Richter Veiko Böhm hatte es vorausgesehen: Als der Vorsitzende des Ravensburger Schwurgerichts vor einer Woche das Urteil gegen einen 22-Jährigen aus Friedrichshafen bekannt gab, sagte der Richter, er rechne mit einem „Shitstorm“.

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Gefährliche Körperverletzung statt versuchter Mord

Denn der junge Mann, dem vorgeworfen wird, mehr als 40 Mal auf seine 16-jährige Ex-Freundin eingestochen, eingetreten und eingeschlagen zu haben, wurde nicht wegen versuchten Mordes, sondern wegen gefährlicher Körperverletzung zu acht Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Reaktionen in den sozialen Medien reichten von Äußerungen wie „eindeutiges Fehlurteil“, über Forderungen wie „Schmeißt diesen Richter im hohen Bogen raus“.

Staatsanwaltschaft: Keine Rechtsfehler zu erkennen

Wie es am Montag auf Anfrage hieß, wird die Ravensburger Staatsanwaltschaft keine Revision gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe einlegen. Pressesprecherin Christine Weiss teilte in einer schriftlichen Erklärung mit: „Mit einer Revision kann ein Urteil nur auf Rechtsfehler überprüft werden. Solche Rechtsfehler sind bei der Tatsachenfeststellung nicht zu erkennen.“

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Nichtweiterhandeln des 22-Jährigen entscheidend

Detailliert hat sich auch der für Öffentlichkeit zuständige Richter am Landgericht, Franz Bernhard, zu dem Urteil geäußert. Zunächst habe in jener Märznacht zwar ein beendeter Mordversuch vorgelegen. Aber nachdem er später bei der Rückkehr zum Tatort erkannt habe, dass seine Tat nicht zum Tod des Opfers geführt habe, „war das bloße Nichtweiterhandeln des Angeklagten für den Rücktritt ausreichend“.

In Paragraf 24, Absatz 1 des Strafgesetzbuches steht dazu: „Wegen Versuchs wird nicht bestraft, wer freiwillig die weitere Ausführung der Tat aufgibt.“

Verteidiger nicht für Stellungnahme zu erreichen

Klaus Martin Rogg, der Verteidiger des Verurteilten, war am Montag für keine Stellungnahme zu erreichen. Er hatte in seinem Plädoyer vor einer Woche fünf Jahre Freiheitsstrafe für ein Vergehen der gefährlichen Körperverletzung gefordert.

Sollte Rogg für seinen Mandanten in Revision gehen, müssten die erheblichen Kosten von den Angehörigen des 22-Jährigen aufgebracht werden. Statistisch gesehen haben nur vier Prozent aller Revisionen Erfolg.

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