am Konservatorium in Feldkirch und ist Mitglied des Bundesjugendorchesters. | Bild: Corinna Raupach

Mit selbstverständlicher Geste nimmt Ruben Föhr sein Instrument an den Hals. Dunkel lösen sich Töne unter seinen Fingern – mal klar und elegant, wenn er Bach spielt, mal expressiv und kraftvoll, wenn er sich der Spätromantikerin Rebecca Clarke widmet. „Ich liebe meine Bratsche, sie hat einen schönen, tiefen Klang, vor allem auf der C- und G-Saite“, sagt er.

"Ich liebe meine Bratsche, sie hat einen schönen, tiefen Klang"

Er begann mit fünf, Bratsche zu spielen. Seit 2015 absolviert er ein Vorstudium am Landeskonservatorium Feldkirch. Im Sommer hat er Abitur gemacht und bereitet sich auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule vor. Zwischendurch hat er Trompete und Eufonium ausprobiert und nimmt seit Kurzem Klavierunterricht. „Das Musikmachen an sich macht mir Spaß, an einem Stück zu üben und zu sehen, wie es sich weiterentwickelt.

"Das Geld hilft mir, wenn ich mal einen neuen Bogen kaufe"

Besonders viel Spaß macht es ihm im Orchester. „Jeder spielt seinen Teil und wenn es zusammenkommt, klingt es unglaublich.“ Er hat viel Erfahrung gesammelt: vom Jugendsinfonie- und Sinfonieorchester Friedrichshafen über das Windsor Youth Orchestra und ein Kammerensemble in Buenos Aires bis zum Landes- und Bundesjugendorchester. „Dort trifft man auf Gleichgesinnte, die klassische Musik lieben und die jeden Tag üben. In der Schule war das eher nicht so.“ Der Förderpreis ist für ihn eine Art Belohnung für die letzten 13 Jahre. „Das Geld hilft mir, wenn ich mal einen neuen Bogen kaufe.“