Gleich mit dem ersten Lied gratuliert die Kirchengemeinde dem Geburtstagskind: "Alle Tage sind und sage Lob der Himmelskönigin". Maria, so geht die Legende, hatte am 8. September Geburtstag und am Sonntag darauf feiern die ihr geweihten Kirchen ihr Patrozinium. St. Maria Jettenhausen hat ihr eine besonders schöne Feier ausgerichtet: Die Kirche ist festlich geschmückt, drei Priester und 19 Ministranten sind im Einsatz und der Kirchenchor singt die B-Dur-Messe von Franz Schubert und das "Halleluja" von Georg Friedrich Händel.

Volltönend und freudig setzt der Chor mit dem "Kyrie" ein, nimmt sich dann andächtig zurück. Im "Gloria" jubelt er mit dem Orchester um die Wette. Tonrein und begeistert werfen sie ""Laudamus te" – "Wir loben dich" – in den Raum. "Gratias agimus" – "wir sagen Dank" setzt Sopranistin Yannah Neher mit jugendlich weicher Stimme ein, geschmeidig schließt Tenor Uli Müller-Adam an. Dunkel ruhig lässt Bass Hermann Locher die Töne fließen. Auf sein "qui tollis peccata mundi" – "der du die Sünden der Welt trägst" – antwortet der Chor leise "Miserere nobis" – "erbarme dich unser". Dass die hellen Frauenstimmen von einer starken Männerfraktion getragen werden, kommt hier besonders zur Geltung, der Sopran schwebt wie feines Licht über dunkler Klage. Diese Ausgewogenheit spiegeln die Solisten, zu denen noch Sabine Schiebels freundlich-klarer Alt gehört.

Das kleine, feine Projektorchester begleitet nicht nur, sondern verleiht seinen eigenen Passagen viel Ausdruck. Vor allem die Oboen heben sich immer wieder mit ihrem eigenen Gesang heraus. Mit lebhaften Bewegungen lenkt Dirigent Georg Hasenmüller Chor und Orchester, so dass Sänger und Musiker den jugendlichen Schwung dieser Messe ebenso ausstrahlen wie die nachdenkliche Innigkeit im "Sanctus" und "Agnus Dei". Schubert schrieb die Messe im Alter von 18 Jahren für seine Heimatpfarrei in Wien-Lichtental. Sie wurde 1815 vom dortigen Kirchenchor aufgeführt. Wie ursprünglich geplant, leiten die Einzelstücke auch in St. Maria Jettenhausen Abschnitte des Gottesdienstes ein und entfalten so jedes für sich eine besondere Wirkung.

Die Gemeinde feiert ihr Patrozinium gemeinsam mit der polnischen Gemeinde. Pfarrer Jan Krawiec übernimmt Teile der Liturgie und teilt sich die Lesung mit dem pensionierten Pfarrer Sigbert Baumann. Neu in der Gemeinde ist Pastoralreferent Philipp Heger, der sich im Gottesdienst vorstellt: Aus Dillingen an der Donau stammend studierte er als Mitglied des Kapuziner-Ordens Theologie und war dann Pastoralassistent in Spaichingen. Er wird noch im Seelsorgebezirk Mitte und im Karl-Maybach-Gymnasium tätig sein. In Jettenhausen will der 33-Jährige vor allem die Jugend ansprechen. Nicht nur die fehlt in vielen Gemeinden. "Das Dach brennt und wir diskutieren." Mit diesem Zitat eines katholischen Unternehmers leitet Pfarrer Rudolf Bauer seine Predigt ein. Er macht nicht nur eine Krise der Statistik aus, sondern eine Krise des Glaubens. "Der Glaube als Vertrauen, als Beziehung zu Gott, ist vielerorts verdunstet.

" In anderen Religionen sei das gemeinsame Gebet noch die Regel, auch der eigenen Kirche empfiehlt Bauer es an. Kronzeugin ist die Kirchenpatronin: Zu Maria, jungfräulich, mütterlich und barmherzig, trauen sich die Gläubigen, wenn sie Fehler gemacht haben, von ihr erwarten sie Verständnis und Fürsprache. Sie hat ihnen das Beten vorgemacht, als sie ledig ein Kind erwartete, dessen Weg in die Welt mit Sorge verfolgte, schließlich ihren Sohn verlor und nie aufgab. "Wir sind aber nicht nur ein Betverein, sondern wir versuchen umzusetzen, was uns das Wort Gottes aufträgt und zumutet", sagt Bauer. Zur Bestätigung geben Chor und Orchester feierlich kraftvoll das "Halleluja" von Georg Friedrich Händel, und die Gemeinde singt zum Abschluss: "Großer Gott, wir loben dich!"

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