Ein anerkennender Händedruck vom Chef ist nichts Ungewöhnliches. Es sei denn, es handelt sich um die Bundeskanzlerin. Am 20. Juni gratulierte Angela Merkel morgens um 10 Uhr der gebürtigen Häflerin Martha Dudzinski, mit ihrem Projekt Swans zur Bundesauswahl beim Startsocial-Wettbewerb 2018 zu gehören. "Und um 13 Uhr fing mein Dienst im Bundespresseamt an", erzählt die 29-Jährige lachend. Hier ist die Kanzlerin ihre oberste Dienstherrin. Doch das hat mit dem renommierten Engagementpreis nichts zu tun. "Das mit dem Händeschütteln war trotzdem irgendwie surreal."

Förderlücke geschlossen

Die Wahlberlinerin hat erst vor anderthalb Jahren zusammen mit vier Mitstreiterinnen eine soziale Initiative gestartet, die bundesweit ihresgleichen sucht. In Deutschland fehlt es an einer gezielten Förderung engagierter Studentinnen mit Zuwanderungsgeschichte, haben sie festgestellt. Swans will die Lücke schließen und organisiert ehrenamtlich Seminare für hoch qualifizierte junge Frauen, damit sie auch den passenden Job bekommen. Ein Anliegen, das die Robert-Bosch-Stiftung fördert.

Was unspektakulär klingt, ist für viele dieser Frauen ein großes Problem. "Jungs sind unglaubliche Selbstdarsteller", sagt Martha Dudzinski. Mädels hingegen ließen sich trotz enormer Fähigkeiten gern einschüchtern. "Gerade junge Frauen mit ausländischen Wurzeln glauben oft nicht an das, was sie können. Oder sie werden von außen diskriminiert", hat die Gründerin von Swans selbst erlebt. Und das ist wissenschaftlich belegt: In einer Studie der Ökonomin Doris Weichselbaumer, die vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit veröffentlicht wurde, mussten sich höher qualifizierte Frauen mit Kopftuch auf dem Bewerbungsfoto bei gleicher Ausbildung sieben Mal häufiger bewerben als Frauen mit deutschem Namen, um genauso oft eingeladen zu werden.

"Es wäre schön, wenn es einen Arbeitsmarkt gäbe, wo jeder den Job für das bekommt, was er kann. Das Frustrierende ist aber, das es eben nicht nur nach Lebenslauf und Qualifikation geht", sagt Martha Dudzinski. Damit Studentinnen und Absolventinnen mit hervorragenden Studienleistungen, die oft genug daneben auch noch Stipendien, Ehrenämter und Arbeitserfahrungen durch Praktika und fachrelevante Nebenjobs vorweisen können, zum Zuge kommen, helfe Swans mit seinen Schulungen dabei, die nötige Zielkompetenz für den Berufseinstieg zu entwickeln. Daneben wirkt die Initiative als Plattform für diese Frauen, um sich im geschützten Raum auszutauschen und zu vernetzen. "Viele fühlen sich dann nicht mehr allein mit ihren Erfahrungen, von denen einige wirklich krass sind. Die Seminare setzen enorme Energien frei."

Eigene Erfahrungen gemacht

Dass sich Martha Dudzinski so für Frauen mit Zuwanderungsgeschichte ins Zeug legt, hat ein Stück weit auch mit ihrer eigenen Biografie zu tun. Ihre Mutter ist Polin. Für das große Interesse an Politik sorgte wohl auch ihr Stiefvater, der frühere Landrat Siegfried Tann. Nach der Schulzeit an der Bodensee-Schule und dem Abi auf dem Graf-Zeppelin-Gymnasium studierte sie denn auch Politik in München und machte ihren Master in Edinburgh. Parallel und danach war Martha Dudzinski als Journalistin aktiv, berichtete unter anderem für das ARD-Studio in Warschau 2012 von der Fußball-EM, arbeitete für die Fernsehsendung "Galileo" oder schrieb für "Zeit online".

Laut Statistischem Bundesamt gebe es rund 200 000 Frauen in Deutschland, die in das Tätigkeitsraster von Swans passen. Pro Lehrgang sind es 20, die dank der Initiative die nötige Unterstützung erhalten. Um einen Platz müssen sich die Frauen, die aus ganz Deutschland kommen, bewerben. Die Anforderungen sind hoch. Künftig sollen attraktive Arbeitgeber, die immer auf der Suche nach Top-Leuten sind, in die Seminare eingebunden werden. "Das ist eine große Mittlerrolle für uns", sagt Martha Dudzinski, die trotzdem das Gefühl nicht loswird, noch viel mehr machen zu müssen. "Eigentlich sind war ja noch ganz am Anfang."